Frau Walker Späh, die FDP setzt auf Sie, um den Sitz der abtretenden Ursula Gut im Regierungsrat zu verteidigen. Was gab den Ausschlag?

Carmen Walker Späh: Seit 12 Jahren politisiere ich im Zürcher Kantonsrat, zuvor war ich während fünf Jahren im Verfassungsrat. Ich bin daher mit der kantonalen Politik sehr gut vertraut. Als Unternehmerin mit eigener Anwaltskanzlei und Beschäftigten bin ich auch mit den Bedürfnissen der Privatwirtschaft vertraut. Das waren wohl einige Gründe. Da die Nomination in geheimer Wahl erfolgte, bleibt die Frage jedoch letztlich offen.

Sie wurden von der Partei auch schon übergangen. Wie gross ist nun die Genugtuung?

Die Fähigkeit, auch mit Niederlagen umzugehen, ist sicher keine schlechte Voraussetzung für ein Regierungsmitglied …

Sie wollen dem Kanton Zürich liberalen Schwung verleihen, sagten Sie an der Nominationsversammlung. Was heisst das?

Der Kanton Zürich ist erfolgreich, steht aber unter Druck von links-grün: immer mehr Staat, Umverteilung, Planwirtschaft. Ein Beispiel für Letzteres ist die PBG-Revision, über die wir am letzten Sonntag abgestimmt haben. Da will ich liberalen Widerstand leisten.

Soll das geplante bürgerliche Wahlbündnis auch CVP-Kandidatin Silvia Steiner umfassen?

Das werden nun die Parteien und Wirtschaftsverbände aushandeln. Ich persönlich finde, dass diese bürgerliche Zusammenarbeit im Interesse des Kantons liegt.

Setzen Sie auch auf linke Stimmen oder gibt es einen reinen Lagerwahlkampf?

Regierungsratswahlen sind Persönlichkeitswahlen. Wer mein Wirken etwas verfolgt hat, weiss, dass ich keine Scheuklappen trage. Ich kämpfe immer um die Sache und kann auch Allianzen schmieden. Ich hoffe, bei den Wählerinnen und Wählern mit meiner engagierten Art punkten zu können und mit den Themen, die ich als Kantonsrätin angepackt habe.

Beispiele, bitte.

Der Kanton Zürich braucht für die Unternehmungen gute Infrastrukturen wie zum Beispiel den Flughafen in Kloten. Dafür habe ich mich beim kantonalen Richtplan eingesetzt. Der Kanton Zürich soll die beste Bildung haben, mit einer hervorragenden und international konkurrenzfähigen Universität und ETH. Auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf war mir immer ein grosses Anliegen. Kindertagesstätten sollen mit möglichst wenig Bürokratie betrieben werden können. Sie können auch als Unternehmen geführt werden, es muss nicht alles der Staat machen.

Sie setzten sich auch immer wieder für Strassenbauprojekte ein. Wie lautet da Ihr Credo?

Ich bin gegen eine Ideologisierung im Bereich Verkehr. Es braucht ein Nebeneinander von Schiene und Strasse. Was den Privatverkehr im Speziellen angeht, war ich immer der Meinung, dass Städte und Dörfer umfahren und nicht durchquert gehören. Die Umfahrung Winterthur zum Beispiel sollte meiner Ansicht nach verbessert werden. Die Lücke in der Oberlandautobahn ist zu schliessen, für die Umfahrung Eglisau ist eine gute Lösung zu finden. Und natürlich liegt mir am Bau des Waidhaldetunnels (neuer Rosengartentunnel) zur Entlastung der Zürcher Rosengartenstrasse, wofür ich schon lange kämpfe; das Ganze in Kombination mit einer neuen Tramlinie.

Wie sehen Sie die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf?

Das Geschäft liegt bei der kantonsrätlichen Kommission für Planung und Bau, in der ich auch einsitze. Primär geht es um den Innovationspark, der für unseren Kanton von grösster Bedeutung ist. Über die fliegerische Nutzung entscheidet bekanntlich der Bund. Ich gebe dazu einfach zu bedenken: Ein Flugplatz kann auch ein Standortfaktor sein, und ist ein Flugbetrieb erst einmal aufgehoben, dann dürfte das endgültig sein.

Sie stammen aus Uri und sind nach dem Studium in Zürich hängen geblieben. Nie bereut?

Ich bin in Altdorf aufgewachsen und wollte immer schon nach Zürich. Vielleicht wäre es aber anders herausgekommen, wenn ich nicht einen Zürcher geheiratet hätte ...

Hat sich in der Nicht-Nominiation der Meilemerin Beatrix Frey-Eigenmann ein Anti-Goldküste-Reflex ausgedrückt?

Ich glaube nicht, dass die Herkunft eine Rolle gespielt hat.

Sie wären seit Längerem wieder einmal eine Stadtzürcher Vertretung der FDP im Regierungsrat. Ist das von Belang?

Hans Künzi, im Amt von 1970 bis 1991 und Vater der Zürcher S-Bahn, war der letzte Stadtzürcher Freisinnige im Regierungsrat. Als Regierungsrätin trägt man allerdings die Verantwortung für den ganzen Kanton. Dass ich aus meiner beruflichen und politischen Tätigkeit her die Stadt mit ihren akzentuierten Themen sehr gut kenne, ist sicher kein Nachteil. Dies gilt etwa für Verkehr, Wohnen, Verdichtung oder Sicherheit.

Wie wollen Sie die Wähler auf dem Land für sich gewinnen?

Ich habe mich zum Beispiel immer dafür eingesetzt, dass die Verkehrspolitik der Städte nicht zulasten der Landschaft und umgekehrt ausfällt. Städte sollen gut erreichbar sein. Das ist ein Standortfaktor, der Stadt und Land gleichermassen zugute kommt.

Sie sind verheiratet und haben drei erwachsene Söhne. Was sagt die Familie zur Ihren politischen Ambitionen?

Ohne die grossartige Unterstützung meiner Familie wäre mein Leben im Spagat zwischen Familie, Beruf und Politik nie möglich gewesen.

Wenn es wieder mal hektisch war – wie entspannt sich Carmen Walker Späh?

Am besten entspanne ich mich im Kreise meiner Familie. Zudem bin ich leidenschaftliche Pilzlerin. In den Wald einzutauchen, ist für mich Erholung pur.