Kantonsrat
Der Gewässerschutz ist auch eine Sache der Privathaushalte

Die Wasserqualität im Kanton Zürich ist gut – dennoch schlägt der Bundesrat eine Abwasserabgabe vor.

Matthias Scharrer
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Das Problem der Gewässer-Überdüngung verliert an Bedeutung, jenes der Mikroverunreinigungen nimmt zu. Keystone

Das Problem der Gewässer-Überdüngung verliert an Bedeutung, jenes der Mikroverunreinigungen nimmt zu. Keystone

Die Zürcher Gewässer sind heute überwiegend von guter Qualität. Zu diesem Schluss kommt der Regierungsrat in seinem Bericht zur Wasserqualität im Kanton Zürich, den der Kantonsrat gestern debattiert hat. Fischsterben und Algenwucherungen treten deutlich seltener auf als noch in den Achtzigerjahren. Doch während früher Industrieabwässer und gedankenloser Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft die Gewässer massiv verschmutzten, stehen heute vermehrt andere Gefahren im Fokus.

So belastet der alltägliche Gebrauch von hormonähnlich wirkenden Stoffen, Medikamenten, Pflanzen- und Materialschutzmitteln die Gewässer in einem Ausmass, das Fischen und anderen Wasserlebewesen schaden kann, wie es im Bericht des Regierungsrats heisst. Auch für den Menschen könnten die Rückstände dieser Chemikalien im Wasser nachteilige Wirkung haben. «Durch diese sogenannten Mikroverunreinigungen wird die Qualität der Gewässer beeinträchtigt», hält der Regierungsrat fest.

Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft, aber auch aus dem Siedlungsgebiet treten beispielsweise in knapp der Hälfte der vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) untersuchten Gewässerabschnitte in Konzentrationen auf, die Wasserlebewesen gefährden können. Während jedoch die Landwirte durch Schulungen auf das Problem aufmerksam gemacht würden, seien private Anwender viel schwieriger zu erreichen. So sei etwa das seit 2001 geltende Verbot des Einsatzes von Herbiziden auf Kieswegen oder befestigten Gartensitzplätzen in der Bevölkerung kaum bekannt.

Auch Schwermetalle aus Strassenentwässerungen, die vom Pneuabrieb stammen, stellten eine Gefahr dar. Gesamthaft seien Mikroverunreinigungen aus der Nutztierhaltung heute geringer als jene aus der Siedlungsentwässerung.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, appelliert der Regierungsrat zum einen an die Vernunft der Konsumenten: «Jede Einzelperson kann einen Beitrag leisten, indem sie umweltverträgliche und umweltschonend gefertigte Erzeugnisse bevorzugt, sparsam mit Chemikalien, Medikamenten und Kosmetika umgeht und Chemikalien- oder Medikamentenreste fachgerecht entsorgt.»

Investitionen von 350 Millionen

Zum anderen gelte es aber auch, zahlreiche Abwasserreinigungsanlagen (ARA) nachzurüsten. Betroffen seien 33 von 69 kommunalen ARA, darunter die drei grössten des Kantons sowie sieben grössere im Einzugsgebiet des Zürich- und des Greifensees. Insgesamt seien dafür Investitionen in Höhe von 350 Millionen Franken nötig. Zur Finanzierung schlägt der Bundesrat eine auf 20 Jahre befristete Abwasserabgabe vor.

Um die durchaus noch bestehenden Beeinträchtigungen der Gewässer durch die Landwirtschaft zu mindern, ist eine nachhaltige Landwirtschaft nötig, hält der Regierungsrat fest. Auch die vom Zürcher Bauernverband vehement bekämpfte Ausscheidung von Pufferstreifen und um Gewässer spiele eine wichtige Rolle bei deren Revitalisierung. In den nächsten 80 Jahren sollen im Kanton Zürich laut Regierungsrat 400 Kilometer Gewässer revitalisiert werden.

Den regierungsrätlichen Bericht hatte ein Postulat aus den Reihen der SP und der Grünen veranlasst. Deren Kantonsräte zeigten sich gestern zufrieden mit dem Bericht, auch wenn es mit den Gewässer-Revitalisierungen schneller gehen könnte, wie Roland Munz (SP, Zürich) monierte. «Es gibt viel zu tun, und es wird sehr viel kosten», stellte Roland Brunner (Grüne, Steinmaur) fest. Und Michael Welz (EDU, Oberembrach äusserte seine Genugtuung darüber, dass nun nicht mehr die Landwirtschaft der Sündenbock beim Chemikalienverbrauch sei: Der nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung mache der Gewässerschutz mehr zu schaffen.