Heutige Praxis
Der Kanton hat keinen Überblick über leerstehende Wohnungen

Der Regierungsrat räumt ein, dass die heutigen Messgrössen keine genauen Angaben zulassen. Er will die Erhebungsmethode aber nicht überarbeiten, da bereits der Bund damit beschäftigt ist.

Sophie Rüesch
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Wie viele ungenutzte Wohnungen gibt es tatsächlich? (Symbolbild)

Wie viele ungenutzte Wohnungen gibt es tatsächlich? (Symbolbild)

Aargauer Zeitung

Für den Dietiker CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr und seine Kollegen Carmen Walker Späh (FDP, Zürich) und Jakob Schneebeli (SVP, Affoltern a. A.) ist klar: Der Kanton Zürich braucht ein zuverlässiges Instrument, mit dem er messen kann, wie viele Wohnungen zu einem gewissen Zeitpunkt leer stehen. Denn der wissenschaftlichen Aussagekraft der heutigen Erhebungspraxis dieser sogenannten «Leerwohnungsquote» trauen die drei Parlamentarier nicht.

So habe etwa das Bundesamt für Statistik (BFS) im Jahr 2005 festgestellt, dass nur rund 66 Prozent der damals als leer gemeldeten Wohnungen tatsächlich den Leerstandskriterien entsprachen. Weitere 36 Prozent hingegen identifizierte das BFS als tatsächlich leerstehend — diese tauchten jedoch nicht in der amtlichen Statistik auf.

Dem Regierungsrat, von dem die Kantonsräte eine Stellungnahme dazu verlangten, ist die Fehleranfälligkeit der aktuellen Methode bewusst.

Zwar bezeichnet er diese selbst als «gut»; sie habe sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Doch er räumt auch ein: «Eine auf unabhängigen Datenquellen beruhende Kontrollmöglichkeit gibt es gegenwärtig nicht.»

So kann der Regierungsrat denn auch die Frage nicht beantworten, wie viele Wohnungen aktuell denn tatsächlich leer stehen: Da die Erhebung durch die Gemeinden erfolge, könne das kantonale statistische Amt weder Aussagen darüber machen, wie viele leere Wohnungen nicht als solche erfasst sind, noch darüber, wie viele bewohnte Wohnungen als leere in die Statistik eingehen.

Den Kantonsräten geht es aber auch nicht nur darum, aktuelle Zahlen herauszufinden. Sie stört, dass die Leerwohnungsquote trotz ihrer auch vom Regierungsrat beglaubigten Unzuverlässigkeit immer wieder zurate gezogen wird, um Aussagen über den gegenwärtigen Zustand des Wohnungsmarktes zu machen — und um «staatliche Interventionen» zu begründen.

Damit sprechen sie wohl die Folgen der Volksinitiative «Transparente Mieten» an: Seit das Zürcher Stimmvolk diese im November 2012 angenommen hatte, müssen Vermieter neuen Mietern den Anfangszins des Vormieters offenlegen, sobald die kantonale Leerstandsquote höchstens 1,5 Prozent beträgt.

Doch «leere Wohnungen alleine sagen nichts über den Wohnungsmarkt aus», schreiben die Parlamentarier in ihrer Anfrage. Sie schlagen als ergänzende Messkriterien die Mobilität der Bewohner, die Dauer eines Leerstands sowie die durchschnittliche Miethöhe vor.

Eigene Messmethode «nicht sinnvoll»

Ein eigenes kantonales Messsystem einzuführen, das weitere Faktoren in die Analyse miteinbezieht, erachtet der Regierungsrat aber nicht als gangbaren Weg. Einerseits sei die Leerwohnungsquote nämlich trotz nur teilweiser Aussagekraft «ein wertvoller Indikator für die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt».

Dies nur schon deshalb, weil mindestens alle Gemeinden mit derselben — nicht ganz lupenreinen — Methode arbeiten. Das führe auch wieder zu einer gewissen Konstanz der Ergebnisse.

Andererseits sei das Bundesamt für Statistik schon seit längerem daran, ein verlässlicheres Indikatorensystem zu entwickeln. Dem vorauszugreifen, erscheint der Regierung «nicht sinnvoll».