Wenn es heiss ist in der Stadt und das Ende der Sommerferien naht, steht die Street Parade bevor. Am Samstag ist es wieder soweit: Zum 27. Mal lockt der Techno-Umzug Partyvolk aus halb Europa zu Hunderttausenden nach Zürich. Wobei Umzug eigentlich nicht mehr ganz das richtige Wort ist: Zwar ruckeln auch diesmal 30 sogenannte Love Mobiles ab 14 Uhr im Schritttempo vom Seefeld über die Quaibrücke in Richtung Zürich-Enge. Gut bestückt mit Soundsystemen, DJs sowie Tänzerinnen und Tänzern werden die Lastwagen das Seebecken unausweichlich zur Partyzone machen.

Doch eine der Hauptattraktionen der Parade findet schon ab 13 Uhr statt, und zwar nicht auf einem Love Mobile, sondern auf einer fest installierten Bühne: Die Rede ist vom zweistündigen Auftritt des Berliner Star-DJs Paul Kalkbrenner. Auf der Mainstage Opéra regiert er über die Akustik auf dem Sechseläutenplatz, wie die Street-Parade-Macher in einer Medienmitteilung schreiben – und möge mit seinem Gig ein insgesamt elfstündiges musikalisches Feuerwerk zünden, bevor die Street Parade dann offiziell um Mitternacht endet.

Acht Bühnen, 30 Love Mobiles

Die Shows auf den acht fixen Bühnen entlang der Paraderoute sind für die Street Parade mindestens gleich wichtig wie der Umzug der Technotrucks. Das ist aus der Mitteilung des Vereins Street Parade unschwer herauszulesen. Nebst dem hymnischen Hinweis auf den Kalkbrenner-Auftritt wird darin auch die Bühnenshow des spanischen Party-Labels Elrow prominent hervorgehoben: Stelzenläufer, überdimensionale Figuren und abstrakte Dekorationen gehören dazu, aber auch der Sound internationaler DJs. Elrow bespielt die Centerstage auf dem Bürkliplatz ab 13 Uhr.

Paul Kalkbrenner: Er ist der Stargast an der Street Parade 2018.

Paul Kalkbrenner: Er ist der Stargast an der Street Parade 2018.

Wie zum Ausgleich erwähnen die Parademacher auch noch das Love Mobile Nummer 1, das von den DJs Dubfire und Nicole Moudaber bespielt wird und nach dem Aufwärmen beim Restaurant Frascati um 14 Uhr den Umzug eröffnet. «So nahe dürften die Fans noch selten an ihre Idole gekommen sein», heisst es in der Mitteilung.

Die primäre Absicht hinter diesen Hinweisen ist naheliegend: Das Partyvolk soll schon ab Mittag zur Parade strömen, um mit seinen Konsumationen an den offiziellen Ständen das 2,5-Millionen-Franken-Budget für die Megaparty zu finanzieren; die DJs treten an der Street Parade traditionsgemäss ohne Gage auf. Nebst dem Werbeeffekt ist noch eine zweite Botschaft erkennbar: Die Street Parade, eine ursprünglich aus dem Untergrund teils illegaler Partys stammende Bewegung, die anfangs ausschliesslich auf Achse war, ist längst sesshaft geworden. Sie hat ihre Pflöcke genau dort, wo einst die Pfahlbauer Zürichs Anfänge bauten, fest eingeschlagen – in Form von fixen Bühnen. Sie hat sich «als zeitgenössisches Kulturgut etabliert», wie ihre Macher weiter festhalten. Das ist übrigens auch dem Bundesamt für Kultur nicht entgangen: 2017 nahm es die Zürcher Technokultur im Rahmen des Unesco-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes in die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz auf. Die Techno-Parade wird damit amtlich in eine Reihe mit Traditionen wie Sechseläuten, Knabenschiessen und Räbeliechtli-Umzüge gestellt.

Ein Ritual

Das mag zunächst irritieren. Doch es macht auch deutlich: Die Street Parade ist längst zu einem Ritual geworden. Man kennt den Ablauf, weiss, was in etwa auf einen zukommt: eine Übersicht über aktuelle Entwicklungen in der elektronischen Populärmusik, kombiniert mit Lasershows, anmächeligen Tanzdarbietungen und der Möglichkeit, sich zusammen mit Hunderttausenden ganz dem Partytreiben hinzugeben – oder davonzulaufen.