Tierwelt
Den Zürcher Stadtfüchsen gefällt es auf den Friedhöfen

Stadtzürcher Friedhöfe bieten einen idealen Wohnraum für Füchse und Rehe. Die lockere Erde der Gräber sei interessanter zum Spielen als eine Wurzelwiese.

Nicole Döbeli
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Stadtfüchse, die in Zürich leben, halten sich besonders gerne auf Friedhöfen auf. ho

Stadtfüchse, die in Zürich leben, halten sich besonders gerne auf Friedhöfen auf. ho

In mehreren Friedhöfen der Stadt Zürich weisen Schilder darauf hin, dass allfällige Schäden an Gräbern wahrscheinlich von Wildtieren und nicht von Vandalen stammen. Auch im Friedhof Manegg reagiert man so auf Reklamationen von Besuchern. Die grössten Übeltäter seien junge Füchse, sagt Gärtner Yannick Landolt.

Die lockere Erde der Gräber sei interessanter zum Spielen als eine Wurzelwiese. Ab und zu stossen die Gärtner bei der Neubepflanzung auch auf «verlorene» Gegenstände, wie beispielsweise einen seit sechs Monaten vermissten Handschuh. Es sei auch schon vorgekommen, dass sie verscharrte Beutetiere wie Hasen gefunden hätten - wohl von den Füchsen zwischengelagert.

Wildhüter Stefan Dräyer kennt das Problem, gross helfen kann er aber nicht. Wildtiere bräuchten zwei Dinge, sagt er: eine Wohnstube und ein Nahrungsangebot. Seien diese Voraussetzungen gegeben, zögen die Tiere ein, ob man es wolle oder nicht. «Eine Rosenknospe ist für ein Reh wie Vermicelles für einen Menschen.» Auf den Friedhöfen finden die Tiere ein reichhaltiges Angebot vor, an dem sie sich ohne grosse Hürden bedienen können. Auch die ruhige, respektvolle Atmosphäre und das Hundeverbot sagen den Wildtieren zu.

Fallen für die Katz

Manchmal komme er aber nicht um einen Abschuss herum, etwa wenn sich ein Tier verletze, sagt Dräyer. Doch im Normalfall plädieren die Wildhüter für ein harmonisches Zusammenleben. Die meisten Friedhofsbesucher freuen sich, wenn sie Rehen oder Füchsen begegnen, weiss Dräyer. Wobei auf den Friedhöfen auch weniger kuschelige Tiere wie Marder oder gar Schlangen zu Hause sind. Diese haben mit den Grabschäden aber wenig zu tun.

Als Massnahmen zur Vertreibung der Tiere bliebe laut Dräyer nur, die Friedhöfe unattraktiver zu machen, indem etwa die Abfalleimer täglich geleert und abgedeckt würden. Oder es wäre zu versuchen, die Tiere auszuschliessen, wenn sie sich an einen Futterplatz ausserhalb des Friedhofsgeländes begeben. Einen Friedhof könne man aber eigentlich nicht abriegeln. Besonders nicht, seit die Tore auch über Nacht unverschlossen bleiben. Tagsüber verstecken sich die Rehe in Hecken und die Füchse in ihrem Fuchsbau.

Für Fallen sind die Tiere zu schlau, wie Landolt erfahren musste. Der Versuch, Füchse mit Poulet-Stücken einzufangen, habe nichts gefruchtet: «In den Käfigen sassen am nächsten Morgen nur Katzen.» Im Friedhof Eichbühl ist die Situation ähnlich, auch wenn hier eher Rehe für Verwirrung sorgen.

Er habe lange gar nicht begriffen, warum die Rosen immer fehlten, erzählt ein Mitarbeiter. Eines Tages seien ihm dann aber die angeknabberten Knospen aufgefallen. Schlimm sei es vor allem im Winter. Auf Futtersuche wagen sich die Tiere aus dem Wald. Zwischendurch finde er Hufspuren oder gar richtige Fress-Schneisen auf den frischen Gräbern. Reklamationen seien bis jetzt aber wohl dank der Info-Tafeln keine eingegangen.

«Wie eine Wohnung»

Laut Lukas Handschin, Kommunikationsbeauftragter von Grün Stadt Zürich, geht es den meisten Friedhöfen so. Von den insgesamt 19 der Stadt befänden sich viele in Aussenquartieren in der Nähe von Wäldern. Die Wildtiere gehörten dazu.

Es sei jedoch wichtig, die Angehörigen zu informieren, um Irritationen zu vermeiden. Auch Dräyer hat Verständnis für verärgerte Besucher. Niemand freue sich, wenn ein teuer gewartetes Grab verwüstet werde. Aber man müsse sich arrangieren: «Ein Friedhof ist wie eine Wohnung in Zürich mit Seesicht.» Gehe ein Tier, komme sofort das nächste.