Elektroenergie statt Diesel. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) rüsten sich für die Zukunft. Ab Oktober kommt der elektrische Quartierbus SOR EBN 8 testweise den Betrieb. Das Fahrzeug des tschechischen Herstellers SOR bietet 16 Sitz- und 18 Stehplätze. Diesen elektrischen Quartierbus mieten die VBZ für die nächsten zwei Jahre. Bewährt er sich will der Verkehrsbetrieb den E-Bus in ihre Flotte aufnehmen. Deshalb wird er hinsichtlich Energiebedarf, Reichweite, Zuverlässigkeit, Fahrverhalten und Ladevorgang bis 2019 geprüft.

Die VBZ können durch den Einsatz des elektrischen Quartierbus pro Jahr rund 30 000 Liter Diesel sparen. Und nicht nur das: Die Umstellung auf den elektrischen Fahrbetrieb reduziert die Lärm- und Luftbelastung in den Zürcher Quartieren. Zumindest in jenen, die von den Linien 35, 38, 39, 40, 64, 73, 79 und 307 bedient werden. Während acht Stunden täglich oder über eine Strecke von 150 Kilometern. So lange reicht die Batterie des SOR EBN 8. Dann muss er für weitere acht Stunden an die Steckdose in der Garage. Stadtrat Andres Türler sagte gestern an der Medienkonferenz in der VBZ Garage Hardau: «Das ist die Technologie der Zukunft.»

Zürich testet Elektro-Bus

Zürich testet Elektro-Bus

Ab Oktober fährt der erste E-Bus durch Zürich. Da die Batterie nur 8 Std. hält, muss der Bus einmal am Tag durch einen Diesel-Bus ausgetauscht werden.

Die VBZ setzt auf Elektrik

Und zumindest teilweise ist die Elektrik bei der VBZ schon Gegenwart. Bereits heute werden rund 80 Prozent aller Fahrgäste mit Trams und Trolleys elektrisch transportiert. Guido Schoch, Direktor der VBZ, sagt: «Mit dem Testbetrieb unternehmen wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur vollständigen Elektrifizierung unserer Busflotte.» Damit unterstützen die VBZ die umwelt- und energiepolitischen Ziele der Stadt.

Die Zürcher haben sich 2008 für die 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen. Da in der Stadt bereits 55 Prozent aller Wege mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden, ist der energiesparende Beitrag der VBZ wesentlich für die Energieverbrauchsziele. Der Testbetrieb der E-Busse ist dabei ein weiterer Meilenstein innerhalb der Elektrifizierungsstrategie. Ihre 2014 vorgestellte Vision lautete: «Weg vom Diesel – 2030 fahren die VBZ weitgehend emissionsfrei.» Damit dieses Ziel erreicht werden kann, haben die VBZ bereits weitere Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses ergriffen. Neben dem Testbetrieb mit den E-Bussen rollt seit vergangenem März ein gemieteter Hybridbus durch die Zürcher Strassen.

Der Stadtrat hat nun der Beschaffung elf solcher Hybridgelenkbusse zugestimmt. Diese werden ab Mitte des nächsten Jahres für die VBZ in den Einsatz kommen und elf Dieselbusse in Rente schicken. Zwar ist der Hybridbus mit einem Preis von rund 580 000 Franken etwa 10 Prozent teurer als ein Dieselbus. Da er rund ein Viertel weniger Treibstoff verbraucht, gleicht sich der Preisunterschied am Ende wieder aus, rechnen die VBZ die Investition vor. Und es ist eine Anschaffung auf lange Zeit. «Ein Hybridbus ist nach 14 Jahren, der E-Bus nach 12 Jahren abgeschrieben», erklärt Christoph Rütimann, Vizedirektor und Leiter Technik bei der VBZ. Spätestens aber nach 700 000 Kilometern würden die Busse von der Strasse geholt.

Ohne Trolleybus geht es nicht

Weiterhin ausgebaut wird indes die traditionelle Trolleybus-Flotte, die seit 75 Jahren für die VBZ im Einsatz sind. Und im Rahmen der Elektrifizierungsstrategie spielen sie auch künftig eine wichtige Rolle. Gerade weil sie keine Schadstoffe ausstossen, energieeffizient betrieben werden können und zudem sehr leise sind. Zwischen 2019 und 2022 sollen nun Trolleybusse den Dieselbetrieb auf den Linien 69 und 80 ablösen. Die drei Jahre werden benötigt, weil entsprechende Leitungen installiert werden müssen. Gerade auf hügeligen Linien – wie der Strecke zur ETH am Hönggerberg – erweisen sich die Trolleys als leistungsfähig und zuverlässig. Und diese Vorteile treiben die Forschung in der Weiterentwicklung der Trolley-Busse derzeit vorwärts. So entwickelt die VBZ zusammen mit dem Bundesamt für Energie, der ETH Zürich und der Berner Fachhochschule einen neuen, modernen Batterie-Trolleybus speziell für den öffentlichen Verkehr in städtischen Gebieten.

Auf- und Abbügeln des Trolleybus zwischen Hard- und Albisriederplatz.

Auf- und Abbügeln des Trolleybus zwischen Hard- und Albisriederplatz.

VBZ Trolleybus in Zürich.

Ziel des Projektes «Swiss Trolley plus» ist einen Bus zu schaffen, der auch über längere Teilstrecken ohne Fahrleitung verkehren kann. Ein erster Testbetrieb gibt es seit Sommer 2015 mit den Buslinien 33 und 72 zwischen den Haltestellen Albisriederplatz und Hardplatz. Unabhängig von der Fahrtrichtung wird bei den beiden Haltestellen die Fahrleitung an- oder abgehängt. Und zwar automatisch. Die Busse verkehren dann auf der rund 650 Meter langen Strecke im Batteriemodus. Über das Projekt wollen die VBZ anfangs 2017 ausführlich kommunizieren. Für Stadtrat Türler ist klar: «Die VBZ ist mit der Elektrobus-Strategie auf dem richtigen Weg.»