Zürich

Der doppelte Schönholzer: An seinem ersten Solo-Abend tritt der Musiker gegen sich selbst an

Für sein erstes Soloprogramm vertraut Markus Schönholzer auf sich selbst in einem Solo für zwei.

Für sein erstes Soloprogramm vertraut Markus Schönholzer auf sich selbst in einem Solo für zwei.

Der Zürcher Musiker Markus Schönholzer feiert die Premiere seines ersten eigenen Solo-Abends – und tritt gegen sich selbst an.

Auf seiner Website bezeichnet sich Markus Schönholzer als Komponist von «Gebrauchsmusik» für das Theater- und Showbusiness. Das ist natürlich untertrieben: Mit 57 Jahren kann er dank der Auftragsarbeiten auf eine beachtliche musikalische Karriere blicken. Viele Melodien, die das Publikum in der hiesigen Bühnen- und Musikszene gehört hat, stammen aus seiner Feder.

Schönholzer ist aber auch sein eigener Chef und tritt bisweilen in verschiedenen Formationen aus dem Schatten und enterte die Bühne. Dafür ist die Zeit wieder reif: Mit «Schönholzer & Schönholzer» präsentiert er erstmals ein eigenes Soloprogramm, das im Theater am Hechtplatz die Premiere feiert.
«Für mich ist der Soloabend eine ganz neue Herausforderung», sagt der Musiker. Er stecke sein Herzblut in jede seiner Aufgaben, aber alleine auf der Bühne zu stehen und verantwortlich für den ganzen Abend zu sein, benötige viel Konzentration. Noch bis vor einem Jahr war Schönholzer mit dem Akkordeonisten Robi Rüdisüli als Duo «Schönholzer & Rüdisüli» unterwegs. Beide entzückten mit ihren Dialektliedern ihr Publikum und die Kritik. «Der 77-jährige Robi Rüdisüli wollte aber nicht mehr auf Tournee gehen, und er empfahl mir, mich alleine auf die Bühne zu wagen», sagt er. Und so entstand dann der neue Soloabend.

Er teilt die Bühne mit sich selbst

Im seinem neuen Programm tritt Schönholzer gegen sich selber an. Es ist ein Solo für zwei. «Ich finde es spannend, auf der Bühne mit meinem zweiten Ich in den Dialog zu treten und aus unserer Auseinandersetzung Lieder zu entwickeln», sagt er. So könne er Themen von vielen Seiten beleuchten.

Konkret beinhaltet der Abend 18 neue Lieder, die von Schönholzers beiden Seelen anmoderiert und diskutiert werden. Schönholzer ist in seinem Programm daher nicht nur Sänger und Gitarrist, sondern auch der humorvolle Erzähler. «Meinen Solo-Abend auf diese Art zu spielen, macht grossen Spass!»
Viele der Lieder thematisieren menschliche Makel. Titel wie «Huutfarb» oder «Gaffer» erzählen wundersame Alltagsgeschichten. Musikalisch erinnern seine Songs an die grossen Schweizer Liedermacher. Er habe kein erklärtes Vorbild, sagt Schönholzer, er kommt aber nicht umhin, Mani Matter zu erwähnen. «Jeder Mann, der eine Gitarre zupft und dazu Mundart singt, kommt an Mani Matter nicht vorbei.»

Regie bei «Schönholzer & Schönholzer» führt der Autor Paul Steinmann. Dieser ist eine feste Grösse im hiesigen Bühnenschaffen: Sein gesamtes Werkverzeichnis umfasst über 200 Theaterstücke und Bearbeitungen.

Ein Amerikaner kommt in die Schweiz

Dass Schönholzer einmal im Schweizer Dialekt singen würde, hätte er als Kind wohl nie gedacht, ist er doch gebürtiger Amerikaner. In Buffalo, New York, verbrachte er seine ersten elf Lebensjahre. «Obwohl meine Eltern Schweizer sind, wurde bei uns zuhause Englisch gesprochen. Unsere Eltern haben für uns die USA als Heimat gewählt», sagt er. Trotzdem zog es die Familie zurück ins St. Galler Rheintal. «Es war ein völlig neues Leben. Nicht nur musste ich Deutsch lernen, ich hatte auch keine Ahnung, was Fussball oder Fasnacht ist.»

Früh war für Schönholzer aber klar, dass er Musiker werden wollte und er erlernte die Gitarre. Dennoch liess er sich als Primarlehrer ausbilden und unterrichtete daraufhin sechs Jahre. Seinen Traum liess er aber nicht aus den Augen. «Ich spielte in verschiedenen Bands und war sehr aktiv», sagt er. Damals komponierte und sang er noch in englischer Sprache. In dieser Zeit folgten auch erste Engagements in Theatern als Bühnenmusiker und um deren Produktionen musikalisch zu untermalen. So zog es ihn nach Zürich. Ende der 1990er-Jahre unterstützte ihn schliesslich die Stadt mit der Werkjahr-Auszeichnung und seither lebt Schönholzer von der Musik.

Er ist ein fester Wert in der Theaterwelt. So hörte man seine Kompositionen etwa am Schauspielhaus Zürich, am Stadttheater Basel oder an den Salzburger Festspielen. Und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ist das Musical nicht weit: «Die Schweizermacher» in Zürich (sein erster Dialekt-Auftrag), «Gotthelf» bei den Thuner Seespielen oder jüngst «Coco – ein transgender Musical» in Bern, lebten auch von seiner Musik. Weiter schrieb er neben Filmmusik auch Lieder für Künstler wie Michael von der Heide, Bliss oder die Acapickels. Um nur einige Titel und Namen zu nennen.

Es ist wohl auch Schönholzers Vielseitigkeit zu verdanken, dass er in dieser Branche bestehen konnte. «Vielleicht ist es die Branche, die mir musikalische Flexibilität abverlangt hat, so genau kann ich das nicht sagen. Sicher ist, dass man entdeckungsfreudig sein muss, um im Musikgeschäft zu bestehen.» Wichtig ist ihm, dass es in seiner Karriere dennoch eine zentrale Linie gibt: «Musik ist für mich ein Erzählmittel. Welchen Stil ich als Geschichtenerzähler verwende, ist eher von der Story, als von meinen persönlichen Vorlieben abhängig.»

Es erstaunt nicht, dass Schönholzers Soloprogramm aktuell nicht sein einziges Eisen im Feuer ist. Zwar wird er mit ihm das ganze Jahr auf Tournee gehen, er tut dies aber ebenso mit «Moesie & Pusik» mit Charles Lewinsky, der sein Wegbegleiter und Freund ist, und mit dem literarischen Musikabend «Liederlich» von Reto Zeller. Damit ist er am 28. März auch im Gleis 21 in Dietikon zu Gast.

Hinweis
Markus Schönholzer: Schönholzer & Schönholzer, 3. & 5. Februar, Theater am Hechtplatz, Zürich

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