Förderpreis

Der Pioniergeist in der Wärmeschüssel

Speisen in Porzellan-Schüsseln warmhalten: die Erfindung des jungen Timo Hafner machts möglich. ho

Speisen in Porzellan-Schüsseln warmhalten: die Erfindung des jungen Timo Hafner machts möglich. ho

Die Firma Gastros erhält für ihre Erfindung den «Nobelpreis für Jungunternehmer». «Dass wir diesen Preis, der als Nobelpreis für Jungunternehmer gilt, gewonnen haben, gibt uns enormen Auftrieb», erklärt Roger Bührer, der CEO der Gastros AG.

Genial fanden die Mitglieder des Stiftungsrats der Stiftung W. A. de Vigier die Erfindung von Timo Hafner. So genial, dass sie ihm soeben einen Förderpreis in der Höhe von 100 000 Franken zuerkannt haben. «Dass wir diesen Preis, der als Nobelpreis für Jungunternehmer gilt, gewonnen haben, gibt uns enormen Auftrieb», erklärt Roger Bührer, der CEO der von Hafner und mehreren Investoren auf die Füsse gestellten Gastros AG, welche die Geschäftsidee umsetzt.

Sie beruht auf einer neuen Methode der Warmhaltung von Speisen in Gastronomiebetrieben. Statt dass die Speisen vom Fisch über Fleischspiesschen und Gemüse bis zur Sauce in Metallbehältern warmgehalten werden, die mittels einer brennbaren Paste und dem Wasser in den Hohlräumen aufgeheizt werden, erfolgt beim neuen System die Wärmegewinnung mittels Induktion.

Am Anfang verbrannte Finger

Am Ursprung der Idee ist, wie Bührer erzählt, ein schmerzhaftes Erlebnis Hafners in den Ferien, als er sich, damals ein 16-jähriger Jüngling, an einem heissen Chafing Dish, wie die bisher gebräuchlichen Metallbehälter genannt werden, die Finger verbrannte. Im Physikunterricht hatte er gerade etwas von Induktion gehört, und so fragte er sich, warum man nicht diese Form der Energieerzeugung nütze und weniger heiss werdendes Porzellangeschirr verwende, um die Speisen warmzuhalten. Die Antwort war einfach: Porzellan zerspringt, wenn es zu rasch und nicht überall gleichmässig erwärmt wird.

Jahrelang tüftelte Hafner, der ein Studium der Betriebswirtschaft an der Hochschule St. Gallen absolvierte, in der Garage seiner Eltern an einer Möglichkeit von hitzebeständigem Porzellangeschirr. Hunderte von Schüsseln seien draufgegangen, weiss Bührer. Dann gelang es, eine dünne Folie zu entwickeln, die, unten an die Schüsseln geklebt und eingebrannt, das Bersten verhindert.

«Diese Folie ist das Geheimnis unseres Erfolgs», sagt der Geschäftsführer der Gastros AG, die ihr Domizil im Zürcher Technopark hat. «Wir sind hier die Exoten», bemerkt er lachend. Während in den meisten anderen Büros am Bildschirm gewerkt wird, sind die Produkte der Gastros AG im realen Leben im Einsatz. Klar gehört auch eine Softwaresteuerung dazu, aber die Tische mit den Induktionselementen und die speziellen Schüsseln sind physisch vorhanden, sind anfassbar. Gastros verfügt über transportable Modelle, die man auch für den Catering-Einsatz mitnehmen kann.

Offenbar mit Erfolg: Wer etwas von der Gastronomie verstehe, sei sogleich begeistert, sagt Bührer, der ursprünglich Bierbrauer bei Haldengut in Winterthur war. Die bisherige Methode mit den Chafing Dishs sei alles andere als befriedigend. Das Hantieren mit Brennpaste und Wasser sei aufwendig, ausserdem könne man die Temperatur, anders als bei der Induktionslösung, nicht variieren. Zudem sei die Paste viel teurer als der elektrische Strom für die Herstellung der Magnetfelder. «Ausserdem sieht unser Porzellangeschirr viel besser aus als die Blechkübel», sagt Bührer schmunzelnd.

ETH und Air Berlin sind Kunden

Die Vision der jungen Firma besteht darin, die Hotellerie, Restauration und gehobene Gemeinschaftsverpflegung bezüglich Warmhaltung von Speisen zu revolutionieren. Das System ist bereits in etlichen Hotels im Einsatz, etwa im Hotel Spitzhorn in Saanen. Das ETH-Dozentenfoyer in Zürich wird gerade damit ausgestattet. Air Berlin wendet es im neuen Flughafen Berlin-Brandenburg an, und in Frankfurt baut es eine grosse Anwaltskanzlei ein, um ihren Gästen etwas Besonderes zu bieten. Auch in grösseren Privathaushalten mit gehobener Küche eignet sich nach Bührers Worten das System. Es sei in der Investition zwar teurer als die bisherige Art der Warmhaltung, aber er betont: «Unser System ist nicht einfach eine technische Spielerei, sondern reduziert die Kosten im täglichen Betrieb.»

Geld wird gleich wieder investiert

Wie sich zeigt, setzen vor allem neue Hotels auf die neue Idee, und zwar nicht nur in Europa. Auf einer Asientour ist Bührer ebenfalls auf gute Resonanz gestossen. Denn: In Asien boomen neue Hotels.

Der Preis der De-Vigier-Stiftung kommt dem jungen Unternehmen sehr zupass, der erhaltene Geldbetrag wird gleich wieder investiert. Der Marktaufbau sei sehr aufwendig, sagt der CEO. Und dann hat das jetzt fünfköpfige Team auch weitere Ideen, wie man die neue Lösung zugunsten des Gastes erweitern könnte. «Der Pioniergeist steckt immer noch in uns.»

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