Hans-Lars Johnsen und Patrick Scherer machen gerade Mittagspause. Während der Sommerferienzeit fällt diese kurz aus. Johnsen ist seit fünf Uhr auf den Beinen. Erst gerade ist er von seiner morgendlichen Runde zurückgekehrt. Im Moment besucht er jeden Morgen und jeden Abend zwischen fünf und zehn Kunden. Die meisten davon halten zwischen zwei und fünf Katzen. Als Katzensitter ist der in Langnau am Albis wohnhafte Grönländer seit gut einem Jahr tätig. Die Idee, seine Firma Care4cats zu gründen, entstand aus eigener Not. Denn als Besitzer der drei Maine-Coon-Katzen Sputnik, Ivalo und Ziva ist er während Wochenendausflügen und Ferien selber auf einen Hütedienst angewiesen.

Von der Website über die Hausbesuche und Tierbetreuung bis hin zu den Abrechnungen macht Johnsen alles selber. Von seiner bisherigen Katzensitterin erbte er im vergangenen Dezember einige Kunden. Sie habe aus persönlichen Gründen ihre Katzenbetreuung abgeben müssen. Mehr sagt er dazu nicht. Auch von seinen Kunden erzählt er keine Details: «Ich respektiere ihre Privatsphäre», sagt Johnsen. «Im Sommer und an Weihnachten habe ich Hochsaison», sagt der Grönländer. Fragen beantwortet er mit Bedacht. Während des Gesprächs hat er immer ein Auge und ein Ohr auf seine drei Katzen gerichtet.

Derzeit begleitet Scherer seinen Partner manchmal auf den täglichen Hausbesuchen. Hauptberuflich arbeitet der 33-jährige gebürtige Berner als Lehrer im Kanton Zug. Gerade im Sommer ist Johnsen froh um die zusätzliche Hilfe. Zu den Kunden fahren sie mit ihren elektrischen Autos: «Weil wir viel unterwegs sind, möchten wir das möglichst ökologisch machen», sagt Johnsen.

Zu den Hausbesuchen gehören neben der Verpflegung ein kurzes Spiel und die Fellpflege des Haustieres. Zudem auch die tägliche Reinigung der Katzen-Toilette, das Lüften der Wohnung oder des Hauses der Besitzer, das Giessen der Zimmerpflanzen sowie das Leeren des Briefkastens. Nach dem Besuch erhalten Johnsens Kunden via Whatsapp, Facebook oder E-Mail einen kurzen Lagebericht, wie es den Vierbeinern zu Hause geht.

Die Kunden sind die Bosse

Zum Service seiner Firma gehört aber noch mehr. So besucht der 29-Jährige auf Wunsch die Katzen ein zweites Mal am Tag oder pflegt auch mal den Garten der Besitzer. Zudem versorgt er auch Meerschweine, Hamster, Mäuse, Ratten, Chinchillas oder Fische. «Dass du dein eigener Chef bist, wenn du selbstständig arbeitest, stimmt nicht ganz. Mein Boss sind meine Kunden», sagt Johnsen. «Genauer genommen ihre Katzen», ergänzt Scherer.

Das Angebot von Care4cats trifft einen Nerv. Das belegen die Einträge der Service-Zonen-Karte. Weit über 60 Kunden hat Johnsen mittlerweile. Die gelben und grünen Punkte auf der Karte verteilen sich zwischen dem Zuger-, dem Aegeri- und dem Zürichsee. Die farblichen Unterschiede kennzeichnen zwei Tarife.

So kostet ein täglicher Hausbesuch von bis zu drei Katzen in der Zone A 33 Franken. Die Zone B ist 11 Franken teurer. Ein zweiter Besuch pro Tag kostet zusätzliche 11 respektive 16 Franken, für mehr als drei Katzen pro Haushalt berechnet Johnsen einen pauschalen Zuschlag von 5 Franken pro Tag. Durchschnittlich benötigt er für einen Besuch 30 Minuten.

Das Bauchgefühl bestimmt

Wie sich die Zonen und Tarife unterscheiden, beantwortet Johnsen mit einem Wort: «Individuell.» Es ist das Motto seiner Dienstleistung. Denn jede Katze und jeder Besitzer seien anders. Jedes Tier brauche unterschiedlich viel Aufmerksamkeit und Zuneigung. Auch der Anfahrtsweg habe einen Einfluss auf den Preis. Der Zeitaufwand variiere entsprechend dem Kunden. «Mit der Katze einer Kundin gehe ich sogar an der Leine spazieren», sagt Johnsen. Dafür entfallen in diesem Fall die Fütterung und sonstige Hausarbeiten.

Weil Wünsche und Bedürfnisse so individuell seien, lerne er Besitzer und Tier im Vorfeld persönlich kennen. Erst wenn Johnsen das Umfeld und die Gewohnheiten der zu betreuenden Tiere kennt, kommt ein Vertrag zustande. Damit er herausfindet, worauf er sich einlässt, hat er sein eigenes Vorgehen. «Wenn ich irgendwo hinkomme, setze ich mich auf den Boden und warte, bis die Katze kommt.» Während er das sagt, erblickt er aus dem Augenwinkel Ivalo, die ins Wohnzimmer spaziert. Scherer sagt: «Hans-Lars hat eine besondere Gabe, mit Tieren umzugehen». Es sei wohl seine ruhige und ausgeglichene Art, weshalb sich die Tiere bei ihm wohl fühlen würden, so Scherer. Das Wohl der Tiere liege ihm am Herzen. «Er redet oft Grönländisch mit den Tieren», sagt Scherer. «Die Sprache ist den Katzen egal. Auf die Stimme kommt es an», ergänzt Johnsen.

Keine Mühe mit Struktur

Nicht nur individuell ist Johnsens Betreuung, sondern auch eigenständig. Wenn es einem Tier bei einem Hausbesuch nicht gut gehe, kontaktiere er zuerst den Besitzer. Erreiche er diesen aber nicht, dann entscheide und handle er selbstständig. «Das ist vertraglich so festgehalten», sagt er.

Bedenkliche oder unangenehme Situationen mit seinen Kunden hat Johnsen bislang nicht erlebt. «Wenn ich mich bei einem Besuch nicht wohl fühle, lehne ich den Auftrag ab», sagt er. Sein Bauchgefühl fälle die Entscheidung. Kopfsache dagegen ist die gesamte Organisation der Besuche, die Koordination der Termine und die Pünktlichkeit. Obwohl Johnsen selber sagt, dass Grönländer weniger strukturiert und weniger genau seien als die Menschen in der Schweiz, habe er keine Mühe damit. All das kennt er aus der Aviatik.


Johnsen arbeitete bis vor zwei Jahren als Luftverkehrs-Assistent in Grönland. Dann fand er den Weg nach Langnau am Albis. Aufgewachsen sei er mit Katzen, Hunden, Fischen und Fröschen. Flugzeugmodelle, Schwarz-weiss-Bilder von historischen Flugzeugen sowie eine alte Flugzeugsitzreihe zeugen von seiner zweiten Leidenschaft.

Nun bleibt noch etwas Zeit für ein kurzes Mittagessen und ein paar Streicheleinheiten für Sputnik, Ivalo und Ziva. Dann müssen die beiden los. So wie heute wird es noch bis zum Ende der Schulferien weitergehen. In der Nebensaison haben sie dann Zeit für Ausflüge und Kurzferien. Für solche Fälle kann Johnsen auf eine Stellvertretung zählen, die die drei Maine-Coon-Katzen und die Tiere seiner Kunden betreut.