Verkehr
Der lange Weg zum Rosengartentram

Trotz Volks-Nein halten die Verkehrsbetriebe Zürich an ihrem Linienkonzept 2025 fest. Demnach soll das Rosengartentram 2020 den Betrieb aufnehmen.

Matthias Scharrer
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Limmattaler Zeitung

Die Weichen sind längst gestellt: Schon vor fünf Jahren entwickelten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) ihr Linienkonzept 2025. Demnach rollt ab 2015 Tramverkehr über die Hardbrücke – und ab 2020 über deren Verlängerung nach Norden, die Rosengartenstrasse. Daran ändert auch das klare Nein der Stadtzürcher Stimmberechtigten zu einem Rosengartentram ohne Ausweichmöglichkeiten für Autos nichts: «Unser Linienkonzept gilt nach wie vor», sagte gestern VBZ-Sprecher Andreas Uhl.

2011 werde das VBZ-Konzept zwar nochmals überprüft. Doch dabei gehe es primär um Aspekte wie Bevölkerungsentwicklung und die Auswirkungen grosser Bauprojekte wie der SBB-Durchmesserlinie. «Ich rechne nicht damit, dass das Rosengartentram gekippt wird. Wir halten daran fest, dass es 2020 fährt», so Uhl.

Im Abstimmungskampf war das Rosengartentram an sich weitgehend unbestritten. Die Debatte drehte sich primär darum, ob dem Tram zwei Autospuren geopfert werden könnten, ohne Ausweichrouten zu planen.

Doch der Reihe nach:

•Bereits im Bau ist das Tram Zürich-West. Im Dezember 2011 soll es eröffnet werden. Die Linie 4 verkehrt dann neu ab Escher-Wyss-Platz via Pfingstweid- und Aargauerstrasse zum Bahnhof Zürich-Altstetten. Linie10 wird dafür ab Hauptbahnhof zur bisherigen Endstation der Linie4 (Werdhölzli) verlängert.

•Ab 2015 soll dann Linie 8 vom Hardplatz weiter über die Hardbrücke fahren, um anschliessend anstelle von Linie10 in Richtung Werhölzli abzubiegen. Auf der Hardbrücke verkehrt Linie8 auf der bisher dem Busverkehr vorbehaltenen Spur und verlässt die Brücke über die Rampe zur Pfingstweidstrasse. Der Autoverkehr kommt neu von der Pfingstweidstrasse via Geroldstrasse auf die Hardbrücke. Simulationen ergaben, dass dies ohne Beeinträchtigung des Autoverkehrs funktionieren sollte, wie Mike Sgier, Sprecher des Stadtzürcher Tiefbaudepartements, gestern erklärte. Gleichzeitig wird Tramlinie15 zwischen Bahnhof Stadelhofen und Klusplatz aufgehoben.

•2020 soll schliesslich das Rosengarten-Tram zwischen Bucheggplatz und Hardbrücke den Betrieb aufnehmen. Nach der Abstimmung vom vergangenen Wochenende scheint klar, dass dies nur mit Ausweichroute für Autos geht. Im Vordergrund steht dabei der Bau des Waidhaldetunnels.

Da es sich bei der Rosengartenstrasse, die als Hauptverkehrsachse Zürich-Nord mit Zürich-West verbindet, um eine Kantonsstrasse handelt, könnte der Kanton den Tunnel auch ohne Zustimmung der Stadt bauen. Eine entsprechende Motion ist im Kantonsrat hängig. Für die Kantonsregierung ist die Tunnellösung ein «Schlüsselvorhaben», wie es in ihrer Stellungnahme zu der Motion heisst. Die Planungsarbeiten für den Waidhaldetunnel sind denn auch bereits angelaufen, wie Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) am Abstimmungssonntag erklärte.

Die Zeit ist knapp

Aus Sicht der Stadt Zürich kommt laut Sgier nur die Variante «Waidhaldetunnel kurz» (Bucheggplatz–
Hardbrücke) infrage. Sgier bekräftigte, die Stadt wolle das Projekt gemeinsam mit dem Kanton angehen. «Dabei wollen wir berücksichtigen, wie sich der Verkehr entwickelt, wenn die Hardbrücke 2011 fertig saniert, die dritte Gubrist-Röhre 2017 gebaut und die Einhausung der Autobahn in Zürich Schwamendingen 2018 umgesetzt ist», so der Sprecher von Stadträtin Ruth Genner (Grüne). Damit ist klar: Der Fahrplan fürs Rosengarten-Tram ist knapp kalkuliert. Und noch offen ist die Frage, wer zahlt. Die Kosten fürs Rosengartentram werden auf 400Millionen, jene für den Waidhaldetunnel auf 300Millionen Franken beziffert.