Parkplätze sind ein Politikum, vor allem in den Städten. In der Stadt Zürich wurden schon wahre Schlachten um sie geschlagen. Jetzt gerade herrscht Ruhe. Damit könnte es vorbei sein, wenn der Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) seine neue Norm bezüglich Parkplatzbreite vorlegt. Damit werde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Zahl der Geländewagen beziehungsweise SUV steige und die Autos generell breiter geworden sind, so hiess es in Medienberichten. Die VSS-Norm ist kein Gesetz, sie gilt als Standard, an den man sich hält.

Noch aber ist nichts entschieden, betont VSS-Direktor Christian Schärer. Zunächst einmal müsse ein breit angelegte Vernehmlassung zu der Frage stattfinden. Vorher werde seitens des VSS auch nicht kommuniziert. Nur soviel: Er rechne damit, dass die neue Norm im September 2018 präsentiert werden könnte. Dass die Parkplätze fünf Zentimeter breiter und etwas länger werden sollen, wie zu lesen war, will er nicht bestätigen. Entscheidend sei letztlich, was die Vernehmlassung ergebe.

Kämpfen für jeden Parkplatz

Der VCS hat sich bereits dazu geäussert. Die neue Norm dürfe nicht dazu führen, dass die Parkplätze insgesamt mehr Fläche einnehmen im öffentlichen Raum, sagte VCS-Schweiz-Sprecher Matthias Müller gegenüber der «SonntagsZeitung». Das hiesse in der Summe aber weniger Parkplätze. Der TCS wiederum will genau das verhindern. «Ja zu breiteren Parkplätzen, aber auf keinen Fall einen Abbau», sagt Reto Cavegn, TCS-Geschäftsführer Zürich, auf Anfrage.

Auch die City Vereinigung Zürich hat sich schon entsprechend zu Wort gemeldet. Deren Geschäftsführer Andreas Zürcher verweist auf den historischen Parkplatzkompromiss von 1996 und sagt: «Wir werden für jeden Parkplatz in der Zürcher Innenstadt kämpfen.» Der Parkplatzkompromiss schreibt fest, dass zwar oberirdische Parkplätze in unterirdische Anlagen verschoben werden dürfen, dass die Gesamtzahl der Parkplätze in der Innenstadt aber gleich bleiben muss. Massgeblich ist Februar 1990.

Zürcher verweist auf diverse Untersuchungen, wonach die Kunden, die mit dem Auto in die Stadt kommen, drei- bis viermal soviel Geld ausgeben in den Geschäften wie jene ohne Auto. «Darauf können wir nicht verzichten.» Dass die Parkplätze insgesamt breiter werden sollen, begrüsst freilich auch er. Er weist aber auch darauf hin, dass es bereits Angebote gibt für Besucher mit breiteren Wagen. So bietet etwa das Parkhaus Hohe Promenade XL-Parkplätze an, ohne Aufpreis. Die City Parkhaus AG – eine von der City Vereinigung gegründete Parkhausbetreiberin – ist für den Betrieb des 2004 eröffneten City-Parkings an der Gessnerallee zuständig. Die Parkplatzbreite dort beträgt 2,42 Meter. Das reiche auch für einen SUV, sagt Zürcher. Würde man heute erst bauen, liesse er aber Parkplätze von 2,5 Meter einzeichnen, fügt er hinzu. Als man geplant habe, sei die Norm noch bei 2,3 Meter gelegen. «Damals gingen die Verkehrsingenieure davon aus, die Zukunft gehöre dem kompakten Stadtauto.» Bekanntlich kam es anders.

VCS: Raum neu organisieren

Auch Markus Knauss, Co-Geschäftsführer des VCS Zürich, weist darauf hin, dass einiges anders gekommen ist. So hat sich die Zahl jener, die mit dem öffentlichen Verkehr nach Zürich reisen, seit dem Parkplatzkompromiss in etwa verdreifacht. Gleichzeitig hat der Autoverkehr ab- und der Veloverkehr stark zugenommen. Und Letzterer soll ja zusätzlich ausgebaut werden.

Insofern bilde der Parkplatzkompromiss schon lange nicht mehr die Entwicklung der Stadt ab, sagt Knauss. Zumal drei Viertel des Umsatzes in der Innenstadt von Kundinnen und Kunden generiert werde, die nicht mit dem Auto unterwegs sind. Es werde zunehmend eng in Zürich und es brauche eine Diskussion darüber, wie sich die Nutzung des öffentlichen Raums neu organisieren lasse. «Diese Debatte ist überfällig.»

Vorderhand muss sich der VCS in seinem Engagement auf Einzelschauplätze beschränken. Ein solcher ist etwa das Trottoir vor der Sihlpost, wo die Passantenströme seit der Eröffnung des Bahnhofs Löwenstrasse jährlich steigen. Der VCS bekämpft auf gerichtlichem Weg die Pläne der Stadt, zur Sihl hin 49 Parkplätze, die den Bauarbeiten im Weg waren, wieder einzurichten. Der dortige Veloweg müsste weichen.

Beengte Bahnhofstrasse

Als Beispiel, wo es schon lange eng ist, nennt Knauss die Bahnhofstrasse beim Aufgang vom ShopVille. Würde man an der parallel verlaufenden Lintheschergasse nur gerade sieben Parkplätze aufheben, so gibt er zu bedenken, könnte auch diese einen attraktiven Zugang zu Globus und Jelmoli darstellen. Die Masse der Fussgänger würde sich besser verteilen. Über eine entsprechende Ausweitung der Fussgängerzone lasse sich durchaus diskutieren, hält dazu der Geschäftsführer der City-Vereinigung fest. Für die dafür wegfallenden Parkplätze würde man aber auf Ersatz bestehen.