In Fragen der Fliegerei entscheiden die Zürcher oft mit den Ohren. Es ist die Zahl der Flugbewegungen und der dabei verdröhnten Dezibel, die über Wohlwollen oder Missbilligung entscheiden. Und was diese Zahl angeht, gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Plänen für die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf, die zurzeit beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) in Bern auf dem Tisch liegen.

Dieses hat im Auftrag des Bundesrats nach Firmen gesucht, die es sich zutrauen, die ehemalige Militäranlage als zivilen Flugplatz weiterzubetreiben. Denn die Landesregierung lässt es sich im Gegensatz zur Zürcher Regierung offen, das Areal für die Fliegerei zu erhalten.

Bisher zwei Bewerber

Gemeldet haben sich innert der inzwischen abgelaufenen Frist zwei Bewerber, wie das Bazl gestern bekannt gab: Einerseits die Flugplatz Dübendorf AG, ein Konsortium von mehreren Unternehmen aus der Geschäftsfliegerei, der Rettungsflugwacht und den Flugsportlern.

Andererseits die Firma Topmotion, geführt vom Chef des bestehenden Air Force Centers, das für seine historischen Ju-52 bekannt ist. Er will dieses zu einem Werkflugplatz ausbauen mit Firmen aus der Flugzeugwartung. Zudem zeigt die Pilotenschule der Swiss Interesse.

Was die Zahl der Flugbewegungen angeht, war die Berechnungsgrundlage des Bundes für beide Bewerber die gleiche: Sie müssten mit etwa 28 000 Flugbewegungen auskommen. Ein fixer Deckel war das allerdings nicht – auch wenn dieser Wert bereits um mehr als das Doppelte über dem derzeitigen liegt. Würde zum Beispiel ausschliesslich mit ultraleichten und leisen Flugzeugen der Ecolight-Klasse geflogen, wären laut Bazl noch deutlich mehr Bewegungen möglich.

Ökonomen der Universität St. Gallen haben im Auftrag der Zürcher Regierung einmal ausgerechnet, dass ein rentabler Business Airport in Dübendorf mit rund 40 000 Starts und Landungen machbar wäre. Urs Brütsch, Projektleiters der Flugplatz Dübendorf AG, die ihren klaren Schwerpunkt auf die Geschäftsfliegerei legt, zeigt sich überzeugt, dass es auch mit weniger geht.

«Wir haben uns exakt an den Annahmen des Bundes orientiert», sagt er. Obwohl die 28 000er-Grenze flexibel sei, habe man im Geschäftsmodell nicht auf mehr Bewegungen spekuliert, und das sei aufgegangen. «Wir haben seriös gerechnet und unsere Gebühren auf ihre Marktakzeptanz geprüft», sagt er. Die Geschäftsfliegerei werde als lukratives Geschäftsfeld gemeinhin etwas unterschätzt. Die Flugplatz Dübendorf AG will der Geschäfts-, Sport- und Privatfliegerei ein neues zu Hause bieten, weil diese am Flughafen in Kloten zunehmend verdrängt wird. Dort war sie im letzten Jahr für fast 34 000 Flugbewegungen verantwortlich.

Brütsch beteuert aber, dass diese nicht alle nach Dübendorf verlagert würden. Erstens, weil grössere Flugzeuge dort gar nicht landen könnten, und zweitens, weil die Öffnungszeiten dort restriktiver seien als am Flughafen Zürich.

Wartung bringt weniger Betrieb

Kurt Waldmeier, CEO der Firma Topmotion, muss keine solchen Erklärungen liefern. Er will die vom Bund vorgegebene Marke ohnehin nicht ausreizen. In seinem Bewerbungsdossier rechnet er mit weniger als 20 000 Flugbewegungen, wie er auf Anfrage sagt. Der Grund: Flugzeuge, die einen Werkflugplatz ansteuern, heben nicht gleich wieder ab, sondern bleiben relativ lange in den Hangars der Mechaniker. Gemäss der St. Galler Studie kann ein Werkbetrieb schon bei 300 bis 1000 Flügen pro Jahr selbsttragend sein. Anders als bei der Konkurrenz ist bei Topmotion zudem nur ein einziges Businessflugunternehmen an Bord.

«Wir haben eine andere Philosophie», sagt Waldmeier, «nämlich hohe Wertschöpfung und viele Arbeitsplätze bei wenig Bewegungen.» Aufgrund von über dreissig Jahren Berufserfahrung auf dem Flugplatz sei er überzeugt, dass dies für die Umgebung zumutbar wäre. Anders, als wenn man die ganzen Sport- und Privatflieger aus Kloten herholen würde. «Ich habe nichts gegen die Sportfliegerei, aber man muss die nicht am Rand einer Grossstadt betreiben.»

Überzeugte Gegner eines zivilen Flugbetriebs wie Dübendorfs Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) dürften durch solche Rechnereien nicht zu konvertieren sein. Entscheiden werden aber nicht sie, sondern der Bundesrat: Im Sommer teilt er mit, ob überhaupt jemand den Flugplatz weiter nutzen darf. Bekäme einer der Bewerber den Zuschlag, so zeichnet sich bereits ab, dass der unterlegene wohl eine Zusammenarbeit anstreben würde.