Elektrizitätswerke
Der Sparbeitrag aus der Steckdose: Auch der Kanton will ein Stück vom Kuchen

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) sollen dem Kanton künftig 30 Millionen Franken pro Jahr abliefern. Das könnte teilweise zulasten der EKZ-Gemeinden und der Kunden gehen, die derzeit von den Gewinnen des kantonalen Energieversorgers profitieren.

Philipp Lenherr
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Bisher profitierten die EKZ-Kunden von Gewinnen, künftig möchte auch der Kanton 30 Millionen Franken pro Jahr einfordern. (Symbolbild)

Bisher profitierten die EKZ-Kunden von Gewinnen, künftig möchte auch der Kanton 30 Millionen Franken pro Jahr einfordern. (Symbolbild)

Keystone

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) versorgen einen grossen Teil des Kantons mit Strom und sind damit eines der grössten Energieversorgungsunternehmen in der Schweiz. Im Gegensatz zu vielen anderen kantonalen Elektrizitätswerken, beispielsweise denjenigen in den Nachbarkantonen Aargau, Thurgau und Schaffhausen, zahlen die EKZ ihrem Eigentümer aber bisher keine Gewinnbeteiligung aus.

Das will der Zürcher Regierungsrat im Rahmen des vergangene Woche präsentierten Sparprogramms «Leistungsüberprüfung 16» nun ändern. 30 Millionen Franken pro Jahr sollen ab 2017 in die Kantonskasse fliessen, lautet eine der 125 Massnahmen des Sparprogramms. Beschliessen kann der Regierungsrat die Massnahme jedoch nicht in eigener Kompetenz. Eine Änderung der EKZ-Verordnung, in der unter anderem die Gewinnverwendung geregelt ist, benötigt die Zustimmung des Kantonsrates.

«Der Verwaltungsrat der EKZ hat die Wünsche der Zürcher Regierung zur Kenntnis genommen. Er wird diese genau analysieren und prüfen. Und er wird seine Position bei den politisch zuständigen Stellen einfliessen lassen», sagt Priska Laïaïda, Leiterin Unternehmenskommunikation EKZ, auf Anfrage.

Genossenschaftliches Modell

Die von der Regierung geforderte Gewinnausschüttung wäre für die EKZ eine Neuerung, die sich auch auf die Unternehmensstrategie auswirken würde. Bis anhin verfolgt das Unternehmen eine Art genossenschaftliches Geschäftsmodell: Ziel ist ein möglichst günstiger Strompreis für die Verbraucher im Kanton.

Zudem erhalten diejenigen Gemeinden, welche die EKZ direkt versorgen, eine freiwillige Ausgleichsvergütung. Im laufenden Jahr werden so 11 Millionen Franken ausgeschüttet. Die einzelnen Kunden profitieren zudem von einem Bonus, der sich dieses Jahr auf rund 30 Millionen Franken beläuft. Für das Geschäftsjahr 2014/15 weist der EKZ-Geschäftsbericht abzüglich dieser Ausschüttungen noch ein Unternehmensergebnis von 35 Millionen Franken aus.

«Jede Erhöhung der Gewinnausschüttung, die nicht an die Kunden erfolgt, stellt gewissermassen eine Entfernung vom genossenschaftlichen Modell dar», sagt Laïaïda. Man werde dies im Strategiedialog mit dem Verwaltungsrat eingehend analysieren und die entsprechenden Anpassungen vornehmen.

Hohe Gewinnreserven

Sollte der Kantonsrat der Gewinnausschüttung zustimmen, stellt sich die Frage, woher die EKZ das Geld nehmen wollen. In den vergangenen Jahren lag das Ergebnis stets über den vom Regierungsrat geforderten 30 Millionen Franken. Zudem weist die Bilanz Gewinnreserven in der Höhe von fast 1,7 Milliarden Franken aus. Theoretisch liesse sich die Gewinnausschüttung also realisieren, ohne gleich den Strompreis zu erhöhen oder die Zahlungen an Gemeinden und Kunden zu reduzieren.

Trotzdem gilt grundsätzlich: Schneidet sich künftig auch der Kanton ein Stück vom Kuchen ab, bleibt entsprechend weniger übrig für die Kunden und Gemeinden. Hinzu kommt, dass der Kuchen in letzter Zeit nicht gerade grösser geworden ist: Nicht nur der Kanton profitierte in früheren Jahren von Dividenden des Energiekonzerns Axpo, sondern auch die EKZ. Diese Einnahmen haben indirekt dazu beigetragen, das Ziel eines tiefen Strompreises zu erreichen.

Für die letzten beiden Geschäftsjahre gab es jedoch keine Axpo-Dividende mehr. In den nächsten Jahren wird es voraussichtlich ebenfalls keine geben. «Die Dividendenerträge der Axpo sind mit hoher Unsicherheit zu beurteilen», sagt Laïaïda. In den eigenen Geschäftsfeldern hingegen erwarte man eine «ansprechende Performance», unter anderem auch dank der Kostensenkungsmassnahmen der vergangenen Jahre.