Zürich

Der Baulöwe war schon da, als die Herde kam: Wie Halter das Limmattal mitentwickelte

Vor 100 Jahren entstand im Zürcher Vorort Altstetten das Bauunternehmen Halter. Es prägt die Wachstumsregion im Westen der Stadt bis heute mit – und hat auch in anderen Städten markante Spuren hinterlassen.

Am 29. August 1918 erwarb der aus Obwalden stammende Bautechniker Wilhelm Pius Halter ein Maurergeschäft in Altstetten. Das Dorf an der Limmat gehörte damals noch nicht zu Zürich. Die Investition von 33'800 Franken in 3000 Quadratmeter Land, ein Haus mit drei Wohnungen, Magazine und Werkstätten, Pferdestallungen und Fuhrwerk, Baumaterialien und Werkzeuge erwies sich als nachhaltig: Es war der Anfang der Firma Halter, die am Samstag mit einem internen Anlass ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Aus dem Baugeschäft in Altstetten ist ein schweizweit tätiges Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden in Zürich, Bern, Basel, Luzern und Lausanne geworden. Zu den neueren Projekten, an denen die Halter AG massgeblich beteiligt war, zählen unter anderem die Archhöfe in Winterthur, das Allmend-Stadion in Luzern sowie in Zürich die Siedlungen Hard Turm Park und Limmatwest. Letztere markierte den Wandel vom Zürcher Industriequartier zum Boomquartier Zürich-West. Und vom Boom in Zürich-West war es nicht mehr weit bis zum Bauboom der letzten Jahre im Limmattal. Dabei hatte und hat Halter vor allem in Schlieren und Dietikon die Finger im Spiel. Dazu später mehr.

Wiesen wichen Wohnungen

Altstetten war um die Wende zum 20. Jahrhundert noch umgeben von Feldern und Wiesen. Ein paar Fabrikgebäude standen bereits, wie ein Gemälde aus dem Jahr 1896 zeigt. Schon 1918 gab es Pläne für eine Eingemeindung ins wachsende Zürich. Doch diese liess bis 1934 auf sich warten. Wilhelm Halter nutzte die Zeit, um Land zu erwerben: So sammelte er in den ersten fünfzehn Geschäftsjahren fast 100 Hektaren Landreserven in Altstetten, wie der soeben erschienenen Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum der Firma zu entnehmen ist. Gleichzeitig entwickelte sich Altstetten nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Gegend, in der immer mehr gebaut wurde. Allein Halter erstellte zwischen 1922 und 1934 rund 1200 Wohnungen. Die Felder und Wiesen wichen Wohn- und Gewerbebauten.

Halter pflegte ein Geschäftsmodell, mit dem die Firma bis heute Erfolg hat: Der Baulöwe war stets schon da, als die Herde kam. Und er baute alles Mögliche, von Arbeiterhäuschen über die Druckereien des «Limmattaler Tagblatts» und des «Tagblatts der Stadt Zürich» bis hin zu Villen. Die Baufirma zählte Ende der 1920er-Jahre bereits gegen 100 Beschäftigte. Das Wachstum des werdenden Gross-Zürich brachte auch der lokalen Baubranche einen Modernisierungsschub: Motorisierte Bagger, Kräne und Lastwagen kamen auf. 1933 verkaufte Halter seine Pferde. Der Personalbedarf blieb hoch: Die Firma beschäftigte zahlreiche Gastarbeiter aus Norditalien, die sie in firmeneigenen Häusern unterbrachte.

Der Firmengründer Wilhelm Halter war von 1925 bis 1928 als Altstetter Gemeinderat und Finanzvorstand auch politisch aktiv. So ermöglichte er der Gemeinde 1926 den Kauf eines Grundstücks an der Badenerstrasse, um dort eine Tramstation für die Limmattalstrassenbahn zu erstellen. Bald entstand dort der Lindenplatz. Als Wilhelm Halter 1944 mit 53 Jahren einer Krankheit erlag, kam auch der katholisch-konservative Bundesrat Philipp Etter zur Trauerfeier.

Neue Zentren im Limmattal

Zeitsprung: 1987 übernimmt, acht Jahre nach dem frühen Tod seines Vaters Jost, der erst 26-jährige Balz Halter die Firmenleitung. Im Westen Zürichs gibt ein Industriebetrieb nach dem anderen die Produktion auf. Anfang der 1990er-Jahre ist auch die Immobilienbranche in der Krise. Doch Halter wittert eine Chance: Zusammen mit der Hardturm Immobilien AG entwickelt er auf dem Areal der ehemaligen Textilfirma Schoeller die Überbauung Limmatwest. Für deren Vermarktung setzt er auf die Werbeagentur Wirz. Limmatwest wird zur Marke – und Zürich-West gilt bald als Trendquartier. Halter verlagert den Firmensitz an die Hardturmstrasse, in eine weitere Neubausiedlung, die in Zusammenarbeit mit der Hardturm Immobilien AG entstand. Auch bei den Planungen für ein neues Fussballstadion, das das alte Hardturmstadion ersetzen soll, reichte Halter mehrfach Pläne und Ideen ein, kam aber nie zum Zug. Doch die Konkurrenz konnte ihre Hardturm-Stadionpläne bis heute ebenso wenig umsetzen.

Zum Zug kam Halter dann etwas weiter westwärts, und das in grossem Stil: Die Firma war und ist seit den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts an den Zentrumsentwicklungen von Schlieren und Dietikon beteiligt. In Dietikon baute sie ab 2008 auf dem Gelände der Traktorenfabrik Rapid das neue Quartier Limmatfeld mit Platz für gegen 3000 Bewohner und bis zu 1000 Arbeitsplätzen.

«Züri-West goes West» bewirbt Halter das neue Quartier. Und während der Bauboom im Westen Zürichs durch den Bau der Limmattalbahn neuen Schub erhalten könnte, hat sich Balz Halter für die weitere Entwicklung schon mal in Stellung gebracht: Er lancierte letztes Jahr die Limmatstadt AG, die als Standortförderer die ganze Region von Zürich bis Baden abdecken will. Halter ist ihr Verwaltungsratspräsident.

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