Zum Fototermin bringt Jörg Mäder, Regierungsratskandidat der Grünliberalen, zwei Dinge mit, die für ihn den Kanton Zürich repräsentieren: zum einen das Statistische Jahrbuch des Kantons. Es soll das rationale Denken des studierten Umweltwissenschafters und freischaffenden Programmierers symbolisieren.

Zum anderen einen Plüschlöwen, der die rechte Vorderpranke in einer Schlinge trägt. Schutz und Rettung Zürich gebe das Kuscheltier jeweils an verletzte Kinder ab, erklärt Mäder, der Unteroffizier in der freiwilligen Feuerwehr Opfikon ist. Der Plüschlöwe stehe fürs Emotionale, für die Verletzlichkeit, fürs einander Helfen. «Das darf auch der Staat nicht vergessen», sagt der GLP-Kandidat. «Auch ein starker Leu braucht mal Hilfe.»

Mit Mäder setzen die Grünliberalen bei den Wahlen am 24. März zum Sprung in den Zürcher Regierungsrat an. Vor vier Jahren verzichteten sie auf eine Kandidatur. «Jetzt ist die Zeit reif», sagt Mäder, der seit 2009 Kantonsrat und seit 2010 Stadtrat in Opfikon ist. «Viele Leute sind digital unterwegs. Und: Nachhaltige Produkte nehmen an Beliebtheit zu.» Das zeige sich nicht nur am Bioboom, sondern auch daran, dass Jugendliche mit dem Elektrotöff beim Jugendhaus vorfahren.

Statt «Altbürgerlichen» brauche es eine progressive Kraft

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei zentrale Begriffe, an denen der 43-Jährige sein Wahlprogramm festmacht. Der heutige Zürcher Regierungsrat ruhe sich zu sehr auf Erfolgen der Vergangenheit aus, sagt der GLP-Kandidat beim Spaziergang durch das Neubauquartier Glattpark.

Jörg Mäder, GLP-Regierungsratskandidat

«Wir kriegen die Energiewende nicht hin, wenn wir alle zum Verzicht auffordern.»

Jörg Mäder, GLP-Regierungsratskandidat

Es brauche wieder eine progressive Kraft. Und das seien weder die «Altbürgerlichen», wie Vertreter von FDP und SVP im GLP-Jargon heissen, noch die SP. Auch Letztere habe konservative Züge. Für die Themen der Zukunft – Digitalisierung, Nachhaltigkeit, aber auch Gesundheit – wolle er einstehen.

Bei einer heissen Schoggi in einem Opfiker Hotel präzisiert er: Für Kontakte zwischen Behörden und Bevölkerung werde noch zu viel Zeit mit Papierkram verschwendet. «Wir sind immer noch zu amtsstubenlastig», sagt Mäder. Schulgesuche, Park- und Baubewilligungen beispielsweise liessen sich effizienter digital erledigen.

Er sehe aber auch die Gefahren der Digitalisierung. E-Voting lehnt Mäder ab, da elektronische Abstimmungsresultate sich wegen des Stimmgeheimnisses nicht für alle nachvollziehbar überprüfen liessen. Dies würde das Vertrauen in die Demokratie schwächen. Die elektronische Unterschriftensammlung befürwortet er hingegen. Dabei überwiege der Nutzen den möglichen Schaden: «Im schlimmsten Fall, wenn das System gehackt wird, haben wir eine Abstimmung zu viel.»

Regierungsratskandidat Jörg Mäder über Dessert, Morgenritual und Ueli Maurer

Regierungsratskandidat Jörg Mäder über Dessert, Morgenritual und Ueli Maurer.

Nachhaltigkeit liesse sich gemäss Mäder vor allem beim Bauen erzielen: «Gebäude sind für die Energiewende matchentscheidend.» Er plädiert für mehr Grünflächen und Solaranlagen auf Dächern und an Fassaden. Auch bei Gewässerrenaturierungen liesse sich mehr machen als mit den «Altbürgerlichen». Mäder lässt durchblicken, dass ihn die durch den Abgang von Markus Kägi (SVP) frei werdende Baudirektion reizen würde. Wobei er anfügt, er sei offen für alle Ressorts.

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Posten, den ein «altbürgerlicher» Regierungsrat nach den Wahlen räumt: jenem des scheidenden Gesundheitsdirektors Thomas Heiniger (FDP). Als Opfiker Stadtrat für Gesundheit und Umwelt hat Mäder auch auf diesem Gebiet

Exekutiverfahrung. Es gelte, das Gärtchendenken zu beenden, lautet sein Credo. Als Beispiel nennt er den verstärkten Austausch zwischen Spitex, Altersberatung und Spital Bülach, den er als Stadtrat und Spital-Verwaltungsrat vorangetrieben habe. Auch der Kanton solle sich für eine Stärkung der Spitex einsetzen, um das Motto «ambulant vor stationär» besser umzusetzen. Noch sei der Kanton in der Gesundheitspolitik zu wenig Teamplayer.

Der Steuerfuss sei nicht entscheidend für die Wirtschaft

Mäder, der einst einen Dirigentenkurs absolvierte, sieht sich als Teamplayer mit je nach Umfeld variablen Führungsqualitäten. Zu seinen Hobbys zählt das Musizieren in der Bigband, die er vor Jahren mitgründete; ebenso das Fotografieren.

Er lebt allein in einer 4,5-Zimmer-Wohnung in Opfikon. Dass dieser Flächenverbrauch für einen Einmannhaushalt nicht gerade ökologisch ist, räumt er ein. «Ich bin kein Öko-Taliban», sagt Mäder. Aber er kaufe Solarstrom, habe kein Auto, benutze stattdessen das E-Bike, Bus und Bahn – und fliege möglichst wenig. «Wir kriegen die Energiewende nicht hin, wenn wir alle zum Verzicht auffordern», findet der GLP-Kandidat. Vielmehr gelte es, innovative Lösungen zu suchen. Daher stehe er wirtschaftspolitisch für die Förderung von Unternehmen mit neuen Ideen und nachhaltigen Produkten ein.

Apropos Wirtschaft: Eine Steuerfusssenkung, wie sie FDP und SVP anstreben, lehnt Mäder ab. Besser fände er es, Überschüsse zu investieren – etwa in nachhaltige Gebäude und Digitalisierung. Er verweist auf Erhebungen aus Opfikon: Die meisten von dort abgewanderten Firmen seien ins weniger steuergünstige Zürich gezogen. Dies zeige, dass Faktoren wie Verkehrserschliessung und Hochschulnähe weitaus wichtiger seien als der Steuerfuss.