Jeweils vom ersten bis zehnten Tag des Monats dürfen im Kanton Zürich keine Pilze gesammelt werden. So steht es in der Zürcher Pilzschutzverordnung von 1983. Gestern hat der Kantonsrat ein Postulat überwiesen mit der Forderung, die Schontage abzuschaffen. Was zunächst erstaunt: Mit Andreas Wolf (Dietikon) zeichnet ein Grüner als Erstunterzeichner für den Vorstoss verantwortlich. Das Ernten der Pilze habe keinen Einfluss auf deren Artenvielfalt, erklärte er im Rat.

Schädlich wirke sich hingegen das Betreten des Waldbodens durch die Pilzsammler aus. Wolf verwies auf mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, die zu dieser Erkenntnis geführt haben. Sie lässt sich in einer Langzeitstudie über das «mushroom picking», die von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft verfasst worden ist, sogar auf Englisch nachlesen.

Wirksamer als Schonzeiten, so folgern die Postulanten, wären daher Schutzgebiete, in denen Pilze, vor allem bedrohte Arten, überhaupt nicht mehr gepflückt werden dürfen. Beibehalten will der Vorstoss die Regelung, wonach täglich pro Person nicht mehr als ein Kilo Pilze gesammelt werden darf. Dem Postulat zur Mehrheit verhalfen neben den Grünen die Grünliberalen, die EVP und die SP - und die FDP. Letztere musste dafür im bürgerlichen Lager einige Kritik einstecken.

Beat Huber (SVP, Buchs) vermutete, dass es nur um eine weitere Ausweitung des Naturschutzes zulasten der Waldwirtschaft gehe. Denn in Schutzzonen ist schweres Gerät untersagt. Bruno Fenner (BDP, Dübendorf) stritt mit den Argumenten der Schonfrist-Gegner für die Schonfrist: Wenn die Trittbelastung die Pilze schädige, solle man ihnen die zehn trittfreien Tage doch gönnen, sagte er. Fenner gab sich, wie Weitere nach ihm, als begeisterter «Pilzler» zu erkennen.

Graubünden zum Beispiel

Gewohnt grosssprecherisch rief Hans-Peter Amrein (SVP, Küsnacht) aus: Wer «nur einen Funken Liberalismus» in sich spüre, müsse das Postulat ablehnen. Andreas Hasler (GLP, Illnau-Effretikon) meinte hingegen, es gebe doch nichts Liberaleres, als eine wirkungslose Vorschrift aufzuheben. So sieht es auch Carmen Walker Späh (FDP, Zürich), Zweitunterzeichnerin des Postulats und begeisterte «Pilzlerin», wie sie betonte. Es gehe um eine differenzierte Lösung, sagte sie. Andere Kantone können das auch, unterstützte sie der passionierte «Pilzler» und Drittunterzeichner Walter Schoch (EVP, Bauma).

Monika Spring (SP, Zürich), begeisterte «Pilzlerin», erwähnte den Kanton Graubünden. Er hat zahlreiche Schutzgebiete mit generellem Pilzpflückverbot eingerichtet. Jedoch ist dessen ungeachtet überall sonst eine Schonfrist in den ersten zehn Tagen des Monats zu beachten.

Es sei somit beides möglich, sagte Spring. Was aber sicher nicht gehe, bemerkte sie vorsorglich, sei eine Abschaffung der Schonfrist bei gleichzeitigem Verzicht auf Schutzgebiete.

Christoph Holenstein (CVP, Zürich) befürchtet ein Mehr an Bürokratie aufgrund der Tafeln, mit denen die Pilzschutzgebiete zu markieren wären.

Hans Peter Häring (EDU, Wettswil) regte stattdessen eine Prüfung für Pilzesammler an. Bei den Jägern verlange man dies schliesslich auch. Als nicht sinnvoll bezeichnete er die
1-Kilo-Regel. Es gebe Pilze, die wögen bis vier Kilo.

«Wer soll das kontrollieren?», fragte Baudirektor Markus Kägi und drückte damit seine Ablehnung des Postulats aus - ohne Erfolg. Die Regierung muss nun innert zwei Jahren in einem Bericht darlegen, wie sich der Pilzschutz neu regeln liesse.