Zürich
Der «Hanfpapst»-Täter ist erfolglos vor Obergericht

Der junge Iraner, der den stadtbekannten «Hanfpapst» umgebracht hat, kommt für längere Zeit nicht frei. Das Obergericht schenkt seiner Darstellung keinen Glauben und hätte gar eine Strafmasserhöhung vorgezogen.

Jigme Garne
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Obergericht Zürich

Obergericht Zürich

Keystone

Sie wollten «schnell rein, Marihuana stehlen, schnell raus»: Das war der Plan der vier jungen Kiffer, als sie im Mai 2014 den stadtbekannten Kleindealer Martin Robert Frommherz alias «Hanfpapst» in dessen Wohnung überfielen. Es kam anders. Drei der Täter flüchteten mit ein paar Gramm Gras, der vierte aber blieb in der Wohnung und verprügelte Frommherz. Dieser erlag rund zwölf Stunden später den schweren Verletzungen. Er starb alleine auf dem Fussboden in seiner Wohnung an der Zürcherstrasse. Der Schläger und Haupttäter, ein junger Iraner aus Winterthur, kämpfte gestern erfolglos vor dem Obergericht Zürich gegen seine Verurteilung an. Er ist inzwischen 24, seit drei Jahren in Haft und kommt so bald nicht mehr frei.

Das Bezirksgericht Winterthur hatte ihn erstinstanzlich für schuldig der vorsätzlichen Tötung befunden und das Strafmass auf 13 Jahre Freiheitsstrafe festgelegt. Deren Vollzug wurde zugunsten einer «kleinen Verwahrung» aufgeschoben: Der Verurteilte kam in der Strafanstalt Pöschwies in eine stationäre Massnahme, die nach fünf Jahren überprüft und danach so oft wie nötig verlängert wird.

Nur fahrlässige Tötung?

Stattdessen soll er nur der schweren Körperverletzung schuldig sein und der fahrlässigen statt der vorsätzlichen Tötung – so forderte es seine Verteidigerin vor Obergericht. Denn: Es sei nicht vollständig erwiesen, dass ihr Mandant für den Tod des «Hanfpapstes» verantwortlich ist. Der Beschuldigte gibt zwar zu, dreimal zugeschlagen und dem am Boden liegenden Opfer einen Fusstritt gegen den Kopf versetzt zu haben. Hingegen will er nichts mit den fünf gebrochenen Rippen und den Würgemalen am Hals zu tun haben, die im Obduktionsbericht dokumentiert sind. Wie diese zustande kamen, könne er nicht erklären, sagte er vor Gericht.

Wer weiss, vielleicht hätten nach seiner Flucht noch andere die Wohnung betreten und das bereits schwer verletzte, bewusstlose Opfer weiter malträtiert? «Nur weil man sich etwas nicht vorstellen kann, heisst das nicht, dass es nicht passiert ist», sagte die Verteidigerin. Schliesslich sei Frommherz ein stadtbekannter Drogendealer gewesen, gegen den Drohungen vorlagen, seine Wohnung ein Bienenstock, wo Kunden ein- und ausgingen. Ferner könne sie die Lesart des Bezirksgerichts, gemäss welcher die drei Faustschläge zum Tod führten, nicht nachvollziehen.

«Euer Ehren», «euer Ehren»

Der vorläufig Aufgenommene kam im Alter von zwölf Jahren in die Schweiz. Obwohl erst in der 6. Klasse ins Schulsystem eingetreten, konnte er die
Realschule abschliessen. Danach brach er aber eine Schreinerlehre im Weinland ab und flog aus einem Jugendheim. Das psychiatrische Gutachten attestiert eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine hohe Gewaltbereitschaft. Er hat drei Vorstrafen: Sachbeschädigung, Angriff und Drohung.

Vor dem Obergericht war er nun bemüht, den Eindruck eines Geläuterten zu erwecken. Den Gerichtspräsidenten, den ehemaligen Zürcher SD-Gemeinderat Christoph Spiess, sprach er durchgehend mit «Euer Ehren» an, selbst nach dessen Hinweis, diese Anrede sei in der Schweiz unüblich und zu viel des Guten. Er habe niemals den Tod von Frommherz bewirken wollen, sagte der Täter und entschuldigte sich bei der Opferfamilie. Nach seiner Darstellung war das Ganze eine Verkettung unglücklicher Umstände, am Ende sogar Notwehr. Warum er anschliessend das schwer verletzte, am Boden liegende Opfer mit dem Handy filmte und das Video seinen Komplizen später zeigte, dafür fand er keine schlüssige Erklärung.
Das Richtergremium schenkte dem Iraner keinen Glauben und bestätigte das Urteil. Der Zusammenhang zwischen den Faustschlägen und dem Tod könne nicht infrage gestellt werden.

Theoretisch ja, praktisch nein

Der Beschuldigte habe eine aussergewöhnlich brutale und ebenso sinnlose Tat begangen, zumal es für einen solchen Gewaltexzess kein Motiv gab. Nach eigenem Ermessen hätten die Oberrichter das Strafmass gar auf fast 16 Jahre erhöht, was aber nicht möglich war, weil die Staatsanwaltschaft nicht gegen das erstinstanzliche Urteil appellierte.

Wie das Bezirksgericht geht das Obergericht auch ohne eindeutige Beweise davon aus, dass die Rippenbrüche und die Würgemale vom Beschuldigten verursacht worden sein müssen. «Theoretisch könnte es ein anderer gewesen sein, aber theoretisch ist noch vieles möglich auf der Welt», sagte Spiess. Für eine solche Annahme gebe es nicht den geringsten Anhaltspunkt.