Oerlingerried

Der Kanton senkt für ein wertvolles Flachmoor ein Stück Land ab

Das Oerlingerried ist ein Flachmoor von nationaler Bedeutung. Im Hintergrund ist die Ortschaft Trüllikon zu sehen.

Das Oerlingerried ist ein Flachmoor von nationaler Bedeutung. Im Hintergrund ist die Ortschaft Trüllikon zu sehen.

Die kantonale Fachstelle Naturschutz trägt diesen Sommer am Rand des Oerlingerrieds ein Stück Erdboden ab. Damit sollen auch dort wieder gute Bedingungen für das artenreiche Flachmoor entstehen.

Es ist sumpfig, wertvoll für seltene Pflanzen- und Tierarten und umgeben von Äckern der Landwirtschaft: Das Oerlingerried liegt zwischen der Weinlandautobahn A4 und dem Husemersee. Das Sumpfgebiet ist nach dem Dorf Oerlingen benannt, das zur Gemeinde Kleinandelfingen gehört.

Das rund sechs Hektaren grosse Sumpfgebiet steht seit 1990 unter kantonalem Schutz. Doch nicht nur das: Wegen seiner Grösse und der wertvollen Moorflächen ist das Oerlingerried auch Teil des Bundesinventars der Flachmoore von nationaler Bedeutung. Anfang Jahr veröffentlichte die Gemeinde Kleinandelfingen einen stichwortartigen Hinweis auf ein Baugesuch, welches das Oerlingerried betrifft: «Renaturierung Flachmoor und Neubau Absetzbecken».

Goldrute den Garaus machen

Die kantonale Fachstelle Naturschutz erklärt auf Anfrage, was sie im Oerlingerried plant. Am südöstlichen Rand des Gebiets liegt eine gut 6000 Quadratmeter grosse Fläche. Dort wurde einst Bodenmaterial künstlich aufgeschüttet. Diese Anhäufung vergrösserte den Abstand zum Grundwasserspiegel so sehr, dass jene Pflanzen nicht mehr wachsen konnten,die für Flachmoore typisch sind.

Das will der Kanton Zürich nun rückgängig machen. In diesem Randgebiet des Rieds sollen also die ursprünglichen Bedingungen für das Flachmoor wiederhergestellt werden. Dazu wird das besagte Material abgetragen, um den Boden wieder auf ein tieferes, dem Grundwasser näher liegendes Niveau abzusenken. Damit verschwinden auch der nährstoffreichere Boden und eine darauf wachsende Goldrutenart, die als schädlicher invasiver Neophyt gilt.

Die Fachstelle Naturschutz wird die abgetragene und abgesenkte Fläche anschliessend mit Material aus dem angrenzenden intakten Moor begrünen. Alle Arbeiten im Oerlingerried sollen im Spätsommer respektive Herbst erledigtwerden.

Apropos Nährstoffe: Im Süden der Fläche, die abgesenkt wird, fliesst Wasser aus einer Drainage ins Flachmoor hinein. Damit werden zwar umliegende Äcker entwässert und somit für die Landwirtschaft nutzbar. Aber dieses Wasser enthält viele Nährstoffe,welche die spezialisierten Pflanzen im Moor nicht mögen. Damit das Flachmoor nicht austrocknet, ist das Wasser erwünscht, doch ein geringerer Nährstoffgehalt ebenso. Um diesen Gehalt zu senken, legt der Kanton einen flachen Tümpel an, im Baugesuch «Absetzbecken» genannt.

Dort klären Schilf und Wasserpflanzen das Drainagewasser, bevor es ins Ried fliesst. Es handelt sich hierbei also um eine Art biologische Wasserreinigungsanlage.
Der abzutragende Boden weist laut der kantonalen Fachstelle eine Kupferbelastung auf. Diese Belastung sei sehr wahrscheinlich natürlichen Ursprungs. Sie habe zur Folge,dass dieser Erdboden nicht für eine landwirtschaftliche Bodenaufwertung verwendet werden könne. Stattdessen muss er in eine Deponie gebracht werden. An einer Stelle wurde in der Vergangenheit auch Bauschutt vergraben, der nun ebenfalls entfernt und entsorgt werden muss.

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