Uitikon
Der Glöckner von Notre Dame: Noch immer berührt die alte Geschichte

Ein kleiner Chor in Uitikon nimmt sich des grossen Stoffs des «Glöckners von Notre Dame» an. Das Resultat lässt sich sehen — und hören. Es ist schon immer wieder erstaunlich, was Laien auf eine Bühne zaubern können. Sogar ein ganzes Musical:

Susanne Brem
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Der Glöckner von Notre Dame Urdorf
12 Bilder
Esmeralda träumt von Liebe
Die schöne Esmeralda verliebt sich in den Soldatenhauptmann Phoebus
Phoebus (gespielt von Daniel Laumer) und Esmeralda (gespielt von Iris Heer)
The World is Wicked, the World is cruel - Chris Schmid in der Rolle von Richter Frollo
Tanzszene
Quasimodo wagt sich hinunter auf die Strassen von Paris
Einfaches Bühnenbild und eindrucksvolle Lichteffekte
Die dreieckig geschneiderten Kostüme sind vielseitig einsetzbar
Der Laiernchor überzeugte
Die Mitglieder des Vocal Cords
Die Regisseurinnen Carola Berendts und Georgina Bachmann

Der Glöckner von Notre Dame Urdorf

Susanne Brem

So geschehen am Wochenende im Üdiker-Huus. Da entführten die 21 Sängerinnen und Sänger des Vocal-Cord-Chors ihr Publikum ins mittelalterliche Paris — zum unglücklichen «Glöckner von Notre Dame». Und sie berührt noch immer, Victor Hugos Geschichte vom hässlichen Quasimodo und der schönen Zigeunerin Esmeralda.

Sie erzählt vom entstellten Quasimodo, der seit Kindestagen in den Glockentürmen der Notre Dame lebt, verbannt vom schrecklichen Richter Frollo. Dieser verbietet ihm, sich je wieder auf den Strassen von Paris zu zeigen. Singend schüchtert Frollo Quasimodo mit seiner tiefen Bassstimme ein: «The world is cruel, the world is wicked. And you are different, you are ugly — you are a monster!». Zu Deutsch: «Die Welt ist böse, die Welt ist niederträchtig. Und du bist anders, du bist hässlich — du bist ein Monster!»

Nicht zu Unrecht fragt sich der Zuschauer bald, wer hier eigentlich das Monster ist: der entstellte Quasimodo, der sich nach Liebe sehnt und dessen einzigen Freunde die steinernen Wasserspeier im Glockenturm sind? Oder doch viel eher Frollo, der Richter, der seine Macht über alle ihn umgebenden Kreaturen ausübt?

So kann man es Quasimodo nicht verübeln, dass er nicht gehorcht und sich trotz Verbot hinunter auf die Strassen wagt. Doch die Leute erschrecken sich, sie hetzen ihn. Einzig die Zigeunerin Esmeralda spendet Trost. Als Frollo dies entdeckt, beginnt eine erbitterte Verfolgungsjagd um die Zigeunerin.

Einfache Kniffe machens möglich

Für den Uitiker Chor war es keine leichte Aufgabe, eine Geschichte dieser Dimension mit einem Ensemble von gerade mal 21 Sängerinnen und Sängern auf die Bühne zu bringen. Immer wieder sollten Massenszenen mit Pariser Bürgern, Zigeunern oder Soldaten die Bühne bevölkern. Die Regisseurinnen Georgina Bachmann und Carola Berendts liessen sich daher etwas ganz Besonderes einfallen: Sie entwarfen ein vielfältig einsetzbares Kostüm, im Grunde ein Dreiecktuch, geschneidert in verschiedenen Farben. Und je nachdem, wie es von den Protagonisten verwendet wird, dient es als Schürze einer Pariserin, als Wams des Bischofs, als Kopfbedeckung eines Zigeuners oder als Uniform eines Soldaten. Als Frollo befiehlt, die Stadt in Flammen zu setzen, dient es sogar einmal als Fackel.

Auch das Bühnenbild kommt mit einfachsten Mitteln aus. Ein paar Fässer aus Holz, zwei kleine Treppen, ein Podest, das den Glockenturm signalisiert: Viel mehr braucht es nicht, um die Szenerie anzudeuten. Umso mehr überzeugen die Sängerinnen und Sänger mit ihren Stimmen. Chorleiter Alois Heer schuf die Chorarrangements. Die Musik lehnt sich an die Disney-Verfilmung aus dem Jahr 1996; von den 24 Musicalsongs waren allerdings nur gerade neun mit Noten verfügbar. Den Rest hatte Heer in tage- und nächtelanger Arbeit aus meist deutschen Tonaufnahmen herausgehört und für den Vocal Cord mit englischem oder gar lateinischem Text unterlegt.

Den Vocal-Cord-Chor gibt es mittlerweile seit über 15 Jahren. Viele Mitglieder sind ehemalige Schüler der Musikschule Knonaueramt, an der Alois Heer viele Jahre lang den Schülerchor leitete. Anfangs sang der Vocal Cord noch ganz normal konzertant. Doch dann, 2007, wagte man sich mit «Les Misérables» zum ersten Mal an ein Musical heran. Seither hat das Genre die Sängerinnen und Sänger nicht mehr losgelassen. Zum Glück, ist man am Ende des «Glöckners von Notre Dame» versucht, zu sagen. Und noch einmal: Ja, es ist erstaunlich, was Laien auf die Bühne zaubern können.