1868: Erstmals fordern Zürcher Frauen im Rahmen der demokratischen kantonalen Verfassungsrevision öffentlich die volle bürgerliche und politische Gleichstellung in einer anonymen Bittschrift.

1904: Die SP nimmt das Frauenstimmrecht in ihr Parteiprogramm auf.

1906: Als erstes europäisches Land gibt Finnland Frauen das Wahlrecht.

1907: Das männliche Stimmvolk spricht sich an der Urne dagegen aus, dass Zürcher Gemeinden selbst entscheiden können, ob volljährige Schweizerinnen in Kirchen-, Schul- und Armenbehörden gewählt werden können.

1909: Der Schweizerische Verband für Frauenstimmrecht wird gegründet.

1918: In Europa geht es vorwärts mit dem Frauenwahlrecht: Österreich, Estland, Deutschland, Lettland, Polen, Russland und das Vereinigte Königreich führen es ein.

1918/1919: Derweil werden im Schweizer Nationalrat erstmals zwei Motionen für das eidgenössische Frauenstimmrecht eingereicht. Sie werden zu Postulaten abgeschwächt, die 1919 an den Bundesrat überwiesen werden. Dieser behandelt sie jahrzehntelang nicht.

1920: Mit dem Inkrafttreten des 19. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten werden in den USA alle Einschränkungen des Wahlrechts aufgrund des Geschlechts untersagt. Damit erhalten Frauen das vollständige Wahlrecht auf allen Ebenen. Im selben Jahr dürfen sie erstmals an der amerikanischen Präsidentschaftswahl teilnehmen.

1919-1921: In Zürich, Genf, Neuenburg, Basel-Stadt, Glarus und St. Gallen stimmt das männliche Stimmvolk über das Frauenstimmrecht ab. Es wird überall abgelehnt.

1923: Im Kanton Zürich haben Wahlrecht und Wählbarkeit der Frauen für Bezirks- und Gemeindebehörden keine Chance an der Urne.

1929: Für eine gesamtschweizerische Petition für das Frauenstimmrecht sammelt der Schweizerische Verband für Frauenstimmrecht knapp 250 000 Unterschriften, knapp 80 000 davon stammen von Männern.

1947: Eine kantonale Volksinitiative, die Wahlrecht und Wählbarkeit der Zürcher Frauen fordert, wird abgelehnt.

1948: Im ganzen Land finden Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Bundesverfassung statt. Frauenverbände überreichen dem Bundesrat symbolisch eine Europakarte mit einem schwarzen Fleck in der Mitte: Die Schweiz ist in Europa mittlerweile das einzige Land ohne Frauenwahlrecht.

1954: Eine weitere kantonale Volksinitiative, die die politische Gleichberechtigung der Frauen fordert, wird im Kanton Zürich abgelehnt.

1957: Die Walliser Gemeinde Unterbäch führt als erste Gemeinde der Schweiz das kommunale Wahl- und Stimmrecht für Frauen ein, trotz Verbot durch den Walliser Staatsrat. Im selben Jahr werden im Kanton Basel-Stadt die Bürgergemeinden ermächtigt, das Frauenstimmrecht einzuführen.

1959: Die erste Volksabstimmung über das eidgenössische Frauenstimmrecht scheitert an der Urne sowohl am Volks- wie auch am Ständemehr. Zwei Drittel des männlichen Stimmvolks sprechen sich dagegen aus, die Wahlbeteiligung beträgt 67 Prozent. Es folgen Protestaktionen und Frauenstreiks im ganzen Land. In der Stadt Zürich finden jeweils am Jahrestag dieser Abstimmung fortan jährliche Protest-Fackelzüge statt. Nach dem Nein an der Urne wird auch der «Bund der Schweizerinnen gegen das Frauenstimmrecht» gegründet. Frauen würden ihrer biologischen Verschiedenheit wegen durch eine politische und rechtliche Gleichstellung benachteiligt, argumentiert der Verein.

1963: An der Urne sagt eine klare Mehrheit der Zürcher Stimmberechtigten Ja zum Frauenstimmrecht in kirchlichen Angelegenheiten.

1969: Der Kanton Zürich spricht sich für das Frauenstimmrecht auf kommunaler Ebene aus. Im März fordern beim sogenannten Marsch nach Bern 5000 Frauen das umfassende Stimm- und Wahlrecht.

Mitglieder und Sympathisanten politischer Frauengruppen demonstrieren 1969 in Zürich.

Mitglieder und Sympathisanten politischer Frauengruppen demonstrieren 1969 in Zürich.

1970: Im November wird über das kantonale Frauenstimmrecht befunden. Nun spricht sich das männliche Stimmvolk mit einer klaren Mehrheit dafür aus.

1971: Am 7. Februar ist es so weit. Zwei Drittel des Schweizer Stimmvolks sagen Ja zur Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts in eidgenössischen Angelegenheiten. Im Juni desselben Jahres wird die Volksinitiative für einen straflosen Schwangerschaftsabbruch lanciert (sie wird später abgelehnt; erst 2002 nimmt das Volk die Fristenregelung an).

Dieses Mal sollte es klappen. Junge Frauen setzten 1971 in Zürich ein Zeichen für das Frauenstimmrecht auf Bundesebene.

Dieses Mal sollte es klappen. Junge Frauen setzten 1971 in Zürich ein Zeichen für das Frauenstimmrecht auf Bundesebene.

1983: Als erste Frau nimmt die Zürcher SP-Politikerin Hedi Lang Einsitz in einer Schweizer Kantonsregierung.

1984: Elisabeth Kopp wird erste Bundesrätin.

1990: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wird vom Bundesgericht verknurrt, das Frauenstimm- und -wahlrecht sofort einzuführen. Erst damit ist es in der Schweiz endgültig Realität.

2003: Der Kanton Zürich befindet sich zum ersten Mal in Frauenhand: Mit Regine Aeppli, Verena Diener, Dorothée Fierz, Rita Fuhrer sind vier von sieben Regierungsrats-Mitglieder weiblich.

2010: Sieben Jahre später zeigt sich dasselbe Bild auf Bundesebene – für kurze Zeit. Nachdem Simonetta Sommaruga in den Bundesrat gewählt wird, sind für gut ein Jahr die Frauen in der Mehrheit.