Zürich

Der Ex-SVP-Präsident politisiert nun mit der CVP

«Politik wird in der Mitte gemacht», sagt Konrad Langhart, der sich der CVP-Kantonsratsfraktion anschliesst.

«Politik wird in der Mitte gemacht», sagt Konrad Langhart, der sich der CVP-Kantonsratsfraktion anschliesst.

Der unter Misstönen aus der SVP ausgetretene Konrad Langhart wechselt die Kantonsratsfraktion.

Landwirt Konrad Langhart aus Oberstammheim gehört im Kantonsrat neu der CVP-Fraktion an. Dies gab der 56-Jährige an einer Medienkonferenz am Rande der Kantonsratssitzung vom Montag bekannt. Der ehemalige Präsident der kantonalen SVP war nach den erfolglosen Wahlen im vergangenen Frühling zum Rücktritt gedrängt worden. Im vergangenen Dezember trat er dann aus seiner Partei aus, weil er nicht mehr einverstanden mit deren Politik war. Insbesondere mit ihrer Haltung in ökologischen Fragen habe er Mühe, begründete der Biobauer damals seinen Schritt. Die SVP engagiere sich zu wenig in der Klimapolitik.

Langhart bleibt weiterhin parteilos

Langhart schliesst sich lediglich der CVP-Fraktion an, tritt der Partei aber nicht bei. Einen Parteieintritt werde er sich allenfalls später überlegen. Den Auftrag seiner Wähler aus dem Zürcher Weinland werde er vorerst als Parteiloser weiterführen. Der Wechsel zur CVP sei auf den ersten Blick nicht naheliegend für einen reformierten Bauern, räumte er ein. Aber es gebe grosse Übereinstimmungen in wichtigen Sachfragen. Als Beispiel führte er die kantonalen Steuervorlagen von diesem Sonntag an, welche die CVP bekämpft.

Auch auf die Landwirtschaftspolitik habe die CVP eine ähnliche Sicht wie er, sagte Langhart. Er wiederum unterstütze wie die Mittepartei die Energiestrategie 2050 des Bundes. «Ich bin mittlerweile zum Schluss gekommen, dass sie nötig ist», sagte der ehemalige SVP-Präsident. «Als Bauer bin ich in den letzten Jahren deutlich grüner geworden.» Damit sei er nicht allein: Viele Landwirte würden ähnlich denken wie er.

Einen Widerspruch zu seiner bisherigen Politik sieht Langhart nicht. «Meine Grundhaltung ist weiterhin bürgerlich», sagte er, fand aber auch mit einem Seitenhieb an seine frühere Partei: «Politik wird in der Mitte gemacht, und man muss von seiner Position auch einmal abrücken können. Es bringt nichts, wenn man immer mit wehenden Fahnen untergeht.»

Yvonne Bürgin, CVP-Fraktionspräsidentin (Rüti), zeigte sich erfreut über den Neuzugang, der die Fraktion auf neun Mitglieder anwachsen lässt. Mit Langhart werde das Fachwissen der Partei in den Bereichen Landwirtschaft, Ökologie, Biodiversität und Umweltschutz gestärkt, sagte sie. Der Biobauer ist im Kantonsrat Mitglied der Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt. Er wird aus ihr wohl nicht zurücktreten, wie dies die SVP von ihm fordert.

Parteiwechsel hat es auch in die umgekehrte Richtung gegeben. Die CVP-Fraktion im Kantonsrat hat in den vergangenen zehn Jahren zwei Mitglieder an die SVP verloren: Franco Albanese (Winterthur) und Susanne Brunner (Zürich), mittlerweile nicht mehr Kantonsrätin, liefen beide während der laufenden Legislatur zur SVP über.

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