Rekord
Der längste Tirggel der Welt: Zürcher Bäcker stellen Weltrekord auf

Die Bäcker Esther und Heinrich Honegger haben einen aussergewöhnlichen Rekord made in Zurich aufgestellt. Sie haben einen Tirggel mit 18,6 Meter Länge gebacken. Bei 18,65 Metern riss der Tirggel.

Matthias Scharrer
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Rekord Tirggel
Rekordtirggel an der Züspa.
Rekordtirggel an der Züspa.

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Alex Spichale

Die traditionsreiche Zürcher Herbstmesse Züspa litt in den letzten beiden Jahren unter Besucherschwund. Der langjährige Besucherschnitt von 90 000 bis 100 000 Personen wurde nicht mehr erreicht. Zu schönes Herbstwetter habe geherrscht, sagt Messeleiter Renzo Cannabona. Um den Besucherschwund zu stoppen, hat er die die noch bis 4. Oktober dauernde 66. Züspa verstärkt auf Erlebnismesse getrimmt: «Nie gab es so viele Sonderschauen wie dieses Jahr.»

Für ein Spektakel der besonderen Art engagierte er Tirggel-Beck Heinrich Honegger aus Wald — den letzten Konditor, der das traditionelle Zürcher Weihnachtsgebäck zusammen mit seiner Frau Esther ganz in Handarbeit herstellt. Einen 25 Meter langen Tirggel sollten Honeggers gestern in der Oerliker Messe backen. 35 Kilo Teig aus Honig, Mehl, etwas Zucker und Wasser hatten sie vorbereitet, dünn ausgewalzt und auf handgeschnitzten Modeln mit traditionellen Zürcher Motiven geprägt.

Punkt 16 Uhr lässt Heinrich Honegger die erste von 50 Teigplatten auf das Förderband des Ofens gleiten. «Und jetzt wird ganz langsam gearbeitet», ruft er seinem Team zu. Berufsschülerinnen und -schüler sowie eine Konditorkollegen stehen um den Ofen und am daran anschliessenden 25-Meter-Tisch bereit.

An die erste Teigplatte wird, ehe sie im Ofen verschwindet, die zweite geklebt, und so geht es eine gute halbe Stunde weiter. Süsser Honigduft breitet sich aus. Normalerweise stehe der Ofen in einer Aargauer Metzgerei und diene der Produktion von Hundekeksen, verrät Honegger.

Nach 90 Sekunden verlässt die erste Teigplatte den Ofen, etwas zu dunkel. Vorsichtig befördern die Helfer sie auf ein Backpapierband, das im Laufe des Rekordversuchs immer länger abgerollt und sachte über den Tisch gezogen wird. Zwischen der vierten und fünften Teigplatte gibts den ersten kleinen Riss. Die Helfer arbeiten konzentriert weiter. Jetzt kommen die Teigplatten perfekt goldgelb aus dem Ofen. Dicht gedrängt stehen schaulustige Messebesucher hinter Absperrbändern.

Bei den Helfern haben sich nun auch Honeggers Vereinskollegen von der Männerriege Wald eingereiht. Der Rekordversuch erweist sich als Kommunikationsproblem: Mal wird zu schnell am Backpapier gezogen, mal zu langsam. Der Tirggel ist 18,65 Meter lang, als er durchreisst. Für den Weltrekord reichts trotzdem, denn Honegger ist in der Disziplin Riesentirggel bislang konkurrenzlos.

DER "TIRGGEL" – KULTGEBÄCK SEIT 1461

Das süsse Gebäck hat eine weit zurückreichende Geschichte. Die ersten Überlieferungen gehen bis zum Jahr 1461 zurück. In Zürich wurde er erst Spezialität, später zum Kultgebäck. Heute gilt er offiziell als Kulturgut und hat sogar seinen Platz im Landesmuseum. Vor allem während der Weihnachtszeit ist er nach wie vor eine beliebte Zürcher Süssigkeit. Die Besonderheit der "Tirggel" sind seit jeher die verschiedenen Motive, die auf das dünne Süssgebäck gedruckt werden. Die Bilder werden jeweils von Hand auf ein Model geschnitzt. Früher waren es vor allem Familien- und Zunftwappen, später dann Sujets wie der Zürcher Hauptbahnhof oder die Universität Zürich. Für den "Rekord-Tirggel" wird ein traditionelles Model aus dem Jahr 1915 für das "Tirggel drucke" verwendet.