Zürich
Der Rosenverkäufer der Langstrasse steht vor der Ausschaffung

Hat Kubeysi Genoglu bald seine letzte Rose in Zürich verkauft? Dem im Langstrassenquartier bekannten und geschätzen Rosenverkäufer droht die Ausschaffung in sein Heimatland, doch im Quartier wächst die Unterstützung für ihn.

Florian Schmitz
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Trotz Sympathiebekundungen und Unterstützung sieht es schlecht aus für den Rosenverkäufer.

Trotz Sympathiebekundungen und Unterstützung sieht es schlecht aus für den Rosenverkäufer.

ZVG

Kubeysi Genoglu (51) gehört im Zürcher Kreis 4 fast schon zum Inventar. Seit mehr als zehn Jahren streift der in Anzug und Krawatte gekleidete Kurde durch die Bars und Pubs des Langstrassenquartiers und verkauft seine Rosen - stets höflich und zuvorkommend.

Jetzt muss Genoglu die Schweiz verlassen, wie der Entscheid des Zürcher Migrationsamts verkündet: «Wir setzen hiermit die Frist zum Verlassen der Schweiz neu auf den 24. Februar 2014 an.» Das Weiterziehen des Entscheids bis vors Bundesgericht blieb erfolglos.

Vorwurf Scheinehe

In der Begründung für die Ausschaffung heisst es laut «20 Minuten», der Rosenverkäufer habe eine Scheinehe geführt. Obwohl er drei Jahre mit seiner Schweizer Frau zusammen lebte und die Drogenabhängige gemäss seinem Anwalt Willy Blättig auch weiterhin unterstützte, als die Frau im Gefängnis landete, glaubte ihm das Gericht nicht.

Gegenüber «20 Minuten» äusserte sich Genoglu enttäuscht und perplex: «Ich liege dem Staat nicht auf der Tasche und beziehe keine Sozialleistungen. Ich bin doch keine Last für die Schweiz.» Er habe zwar in der Türkei noch Familie, aber fühle sich mittlerweile in Zürich sehr heimisch und würde gerne hier bleiben.

Petition als Unterstützung

Der in der Nachbarschaft geschätzte Rosenverkäufer erhält nun Unterstützung aus dem Quartier. Die ehemalige SP-Gemeinderätin Rose Zschokke hat eine Petition für den Verbleib Genoglus gestartet, die am Montag Regierungsrat Mario Fehr überreicht werden soll. Die Petition liegt in vielen Lokalen im Kreis 4 aus und auch auf Facebook erntete der Kurde viele Sympathiebekundungen. Auch Rose Zschokke bricht für Genoglu eine Lanze: «Ich kenne Herrn Genoglu schon lange. Er ist einer der anständigsten und höflichsten Menschen, der mir je begegnet ist.»

Der Einfluss der Petition bleibt jedoch höchstwahrscheinlich gering. Folglich zeigt sich Anwalt Willy Blättig gegenüber «20 Minuten» skeptisch bezüglich Genoglus Chancen für einen Verbleib in der Schweiz. Allerdings würde er einen wohlwollenden Vermerk Mario Fehrs an die Härtefallkommission durchaus begrüssen, sollte der Regierungsrat sich von der Petition überzeugen lassen.