Der Albis ist privilegiert. Er beherbergt eine von schweizweit nur drei Radarstationen des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie Meteo Schweiz. Doch im letzten Sommer passierte es. Der Radar lieferte keine Signale mehr in die Zentrale. «No Albis» hiess es auf sämtlichen Niederschlagskarten, die im Internet für jedermann ersichtlich sind. Über eine Woche dauerte es, bis das teure Ersatzteil aus dem Ausland angeliefert und der Radar wieder funktionstüchtig gemacht werden konnte.

Das zuverlässige Funktionieren des Wetterradars ist äusserst wichtig, stellen die Daten doch die Grundlage für Gewitterwarnungen oder Hochwasserberechnungen dar. Für Martin Dippon von Meteo Schweiz ist klar: «Dass der Radar ausfällt, darf nicht passieren.» Seit mehreren Jahren plant Meteo Schweiz deshalb in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) einen Neubau der Radarstation und die Installation eines neuen Wetterradars. Die aktuellen Geräte und Zahnkränze sind nach fünfzehn Jahren Dauerbetrieb schlicht am Ende ihrer Lebenszeit angelangt.

Drei Radargenerationen überdauert

Die Baupläne lagen kürzlich auf dem Bauamt Langnau auf. Sie zeigen, dass der alte Turm, der noch aus den 1960er-Jahren stammt und bereits drei Radargenerationen überdauert hat, definitiv abgebrochen wird. Die neuen Geräte sind schwerer, der Turm aber altersschwach. «Ein Neubau kommt auf jeden Fall günstiger als eine weitere Verstärkung», sagt Jonas Spirig von der Medienstelle des Bundesamtes für Bauten und Logistik.

Der neue Turm kommt wenige Meter neben dem alten zu stehen - aber immer noch auf dem gleichen Stationsgebäude, das unverändert belassen wird. Der neue Turm wird allerdings deutlich höher sein: 47,5 Meter statt wie bisher 37 Meter. Meteo-Schweiz-Projektleiter Martin Dippon erklärt: «Die Radarsignale müssen über den Baumspitzen ausgesendet werden können, sonst beeinflusst das die Bilder. Weil der Wald in den letzten Jahrzehnten in die Höhe gewachsen ist, muss nun auch der Turm höher sein. Schliesslich soll er 40 Jahre halten.»

800000 Franken

Das 800 000 Franken teure Bauprojekt ist unumstritten. Niemand hat den baurechtlichen Entscheid verlangt, wie der Langnauer Bausekretär Ueli Amstutz auf Anfrage erklärt. Der Baurechtsentscheid werde im März oder April gefällt, sei aber abhängig vom Entscheid der kantonalen Baudirektion. Der Grund: Der Standort des Bauvorhabens liegt ausserhalb einer Bauzone, innerhalb der Waldabstandslinien sowie im Natur- und Landschaftsschutzgebiet von überkommunaler Bedeutung. Solche Bauvorhaben müssen auch von kantonalen Stellen beurteilt werden.

Läuft alles glatt, wollen die Verantwortlichen in diesem Herbst das Fundament legen und im April 2012 den Turm bauen. Und das wird spektakulär werden. Weil der Bauplatz nicht über eine normale Strasse zugänglich ist, wird der Rüstplatz in einiger Entfernung installiert. «Wir müssen dann alles per Helikopter rüberfliegen», sagt Dippon. Ausserdem müsse der bestehende Radar während der Bauphase abgeschaltet werden: «Der höhere Turm würde den Radarbetrieb stark stören. Deshalb müssen wir den alten Radar abschalten, sobald der neue Turm bis zur gleichen Höhe gebaut ist.» Dippon rechnet mit einem Ausfall von einigen Wochen.