Landesmuseums-Erweiterung
Der Platzspitz in Zürich vor dem grossen Eingriff

Ab Freitag wird Zürichs berühmtester Park zur Baustelle. Noch herrscht Ruhe auf dem Platzspitz. Spaziergänger geniessen das frühlingshafte Wetter, Kinder klettern in Bäumen herum, Hunde markieren ihr Revier.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen

Ab Freitag wird ein Teil von Zürichs berühmtestem Park dann zur Baustelle: Der Spatenstich zur Erweiterung des Landesmuseums steht an - und damit der erste grössere bauliche Eingriff in den Platzspitz seit Ende des 19. Jahrhunderts. Der Park schrumpft einmal mehr. Die lange Geschichte seiner Urbanisierung setzt sich damit fort.

Weide für die Nutztiere

Im Mittelalter diente das Landstück zwischen dem Zusammenfluss von Limmat und Sihl noch als Weide für die Nutztiere der Stadtbewohner. Seit dem späten 14. Jahrhundert wurde es zudem als Schützen- und Exerzierplatz genutzt. Sein Wandel zum Park erfolgte 1780: Johann Caspar Fries legte einen spätbarocken Lusthain nach französischem Vorbild an. Einige Platanen im heutigen Platzspitz stammen noch aus jener Zeit, wie einer Dokumentation des städtischen Tiefbau- und Entsorgungsdepartements zu entnehmen ist.

Der Bau des ersten Bahnhofs 1856 bis 1847 schob einen ersten Riegel zwischen Stadt und Platzspitz. Anlässlich der ersten Schweizerischen Landesausstellung 1883 wurde der Park erneut landschaftlich umgestaltet und mit Kleinbauten ergänzt, von denen der Musikpavillon noch heute als letztes Relikt steht. Auch der nächste grosse Eingriff diente der markanten Selbstdarstellung des noch jungen Bundesstaates Schweiz: 1884 bis 1898 entstand das Schweizerische Landesmuseum nach den Plänen von Gustav Gull.

 Modell des Landesmuseums mit dem geplanten Erweiterungsbau.

Modell des Landesmuseums mit dem geplanten Erweiterungsbau.

zvg

Baulich blieb der Park seither praktisch unverändert. Nur die Limmatregulierung von 1949 bis 1954 veränderte sein Erscheinungsbild am Rande: Das neue Wehr hob den Limmatpegel um zwei Meter an, anstelle der Uferböschung entstand eine Ufermauer.

Die Drogenszene

Traurige Berühmtheit erlangte der Platzspitz weltweit Ende der 1980er-Jahre als «Needle-Park»: Eine offene Drogenszene, die zeitweise über 2000 Süchtige umfasste, hatte sich hier entwickelt. Im Februar 1992 schloss die Stadt den Park. Die Drogenszene verlagerte sich flussabwärts zum stillgelegten Bahnhof Letten, ehe die Stadt sie erneut vertrieb. Um den Platzspitz wurde es still. 1993 öffnete die Stadt den Park wieder, und die Bevölkerung eroberte ihn als Erholungsgebiet zurück.

Die geplante Erweiterung des Landesmuseums, wie sie die Basler Architekten Emanuel Christ und Christoph Gantenbein 2002 entwarfen, sorgte in der Folge für heftige Diskussionen. Gegner wie SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, der Zürcher Heimatschutz und die Gesellschaft für Gartenkultur warnten vor einer Zerstörung des Platzspitz. Fakt ist, dass der von den Parlamenten des Bundes, des Kantons und der Stadt Zürich sowie von den Zürcher Stimmberechtigten bewilligte

111-Millionen-Franken-Bau 1300 von 36 400 Quadratmetern Parkfläche beansprucht. Fakt ist auch, dass er das Erscheinungsbild des Platzspitz markant verändern wird. Die Diskussionen über den ersten Modernisierungsschub an diesem Ort seit über 100 Jahren dürften weitergehen.