Spricht Werner Hofmann von seinem Kontaktmann aus Qatar, so nennt er ihn respektvoll «der Scheich». Dreimal schon habe er ihn getroffen, das erste Mal am 12. Juli, das letzte Mal vorgestern Abend. Die Treffen fanden in einer Suite im «Baur au Lac» statt, wo der Besuch residierte. Verhandelt wurde auf Englisch, wobei Hofmann auf seinen Anwalt als Übersetzer angewiesen war. Der Scheich hingegen spreche perfekt Englisch, erinnert sich der
61-jährige Unternehmer aus Buchs.

Wer «der Scheich» wirklich ist, weiss auch Hofmann nicht so genau. Zwar kennt er seinen Namen – den er selbstverständlich für sich behalten muss –, ob «der Scheich» aber der Besitzer des Hotels Atlantis ist, ob er zu dessen Familie gehört oder ob er lediglich der Rechtsvertreter der Eigentümer ist, bleibt im Dunkeln. Fest steht für Hofmann aber: «Der Scheich ist sehr sympathisch».

Und Hofmann setzt grosse Hoffnungen in den Investor, der das Atlantis kürzlich gekauft hat (Ausgabe vom 28. August). Denn die Studentenwohnungen, die Hofmann seit zwei Jahren im einstigen Luxushotel betreibt, sind illegal. «Der Scheich» soll nun helfen, den Betrieb auf eine legale Basis zu stellen. Nur wenn das gelingt, können die 150 Studierenden ihre Zimmer länger als bis zum 31. Dezember behalten. Andernfalls müssen sie raus. Das hat das Verwaltungsgericht bereits im letzten Januar so entschieden.

Das Gesetz überlisten

Im Weg steht Hofmann die Lex Koller. Sie verbietet es ausländischen Besitzern, in der Schweiz Wohnraum zu vermieten. Im Atlantis ist deshalb nur eine gewerbliche Nutzung – etwa ein Hotel – zulässig, Wohnungen sind es nicht.

Wie Hofmann den Verbleib der Studenten im Atlantis trotzdem ermöglichen will, erläuterte er gestern an einer Informationsveranstaltung. So hat er laut eigenen Angaben mit «dem Scheich» vereinbart, dass er ab dem 1. September für das Atlantis keine Miete mehr bezahlen, sondern nur noch für die Nebenkosten aufkommen muss. Bis jetzt zahlt Hofmann jeden Monat 34500 Franken allein für die Miete. Auch die Studierenden müssen so ab nächster Woche weniger bezahlen – statt 400 nur noch 200 bis 300 Franken monatlich.

Deren Mietverträge muss Hofmann auf Ende Jahr auf jeden Fall kündigen. Er will mit dem Hoteleigentümer aber neu einen Gebrauchsleihvertrag abschliessen. Der Besitzer würde darin erklären, dass Hofmann das Gebäude weiterhin nutzen darf, und zwar so lange, bis die Baubewilligung für die Umbauarbeiten vorliegt. Ein offizielles Mietverhältnis würde jedoch nicht mehr bestehen.

Ob der Mann aus Qatar tatsächlich mitzieht, ist allerdings unsicher. Eine schriftliche Zusage gibt es bisher nicht. «Wir haben uns per Handschlag geeinigt, das gilt als Vertrag», sagt Hofmann. Offenbar ist dem Eigentümer aber nicht ganz wohl bei der Sache. Laut Hofmann befürchtet er, die Studierenden könnten seine Grosszügigkeit ausnutzen und das Hotel besetzt halten – auch dann, wenn die Baubewilligung erteilt ist. «Ich habe ihm aber versprochen, dass wir das Feld rechtzeitig räumen», sagt Hofmann.

Am Montag wird er beim Bezirksrat Zürich um eine Erlaubnis für das neue Konzept ersuchen. Das fünfköpfige Gremium muss entscheiden, ob der Betrieb ohne Miete mit der Lex Koller vereinbar ist. In die Karten blicken lässt sich der Bezirksrat nicht. «Wir werden das Gesuch prüfen, wenn es vorliegt», sagt der stellvertretende Ratsschreiber Daniel Kauf und «einen vergleichbaren Fall hat es in unserem Bezirk nie gegeben.»

«Stocker findet Wohnungen super»

Schützenhilfe erhofft sich Hofmann von SVP-Regierungsrat Ernst Stocker. Diesen traf er letzten Dienstag zum Gespräch, um die Situation zu bereden. «Ich habe gespürt, dass Herr Stocker die Studentenwohnungen eine super Sache findet», sagt Hofmann. Irene Tschopp, Sprecherin des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, bestätigt zwar, dass der Volkswirtschaftsdirektor Hofmann wohlwollend gegenüberstehe. Beeinflussen könne er den Entscheid des Bezirksrats aber nicht.