Biodiversität
Der Kanton Zürich plant mehr Geld für Naturschutz ein

Der Zürcher Kantonsrat stockt die Mittel für den Natur- und Heimatschutzfonds von aktuell 18 bis 30 Millionen auf jährlich 40 bis 80 Millionen Franken auf. Nur die SVP ist dagegen.

Matthias Scharrer
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Natur als Lebensgrundlage: Das Engagement des Kantons Zürich dafür soll verstärkt werden.

Natur als Lebensgrundlage: Das Engagement des Kantons Zürich dafür soll verstärkt werden.

Keystone

Der Kanton Zürich soll mehr Geld in Naturschutz investieren. Dafür hat sich am Montag der Kantonsrat ausgesprochen. Statt aktuell maximal 30 Millionen fliessen demnach neu bis zu 80 Millionen Franken pro Jahr in den Natur- und Heimatschutzfonds. Das Parlament heisst damit den Gegenvorschlag zur von Umweltverbänden lancierten Natur-Initiative gut. Diese wollen ihre Initiative nun zurückziehen – ausser, es würde ein Referendum ergriffen, so Kathrin Jaag, Co-Geschäftsführerin von Bird Life Zürich.

Doch der Weg für den Gegenvorschlag scheint frei zu sein: Die SVP lehnt diesen zwar ab, weil sie fürchtet, dass Bauern bei Naturschutzmassnahmen zu wenig einbezogen würden. Sie wolle aber nicht das Referendum ergreifen, sagte ihr Sprecher Domenik Ledergerber (SVP, Herrliberg).

Von der FDP bis zu den Grünen herrschte Einigkeit: Der Kanton Zürich müsse mehr für den Erhalt der Biodiversität tun. «Wenn es den kleinen Lebewesen an den Kragen geht, wird das gleiche Schicksal früher oder später uns Menschen erlangen», sagte Stephan Weber (FDP, Wetzikon). David Galeuchet (Grüne, Bülach) erinnerte daran, dass Bienen auch landwirtschaftliche Pflanzen bestäuben. Es dürfe nicht dazu kommen, dass wie teils in China Menschen diese Aufgabe übernehmen müssen.

Viele Pflanzen- und Tierarten sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, wie mehrere Redner erwähnten. Dagegen gelte es, verstärkt anzukämpfen. Der Erhalt der Biodiversität könne auch vor Zoonosen schützen, also vor Krankheitsübertragung von Tieren auf Menschen, wie sie mit dem Corona-Virus geschah, betonte Jonas Erni (SP, Wädenswil). Auch Baudirektor Martin Neukom (Grüne) nahm auf die Corona-Pandemie Bezug: Diese werde hoffentlich im Frühling zu Ende gehen. Der Verlust der Biodiversität wäre hingegen nicht mehr rückgängig zu machen.

Der jährliche Beitrag
kann variieren

Die 50 Millionen Franken, die der Gegenvorschlag zur Natur-Initiative pro Jahr durchschnittlich kosten dürfte, seien zwar viel Geld. «Aber die Natur ist unsere Lebensgrundlage. Diese 50 Millionen sollte sie uns wert sein», so Regierungsrat Neukom weiter. Angesichts eines Kantonsbudgets von 16 Milliarden Franken pro Jahr sei der Betrag nicht zu hoch angesetzt, meinte Initiantin Jaag.

Gemäss bisherigem Recht erhält der kantonale Natur- und Heimatschutzfonds jährlich 18 bis 30 Millionen Franken. Die Mittel sollen mit der nun geplanten Änderung schrittweise aufgestockt werden: Im ersten Jahr wären es 30 Millionen, im zweiten 34 Millionen, im dritten 40 Millionen Franken. Danach reicht die Spannweite der jährlichen Einlagen von 40 bis 80 Millionen Franken – je nachdem, wie viel Geld im Fonds vorhanden ist. Wobei der Fonds mindestens 30 Millionen enthalten muss und maximal 100 Millionen Franken enthalten darf. Dies soll sicher stellen, dass genug vorhanden ist, aber kein Geld gehortet wird. Mit der Gesetzesänderung legt der Kantonsrat zudem fest, dass jährlich fünf Millionen Franken für Gewässerrenaturierungen zu verwenden sind.

Mit dem Aufstocken des Fonds ist es aber nicht getan. Für die Verwendung der Mittel bräuchte es in den zuständigen kantonalen Ämtern auch mehr Personal, sagte Neukom. Die Kosten dafür kämen noch hinzu. Neukom geht von einer Vollzeitstelle pro 2-Millionen-Projekt aus.

Die Schlussabstimmung im Kantonsrat findet voraussichtlich in zwei Wochen statt. «Ziel ist nicht mehr Geld und Personal für den Naturschutz, sondern eine funktionierende ökologische Infrastruktur», sagte Andreas Hasler (GLP, Illnau-Effretikon). Als Geschäftsleiter von Pro Natura Zürich zählt er zu den Vätern der Natur-Initiative, die jährlich 55 Millionen Franken für den Naturschutz fordert.