Weinbau

Der Klimawandel als Chance für den Zürcher Weinbau

Viel Sonne sorgte dieses Jahr für eine grosse und qualitativ hochwertige Traubenernte.

Viel Sonne sorgte dieses Jahr für eine grosse und qualitativ hochwertige Traubenernte.

Während der Klimawandel für weite Teile der Landwirtschaft Probleme mit sich bringt, eröffnet er den Winzern im Kanton Zürich neue Möglichkeiten

Nach 2003 und 2015 erlebte die Schweiz dieses Jahr bereits den dritten Hitzesommer seit der Jahrtausendwende. Den Bauern bescherte der Sommer teils grosse Ernteausfälle und das Viehfutter wurde knapp.

Für die Winzer hingegen war der heisse Sommer ein Glücksfall: In den Kellern reift nun ein grosser Jahrgang heran, sowohl qualitativ wie mengenmässig. «Hohe Temperaturen sind für den Weinbau im Kanton Zürich eigentlich fast immer gut», sagt Peter Märki, Leiter des Weinbauzentrums Wädenswil. Sogar die ausgeprägte Trockenheit des vergangenen Sommers sei grösstenteils kein Problem gewesen. «Einzig ganz junge Reben, die noch keine tief reichenden Wurzeln haben, mussten bewässert werden», sagt er.

Gewissen Sorten wirds zu heiss

Aber was passiert, wenn sich solche Sommer nicht nur häufen, sondern immer mehr zum Normalfall werden? Wird es den im Kanton Zürich dominierenden Rebsorten, dem Blauburgunder (auch Pinot Noir genannt) und dem Riesling-Silvaner nicht irgendwann zu warm? «Für den Kanton Zürich sehe ich diese Gefahr nicht», sagt Märki. Im Wallis aber, wo das Klima generell noch wärmer sei, werde der Pinot Noir tatsächlich zugunsten anderer Sorten langsam zurückgedrängt. «In unserer Gegend müssen wir allenfalls darüber nachdenken, auf andere Blauburgunder-Klone zu setzen, die mit einem wärmeren Klima noch besser umgehen können.»

Ein Blick zurück zeigt, dass der Klimawandel im Zürcher Weinbau in den vergangenen Jahrzehnten bereits Spuren hinterlassen hat – langsam, aber stetig. Ende der 1990er Jahre wuchsen noch auf rund 90 Prozent der Rebflächen im Kanton Zürich die beiden wichtigsten Sorten Blauburgunder und Riesling-Silvaner. Seither hat die Sortenvielfalt deutlich zugenommen: Der Anteil der beiden Hauptsorten betrug 2017 gemäss dem Jahresbericht des Rebbaukommissariats noch rund 70 Prozent.

Vermehrt angepflanzt wurden unter anderem Sorten, die traditionell eher in südlicheren Weinbaugebieten weit verbreitet sind. «Der wichtigste Faktor für diesen Wandel ist sicher das Klima», sagt Märki. Die tendenziell länger werdende Vegetationsdauer erleichtere den Anbau von Rebsorten, deren Trauben etwas länger brauchen, bis sie reif sind. Gleichzeitig seien die Winzer innovativer geworden, was sie aufgrund des intensiveren Wettbewerbs auch müssten.

Bald «Zürcher Bordeaux»?

Statistisch gesehen sind Sorten wie beispielsweise Merlot und Cabernet Sauvignon auch heute noch Exoten im Zürcher Weinbau. Im vergangenen Sommer gediehen sie aber einmal mehr prächtig. Die gemessenen Oechslegrade, ein wichtiger Indikator für die Qualität der Trauben, übertreffen die Werte der Ernten aus den beiden vergangenen Jahren.

Könnte es also beispielsweise möglich werden, in Zürich in absehbarer Zeit Bordeaux-Weine herzustellen? Diese werden vorwiegend aus den drei Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc hergestellt – für diese Sorten haben sich die klimatischen Bedingungen im Kanton Zürich in den vergangenen Jahrzehnten verbessert. Gemäss Studien, denen Klimaprognosen zugrunde liegen, dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen. «Theoretisch könnte man versuchen, im Kanton Zürich Bordeaux-Weine zu machen, empfehlen würde ich es aber nicht», sagt Märki. Weinbau habe schliesslich immer auch mit lokaler Tradition zu tun. Und eine solche gebe es für Bordeaux-Weine im Kanton Zürich natürlich nicht. «Das ist auch der Grund, weshalb beispielsweise ein Merlot im Kanton Zürich meist nicht reinsortig, sondern zusammen mit weiteren Traubensorten zu einem Cuvée verarbeitet wird.»

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