Die Diskussion über Kunst am Swissmill-Turm in Zürich geht in die nächste Runde. Am Samstagabend erstrahlte das Silo in tropischem Kleid. Hinter der Lichtprojektion steckt das Künstlerkollektiv «Projektil». Diese setzten bereits vor zwei Jahren das Opernhaus mit einer Lichtinstallation in Szene.

Die Freude über die Projektion auf der 118 Meter hohen Betonwand reicht bis in den Zürcher Gemeinderat. «Ich habe trotz des hängigen Postulates zur Verschönerung des Swissmill-Turms nichts mit der Guerilla-Aktion zu tun», sagt GLP-Gemeinderat Guido Trevisan. Zusammen mit Parteikollege Shaibal Roy reichte er im Juni das Postulat «Swissmill-Silo, bessere Gestaltung der Fassade unter Einbezug der Quartierbevölkerung und in Absprache mit der Eigentümerin» ein.

Wie die Stadt Zürich auf Anfrage mitteilt, bräuchte es für Beleuchtungsaktionen eine Bewilligung und das Einverständnis der Eigentümer der bestrahlten Liegenschaft. Und wie sich zeigt, wusste auch Turmbesitzerin Coop nichts von der Installation. Coop-Sprecherin Andrea Bergmann sagt auf Anfrage: «Wir prüfen derzeit, wie wir im konkreten Fall weiter verfahren.»

Kunst als Politikum

Der Swissmill-Bau – entweder «Kotzbrocken» oder auch gerne «Mahlzahn» genannt – scheidet die Geister immer wieder aufs Neue. Trevisan sagt dazu: «Die Kunst am Swissmill-Bau wird politisch heiss diskutiert.» Gerade weil der zweithöchste Turm von Zürich das Stadtbild stark prägt.

Zum Leid von Treivsan und Roy empfahl der Kantonsrat am 24. August ihr Postulat abzulehnen. Derzeit liegt das Papier auf dem Tisch des Gemeinderates, respektive des städtischen Hochbaudepartements. Im Verlauf der nächsten zwei Monate soll über den Vorstoss der beiden GLP-Politiker befunden werden.

Der Schrei nach Verschönerung des zweithöchsten Zürcher Turms ist für das Baukollegium der Stadt Zürich, bestehend aus international renommierten Architekten und dem Amt für Städtebau, ein Dorn im Auge. So sagt Coop-Sprecherin Bergmann: «Die Gestaltung entspricht den Vorgaben für einen industriellen Zweckbau. Als Bauherr sind wir mit der Umsetzung zufrieden.» Trevisan kontert: «Es ist schade, dass die Swissmill-Besitzer keine Verschönerungs- und Nutzungsdiskussion führen wollen. Ich würde mir von den Besitzern des zweithöchsten Turms in Zürich mehr Interesse am städtebaulichen Bild wünschen.»

Schönheitskur für Gebäude

Aber nicht jede Kunst-am-Bau-Form sorgt für so viel erhitzte Gemüter wie das Silo an der Limmat. Die Lichtinstallation vom Samstag war bereits die zweite Aktion dieser Art. Im vergangenen Dezember wurden zum 35-jährigen Jubiläum der Stiftung Frauenhaus Zürich während zweier Stunden blaue Schriftzüge wie etwa «Stopp häusliche Gewalt – schau nicht weg» auf die graue Wand projiziert. Auch dieses Projekt war eine Guerilla-Aktion über die weder Coop noch Swissmill informiert waren.

Grundsätzlich ist die Kunst am Bau in Zürich ein wiederkehrendes Thema. Bereits am 23. September soll der Münsterhof mit einer Projektion beleuchtet werden. Dies teilt die Stadt auf Anfrage mit. Thema der Installation ist das 70-jährige Jubiläum der Churchill-Rede. Dazu gibt es noch andere Projekte der Stadt, die Kunst im oder am Bau realisieren. Drei Lampenobjekte und zwei Wandgestaltungen des deutschen Künstlers Stefan Burger werden im Schulhaus Kern nach dessen Instandsetzung ab 2017 für künstlerische Akzente sorgen. Ein weiteres Projekt der Stadt ist die «Kunst Station Triemli». Ein Gremium aus Spitalangehörigen, Architekten und Kunstfachleuten realisierten zwischen 2010 bis 2016 insgesamt 35 Kunstprojekte. Dieser gesamte Prozess beschliesst nun das Konzept «Disegno»: Zehn Künstlerinnen und Künstler gestalteten jeweils ein Geschoss des Spitals. Und seit dem Sommer 2014 beinhaltet auch die Baustelle auf der Kronenwiese zwischen Kornhausstrasse und Nordstrasse ein Kunstprojekt. Vom Keller bis zum 5. Stock entsteht etagenweise eine Kunst-und-Bau-Arbeit des bildenden Künstlers Christian Kathriner mit dem Arbeitstitel «Herbarium».

Auch andere Künstler hatten schon Ideen, wie sie den Swissmill Tower verschönern könnten: