Natur
Der Kanton will nicht über einen Wolf-Abschuss entscheiden

Der Wolf erobert das Mittelland zurück: Das Raubtier soll hier aber nicht zu viele Nutztiere reissen, fordert der Kanton Zürich. Doch der Bund soll die Verantwortung tragen.

Oliver Graf
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Die Verantwortung über den Abschuss eines Wolfs soll der Bund tragen. (Archivbild)

Die Verantwortung über den Abschuss eines Wolfs soll der Bund tragen. (Archivbild)

Keystone

In Schlieren ist im vergangenen Sommer ein Wolf von einem Zug überfahren worden. Seither ist klar: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das hierzulande einst ausgerottete, in der Zwischenzeit geschützte Raubtier wieder durch das Mittelland streift.

Der Bund will deshalb die Jagdverordnung anpassen. Unter anderem sieht er vor, dass die Kantone in bestimmten Fällen ohne Rücksprache mit dem Bundesamt für Umwelt den Abschuss eines störenden Wolfs verfügen können.

Der Kanton Zürich lehnt dies ab, wie aus seiner gestern publizierten Anhörungsantwort hervorgeht. Als Grund führt die zuständige Baudirektion den zu erwartenden Druck an, wenn es zu Konflikten «zwischen dem Wolf und der Landwirtschaft, der Jagd und der breiten Bevölkerung» kommt. «Der Bund soll sich nicht aus dem Wolfsmanagement zurückziehen», fordert der Kanton Zürich in seiner Vernehmelassungsantwort.

Die Abschussbewilligungen sollten landesweit nach einheitlicher Regelung und Praxis ausgestellt werden. «Auf einzelne Kantone könnte einfacher viel Druck ausgeübt werden.»

Im Weiteren fordert der Kanton Zürich, dass der Bund den Abschuss eines Wolfes schneller als geplant verfügt. Der Bund schlägt vor, dass ein Einzeltier erlegt werden soll, wenn ein Wolf «einen erheblichen Schaden an Nutztieren in seinem Streifgebiet» anrichtet.

Als «erheblich» gelten gemäss des Verordnungsvorschlags mindestens 35 getötete Nutztiere innerhalb von vier Monaten oder mindestens 25 innerhalb von einem Monat. Oder auch 15 getötete Nutztiere, wenn der Wolf im Vorjahr schon Schäden angerichtet hatte.

Der Kanton Zürich will diese Zahlen auf 7, 5 und 3 reduzieren. Denn die Voraussetzungen, die für den Abschuss eines Wolfes erfüllt sein müssen, seien zumindest für dicht besiedelte Mittellandkantone herabzusetzen. Hier kommt es, so die Überlegung dahinter, rascher zu Konflikten als in Berggebieten.

Elterntiere schonen

Bei einem Wolfsrudel sieht der Bund vor, dass es neu reguliert werden soll, wenn die Rudelmitglieder innerhalb von vier Monaten mindestens 10 Nutztiere töten.
«Regulieren» bedeutet dabei eine Beschränkung des Rudelwachstums. Denn der neue Jagdverordnungsparagraf sieht vor, dass nur ein grösser werdendes Rudel reguliert werden darf. Es darf höchstens die Hälfte der im betreffenden Jahr neu geborenen Jungtiere abgeschossen werden. Elterntiere seien zu schonen.

Der Kanton Zürich fordert, dass in den Mittellandkantonen eine vom Bund bewilligte Regulierung eines Wolfsrudels bereits dann erfolgen soll, wenn es drei Nutztiere getötet hat. Eine Limite von zehn Tieren wäre im Kanton Zürich, der keine Alpwirtschaft im vielen Ziegen und Schafen kennt, «zu streng», hält die Baudirektion fest. «Bereits ein gerissenes Nutztier einer Hobbytierhalterin oder eines Hobbytierhalters kann zu Problemen führen.»