Der Staatsanwalt verlangt 20 Jahre Freiheitsentzug wegen Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung. Die Tat erfolgte am 15. Juli 2012, morgens um 4 Uhr. Das Opfer hatte in jener Nacht zusammen mit Bruder und Freunden im Kaufleuten seinen 23. Geburtstag gefeiert. Der Beschuldigte gehörte nicht zu dieser Gruppe. Er war mit einem Freund und zwei jungen Frauen im Lokal. Laut Anklageschrift hat der Iraker "in krass egoistischer Weise" und aus "gänzlich übersteigerter Geltungssucht und Eitelkeit" getötet. Er habe die Tat gezielt und kaltblütig geplant und hinterhältig ausgeübt. Damit nennt Staatsanwalt Michael Scherrer mehrere Kriterien für die Qualifizierung der Tat als Mord.

Laut Verteidiger Valentin Landmann bestreitet sein Mandant das Tötungsdelikt als solches nicht. Landmann plädiert aber für eine Qualifizierung als vorsätzliche Tötung und nicht als Mord. Man dürfe die Prügelei nicht vergessen, die der Tat vorausgegangen sei. Eine Tatqualifizierung, wie der Verteidiger sie fordert, würde sich günstig auf das Strafmass des Beschuldigten auswirken: Das Strafgesetzbuch sieht für Mord eine Freiheitsstrafe von mindestens zehn Jahren bis lebenslänglich vor. Vorsätzliche Tötung wird laut StGB mit Freiheitsentzug nicht unter fünf Jahren bestraft.

Opfer wollte Streit schlichten

Auslöser der Tat war eine Auseinandersetzung in der Gruppe des Beschuldigten, die gar nichts mit der Geburtstags-Gesellschaft zu tun hatte. Sie hatte im Club begonnen und sich dann auf die Strasse verlagert. Dort war das spätere Opfer mit seinem Bruder und einem Kollegen am Rauchen. Als ein Kollege des "Geburstagskindes" zwischen den Streithähnen schlichten wollte, kam es zu einem Handgemenge mit dem Beschuldigten, in den auch das Opfer eingriff. Der Beschuldigte kassierte erstens ein "Veilchen" und zweitens vom "Kaufleuten"-Sicherheitsdienst ein Hausverbot. Daraufhin stiess er wütende Todesdrohungen gegen das spätere Opfer aus und brauste im Auto davon.

Eine halbe Stunde später war er wieder da. Er stürzte sich ohne Umschweife auf den 23-Jährigen, rammte ihm ein Butterfly-Messer wieder und wieder in Bauch, Oberkörper und Arm und attackierte auch den Bruder, der zu Hilfe eilte. Während dieser überlebte, verblutete der andere am Tatort. Der Beschuldigte flüchtete und setzte sich nach Norwegen zu Verwandten ab. Dort wurde er zwei Wochen später verhaftet und sitzt seither in Haft. Mit ihm stehen zwei seiner Kollegen vor Gericht: Jener, der ihm das Butterfly-Messer gegeben hatte, wird der Gehilfenschaft zu Mord beschuldigt, der andere, der Chauffeurdienste geleistet hatte, muss sich wegen Begünstigung verantworten. Die beiden weisen jegliche Schuld von sich. (sda)