Der vorbestrafte Beschuldigte, der ohne Verteidiger zum Termin erschien, will die Anabolika lediglich für den Eigengebrauch verwendet haben. Und dieser sei seines Wissens nicht strafbar. In der Bodybuilder-Szene seien Steroide weit verbreitet. «Ich kenne keinen Bodybuilder, der nichts nimmt», sagte der Beschuldigte.

Beim Gericht bedankte er sich, dass er seine Sicht der Dinge erzählen könne. Als Schweizer arabischer Abstammung sei er gastfreundlich. Und dies sei ihm zum Verhängnis geworden. Er stehe einzig vor Gericht, weil ihm ein ehemaliger Kollege, dem er Unterschlupf gewährt hatte, schaden wolle. Den Brasilianer habe er diesen Sommer an einer Party kennen gelernt. Man habe sich auf Anhieb gut verstanden.

Schon bald habe sich der Kollege erkundigt, ob er bei ihm wohnen dürfe. Seine Frau habe ihn rausgeschmissen. Der Beschuldigte sagte, er habe den Brasilianer bei sich aufgenommen. Dies, obschon er selber bloss in einem einzigen Zimmer zur Untermiete lebte.

Bald habe sich der Kollege als Schmarotzer entpuppt. Nach drei Wochen habe er ihn zur Rede gestellt. Er dürfe zwar weiter gratis bei ihm wohnen, solle aber einmal dafür sorgen, dass etwas Essbares in den Kühlschrank komme. Diese Aussprache habe wohl dazu geführt, dass ihn der Kollege bei der Polizei anschwärzte.

Kollege erhielt Steroide

Sein Gast habe mitbekommen, dass er sich Injektionen mit Steroiden verabreichte. Es sei auch richtig, dass er dem Brasilianer auf dessen Frage Steroide abgegeben habe. «Aber nur zum Selbstkostenpreis.» Der Verkauf an weitere Personen sei pure Erfindung. Er würde niemals mit Steroiden dealen, sagte der Beschuldigte. «Hätte ich das getan, würde ich nun auch hinstehen und die Verantwortung übernehmen», sagte er.

Die Steroide, die bei einer Hausdurchsuchung gefunden wurden, seien als Beweismittel zudem gar nicht zulässig. Der Durchsuchungsbefehl laute nämlich auf seinen Namen. Weil er ja bloss Untermieter war, hätte die Polizei nur sein Zimmer durchsuchen dürfen, argumentierte der Beschuldigte. «Die Steroide wurden aber im Küchenschrank gefunden.»

Wie sich bei der Urteilsverkündung zeigte, hatte sich der Beschuldigte getäuscht. Mit 20 Tagessätzen à 30 Franken ging das Gericht zwar deutlich unter den Antrag der Staatsanwaltschaft, von Freispruch kann aber keine Rede sein. Dopingmittel abzugeben, ist selbst dann strafbar, wenn man keinen Gewinn erzielt, erläuterte das Gericht. Und bei der Hausdurchsuchung sei alles korrekt zu- und hergegangen.

Der Durchsuchungsbefehl sei für alle Räume gültig gewesen, zu denen der Beschuldigte Zugang hatte. Schliesslich schenkte das Gericht den Aussagen des Brasilianers Glauben und nicht jenen des Beschuldigten. Entsprechend sah es auch den Verkauf von Steroiden an zwei weitere Männer als erwiesen an.

Unbedingt wurde die Strafe ausgesprochen, weil der Beschuldigte bereits mehrfach vorbestraft sei. Das Urteil wird voraussichtlich am Obergericht angefochten.