Portrait
Der Pfeifenmacher muss es wissen: «Man zelebriert das Rauchen wieder»

Der Pfeifenmacher Roman Peter kennt sich aus mit Rauchen und allem, was dazu gehört. Nun kommt er mit seinem alten Handwerk auch bei den Jüngeren wieder vermehrt zum Zug.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Roman Peter aus Affoltern am Albis ist einer der wenigen, die das Handwerk des Pfeifenmachens in der Schweiz betreiben.

Roman Peter aus Affoltern am Albis ist einer der wenigen, die das Handwerk des Pfeifenmachens in der Schweiz betreiben.

Chris Iseli

Der Rauch hat sich fast überall verzogen. Sei es in Restaurants, am Arbeitsplatz, in Zügen, Wartesälen, Konzertlokalen: Wo Menschen zusammenkommen, herrscht heute meistens Rauchverbot. Dennoch spricht Roman Peter von einer Renaissance des Rauchens. Genauer: von einer Renaissance des Pfeiferauchens.

Der 52-Jährige muss es wissen: Er ist einer der wenigen, die das alte Handwerk des Pfeifenmachens in der Schweiz noch beruflich betreiben – und nach seinen eigenen Worten landesweit der einzige Pfeifenrestaurator.

Vor 32 Jahren eröffnete er seine erste Pfeifenwerkstatt, damals noch nebenberuflich. Inzwischen ist das Pfeifenmachen und -restaurieren, zusammen mit dem Betrieb eines Tabak-, Pfeifen- und Whiskyladens, längst sein Vollzeitjob.

Die Renaissance des Rauchens hatte laut Peter mehrere Phasen: «Ende der 90er-Jahre kamen Zigarren wieder auf, um 2005 dann Wasserpfeifen.» Auch Schnupftabak und Kautabak waren nach der Jahrtausendwende wieder vermehrt gefragt. Und jetzt, im Zuge einer Rückbesinnung auf Traditionen, kämen vermehrt auch jüngere Leute auf den Geschmack des Rauchens traditioneller Tabakpfeifen, denen lange ein grossväterliches Image anhaftete.

Der Tabakkonsum hat sich gewandelt: «Man raucht weniger, dafür bessere und teurere Produkte», stellt der Pfeifenmacher und Tabakhändler fest. Und: «Man zelebriert das Rauchen wieder.»

Es riecht nach Holz und Rauch in seiner Werkstatt, die sich in einem Gewerbehaus am Rand von Affoltern am Albis befindet. An den Wänden und an der Decke hängen riesige Pfeifen. Es sind Sammlerstücke aus vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten, die der gelernte Restaurator und Möbelschreiner repariert. Manchmal vergehen Monate oder gar Jahre, bis er passende Ersatzteile findet. Doch Pfeifenraucher sind es in der Regel gewohnt, sich für ihre Passion Zeit zu lassen.

Auch das Herstellen einer neuen Pfeife in Handarbeit braucht seine Zeit. Einen Tag benötigt Peter normalerweise dafür. Wenn Kunden ganz spezielle Wünsche haben, kann es auch mal länger dauern. So wie bei jenem Kunden, der eine genau 48 Gramm schwere Pfeife bestellte:

Peter hat inzwischen das dritte Exemplar in Arbeit, um dem Wunsch zu entsprechen. Er nimmts gelassen: «Die anderen Exemplare kommen dann eben in den Laden.» Die kunsthandwerkliche Präzisionsarbeit hat ihren Preis. Eine Pfeife mit perfekt-gleichmässiger Holzmaserung, im Fachjargon «Straight Grain» genannt, kostet um die 1000 Franken. Die günstigeren Produkte des Pfeifenmachers sind ab 100 Franken zu haben.

Dahinter steckt nicht nur handwerkliche Präzisions-, sondern auch Beziehungsarbeit. Denn das Holz bezieht Peter direkt von Bauern aus Griechenland, Sardinien oder Süditalien. Manchmal nimmt er dabei auch Stücke in Kauf, die er eigentlich gar nicht gebrauchen kann. Das gehöre zur Beziehungspflege.

Bruyère-Holz muss es sein. Es entstammt dem Wurzelstock der Baumheide. Und weil es nur auf kargen, steinigen Böden im Mittelmeerraum gedeiht, enthält es Kieselsäure. Sie sorgt dafür, dass beim Rauchen ausser dem Tabak nichts anbrennt. Zudem ist das Holz aus dem Wurzelstock sehr langsam und feinporig gewachsen, während mindestens 25 Jahren.

In Peters Werkstatt gelangt es in Form von handlich zurechtgesägten Klötzen. Der Pfeifenmacher zeichnet die Silhouette eines Pfeifenkopfes darauf, schnitzt dann grob dessen Form aus dem Holzklotz heraus. Und dann heisst es feilen, feilen, feilen bis der Pfeifenkopf die gewünschten Rundungen erhält.

Danach: schleifen, schleifen, schleifen, zuerst mit grobkörnigem Schleifpapier, dann mit immer feinerem, bis hin zum 400er-Schleifpapier. Wünscht der Kunde eine gefärbte Pfeife, trägt Peter zwischen den Schleifvorgängen immer wieder eine Schicht Wasserfarbe auf, Schwarz, Rot oder Goldbraun etwa.

Durch das wiederholte Abschleifen erhält die Farbe Tiefenwirkung. Ist die Holzoberfläche fein genug geschliffen, gehts schliesslich ans Polieren. Peter benützt dafür eine Mischung aus Bienenwachs und Bimssteinmehl, mit der er die Tücher der Poliermaschine einreibt.

Das Interesse am alten Handwerk hat laut Peter viel zur Renaissance des Pfeiferauchens beigetragen. Gerade die jüngere Kundschaft komme häufig aus der «Ethnoszene», die sich auch für traditionelle Trachten oder Schwingfeste interessiere.

Bei ihm selbst sei die Leidenschaft für Pfeifen jedoch anders entflammt worden: «Mein Vater schenkte mir meine erste Pfeife, als ich 15 war. Er wollte mich damit von Zigaretten fernhalten.» Insgeheim habe der Vater wohl damit gerechnet, dass der Sohn an der Pfeife nur vorübergehend Gefallen finden würde.

Doch es sollte anders kommen. «Ich zog es durch», sagt Roman Peter, während Rauchschwaden aus seiner Pfeife aufsteigen.