Zürich
Der Stalker googelte sein Opfer vom Gefängnis aus

Ein Häftling hatte eine Sozialarbeiterin beschimpft. Sie habe ihn halt provoziert, meint er als Entschuldigung. Die Strafe muss er dennoch zahlen, hält das Gericht fest.

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Der Täter sitzt derzeit in einem Zürcher Gefängnis eine Haftstrafe ab: Er hatte bei Google mehrmals nach einem Frauennamen gesucht. Und zwar nach jenem der Frau, die er zuvor über Jahre hinweg gestalkt hatte. (Symbolbild).

Der Täter sitzt derzeit in einem Zürcher Gefängnis eine Haftstrafe ab: Er hatte bei Google mehrmals nach einem Frauennamen gesucht. Und zwar nach jenem der Frau, die er zuvor über Jahre hinweg gestalkt hatte. (Symbolbild).

Keystone

Der Mann, im Strafverfahren nur A. genannt, sitzt derzeit in einem Zürcher Gefängnis eine Haftstrafe ab. Er wurde verurteilt, weil er jahrelang eine Frau verfolgt hatte. Im Gefängnis fiel er den Angestellten in einem begleiteten Internet-Surfkurs auf. Der Häftling hatte bei Google mehrmals nach einem Frauennamen gesucht. Und zwar nach jenem der Frau, die er zuvor über Jahre hinweg gestalkt hatte.

Aufgrund dieses Umstandes haben sich die Verantwortlichen der Justizvollzugsanstalt entschieden, beim nächsten Kurs das Surfverhalten des Mannes zu beobachten. Bereits nach fünf Minuten, heisst es im gestern veröffentlichten schriftlichen Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts, habe A. erneut nach der Frau gesucht. Und: «Er übertrug Zivilstandsnachrichten, in denen dieser Name vorkam, auf seinen Memorystick.»

Seine Sozialarbeiterin sprach ihn am nächsten Tag darauf an. Dabei deutete sie auch an, dass A. kaum auf eine Bewilligung seines ersten Urlaubsgesuches hoffen könne. Seine Aktivitäten bei Google seien, indem er fortwährend nach dem Opfer suche, «deliktrelevant». A. gab zwar zu, dass er nach dem entsprechenden Frauennamen gesucht habe. Dabei habe es sich aber nicht um sein früheres Opfer gehandelt, sondern um drei andere Frauen, die zufälligerweise denselben Namen trügen.

Als ihm die Sozialarbeiterin dies nicht glaubte, beschimpfte er sie als «Justizschlampe» und «miese Drecksau». Die Gefängnisleitung auferlegte A. eine Busse von 100 Franken wegen «beschimpfenden Vorgehens gegenüber Mitarbeitern in der Vollzugseinrichtung».

Dagegen setzte sich der Häftling zur Wehr. Seine Beschimpfung sei doch gerechtfertigt gewesen, hält A. in seinem Rekurs fest. Die Sozialarbeiterin habe ihn böswillig – in Form von Lügen und falschen Anschuldigungen – provoziert. «Diese Argumentation überzeugt nicht», hält das Verwaltungsgericht trocken fest. «Die Behauptung, A. habe lediglich nach drei Namensvetterinnen gegoogelt, erscheint reichlich konstruiert.» Es sei nachvollziehbar, dass die Sozialarbeiterin seinen Schilderungen keinen Glauben geschenkt habe.

Während des Verfahrens vor Verwaltungsgericht hatte sich A. auch darüber beklagt, dass er keine Einsicht in die Akten erhalten habe. Auf diesen Vorwurf trat das Gericht aber gar nicht erst ein: Der Mann habe «gar nie darum ersucht, Einsicht in die – ihm aufgrund des Rekursverfahrens bereits bekannten – Akten zu erhalten».

Insgesamt sei die Busse von 100 Franken angemessen, sagt das Verwaltungsgericht. Es auferlegt A. auch die Gerichtsgebühr von 620 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – A. könnte noch ans Bundesgericht gelangen.