Weihnachtsbeleuchtung
Der längste Ladenhüter der Bahnhofstrasse

Zwei Jahre nachdem «The World’s Largest Timepiece» die Zürcher Bahnhofstrasse letztmals in kühles Licht tauchte, ist noch immer kein Käufer gefunden.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Weihnachtsbeleuchtung Zürich
5 Bilder
 Zu kalt zu wenig weihnachtlich - The World's Largest Timepiece. (zvg)
 The Worlds's Largest Timepiece. Foto: WalterSchwager
 So wurde Lucy als Computeranimation präsentiert. zvg
 Unvergessener Lichterbaldachin der während Jahrzehnten für Weihnachtsstimmung sorgte. Foto: Rolf Jenni

Weihnachtsbeleuchtung Zürich

Limmattaler Zeitung

Der Verkauf der unbeliebten einstigen Bahnhofstrassen-Weihnachtsbeleuchtung ist noch nicht vollbracht. Zwar hatte die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse vergangenen Frühling angekündigt, «The World's Largest Timepiece» bis September in einer Online-Auktion unter den Hammer zu bringen. Die 1,1 Kilometer lange Gesamtanlage sollte für Mindestgebote ab 300 000 Franken zu haben sein, die einzelnen Leuchtstäbe, die jeweils sieben Meter lang sind, ab 1000 Franken. Doch einen Käufer fand das aus 275 Leuchtstäben bestehende Lichtkunstwerk bisher nicht.

«Verhandlungen mit zwei ausländischen Interessenten-Gruppen laufen», sagte Markus Hünig, Präsident der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, gestern auf Anfrage. Die Interessenten würden demnächst nach Zürich kommen, um sich die Beleuchtung anzusehen. Hünig räumte jedoch ein: «Das Auktions-Angebot hat nicht so eingeschlagen - leider.»

Rasanter Preissturz

Ähnlich antwortete Hünig schon vor zwei Jahren auf entsprechende Fragen. Damals wollte die Vereinigung der Geschäfte an Zürichs nobelster Einkaufsmeile das Lichtkunstwerk noch für 900 000 Franken verkaufen. Doch daraus wurde nichts. Das teure Stück erwies sich als Zürichs längster Ladenhüter. Daran änderte auch der seither erfolgte rasante Preissturz bisher nichts.
Ursprünglich hatte sich die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse «The World's Largest Timepiece» 2005 zu ihrem 50-jährigen Bestehen geschenkt. Kostenpunkt: 2,4 Millionen Franken. Das kühle Licht der Leuchtröhren, das sich je nach Besucherströmen in der Bahnhofstrasse veränderte, stiess beim Publikum aber auf wenig Gegenliebe. Es konnte den Lichterbaldachin, der zuvor jahrzehntelang für Weihnachtsstimmung gesorgt hatte, nicht vergessen machen.

Letztes Jahr ersetzte daher der 2,2 Millionen Franken teure Lichterbaldachin «Lucy» das «Timepiece». Die Reaktionen auf die neue Weihnachtsbeleuchtung waren erneut durchzogen. Dennoch ist «Lucy» bereits wieder über der Bahnhofstrasse aufgehängt, um vom 24. November bis 2. Januar zu erstrahlen.

«Timepiece» mottet derweil weiterhin im Unterwerk des städtischen Elektrizitätswerks (EWZ) in Zürich Oerlikon vor sich hin. Sollte sich weiterhin kein Käufer finden, hat die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse bald ein neues Problem. Denn das EWZ-Unterwerk Oerlikon soll ab nächstem Jahr erneuert werden. Dann müsste «The World's Largest Timepiece» laut EWZ-Sprecher Harry Graf erneut weg.