Der Entscheid kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für Sara. Ende Dezember kündigte die 26-jährige Kölnerin ihren Nebenjob, um sich voll auf ihr finales Studienjahr an der Universität Zürich zu konzentrieren. Dann hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs auf. Mit massiven Folgen auch für Sara. Denn auf ihrem Konto liegen Euro. Doch für das Leben in Zürich bezahlt sie mit Franken.

Pro Monat erhält Sara 430 Euro aus einem Stipendium, 120 Euro schiesst der Vater zu. Was vorher rund 660 Franken entsprach, sind beim aktuellen Kurs noch 560 Franken. Über Nacht ist Saras Budget geschrumpft. «Bisher blieben jeweils 90 Franken für persönliche Auslagen übrig. Jetzt habe ich kein Taschengeld mehr.» Jeder Kaffee in der Pause, jedes Zugbillett zehrt am Portemonnaie. Geschweige denn Dinge wie Kinobesuche oder Ausgang mit Freunden, «um als Ausländerin einen guten Kontakt zu pflegen».

Jeder Vierte kommt aus der EU

Ihre Eltern können nicht mehr beisteuern. Jetzt stopft Saras Partner, der schon bisher mehr an den Haushalt zahlte, das finanzielle Loch – auch wenn ihr das alles andere als Recht ist.

Sara gehört zu jenen elf Prozent der Bachelor-Studenten an der Uni Zürich, die für das Studium aus einem EU-Land in die Schweiz gekommen sind. An der ETH Zürich ist gar jeder Vierte aus der EU. Schweizweit kommt man auf etwa 40 000 ausländische und davon 15 000 deutsche Studenten. Tobias Hensel teilt Saras Sorgen. Der 26-jährige Bremer ist studentischer Vertreter im Universitätsrat der Uni Zürich und sagt: «Bei der jüngsten Entwicklung denkt man schon darüber nach, das Studium in der Schweiz aufzugeben.» Hensel ist trotz Nebenjob auf die Unterstützung der Eltern in Höhe von 1000 Euro monatlich angewiesen. Die erste Überweisung nach dem SNB-Entscheid erfolgt dieser Tage. «Ich bereite mich mental schon darauf vor, mit weniger Geld auskommen zu müssen.» Seinen ausländischen Kommilitonen gehe es gleich.

Wechselkurs könnte abschrecken

Als sich Hensel vor sechs Jahren an der Universität Zürich bewarb, kostete der Euro noch 1,50 Franken. «Stünde ich heute vor der selben Entscheidung würde ich mich nicht mehr für die Schweiz entscheiden.» Er geht deshalb davon aus, dass der starke Franken derzeit viele junge Menschen in Deutschland und anderswo von einem Studium in der Schweiz abhält.

Auch beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) kann man sich vorstellen, «dass der Wechselkurs für einige deutsche Studierende nun einen Studienaufenthalt in der Schweiz aktuell erschwert», wie ein Sprecher sagt.