Zürich
Demonstration «Marsch fürs Läbe» wird von Gegendemonstration gestört

Der zehnte Marsch der Abtreibungsgegner musste in Zürich zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen gestoppt werden.

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Die Polizei drängt die Teilnehmer einer unbewilligten Gegendemonstration mit dem Wasserwerfer zurück. Bilder: Keystone

Die Polizei drängt die Teilnehmer einer unbewilligten Gegendemonstration mit dem Wasserwerfer zurück. Bilder: Keystone

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Die bewilligte Kundgebung «Marsch fürs Läbe» gegen Abtreibung am Samstagnachmittag in Zürich ist durch Teilnehmende einer unbewilligten Demonstration gestört worden.

Die Teilnehmenden des bewilligten Demonstrationsumzuges «Marsch fürs Läbe» versammelten sich gegen 14 Uhr auf dem Turbinenplatz. Gegen 15 Uhr formierten sich die über tausend Personen, um auf der bewilligten Route unter dem Motto «Danke, dass ich leben darf!» zu demonstrieren.

Kurz vor 14 Uhr versammelten sich auf der Josefswiese mehrere hundert Personen, um einen unbewilligten Gegendemonstrationsumzug zu starten. Die Polizei trat mit Dialogteams an beiden Orten auf, um mit den Teilnehmenden in Kontakt zu treten.

Gleichzeitig versammelten sich auf dem Helvetiaplatz mehrere hundert Personen; diese starteten gegen 15 Uhr zu einer bewilligten Demonstration. Die Juso protestierten damit friedlich gegen den «Marsch fürs Läbe».

Wurfgegenstände im Kinderwagen

Den Teilnehmenden auf der Josefswiese wurde derweil mitgeteilt, dass ihre unbewilligte Demonstration nicht geduldet, eine Kundgebung auf der Wiese aber toleriert würde. Trotzdem setzten sich kurz nach 14.15 Uhr mehrere hundert Personen in Bewegung und marschierten in Richtung Turbinenplatz. Die Teilnehmenden waren zum Teil mit Kinderwagen unterwegs, in denen sich Wurfgegenstände befanden, wie die Polizei schreibt.

Um die unbewilligte Demonstration zu stoppen und ein Aufeinandertreffen dieser mit dem «Marsch fürs Läbe» zu verhindern, setzte die Polizei Gummischrot und Reizstoff ein. Die Polizisten wurden an verschiedensten Orten mit Wurfgegenständen wie Flaschen und Steinen beworfen. Mehrere kleinere Gruppierungen versuchten, an den Polizeisperren vorbeizukommen.

Gleichzeitig zündeten unbekannte an mehreren Orten Container an und blockierten einzelne Strassenzüge mit Baustellenmaterial. Die Feuerwehrleute von Schutz & Rettung Zürich wurden bei den Löscharbeiten teilweise angegriffen und behindert.

175 Personen kontrolliert, ein Mann festgenommen

Die Polizei stoppte den bewilligten «Marsch fürs Läbe» aus Sicherheitsgründen, um ein Aufeinandertreffen mit zum Teil vermummten Gegendemonstranten zu verhindern. Der bewilligte Umzug konnte gegen 15.45 wieder gestartet und auf einer verkürzten Route kurz nach 16.30 Uhr ohne weitere Zwischenfälle zu Ende geführt werden.

Ab zirka 16.45 Uhr stoppte die Stadtpolizei Zürich total 175 Personen im Kreis 5, die mutmasslich an der unbewilligten Demonstration teilgenommen hatten. Diese Personen wurden kontrolliert. Die Personenkontrolle wurde kurz nach 18.30 Uhr abgeschlossen. Ein 30-jähriger Mann wurde wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte festgenommen.

Trotz den Krawallen rund um ihren Umzug zogen die Abtreibungsgegner nach Abschluss ihres Anlasses eine positive Bilanz: «Unter grossem Polizeischutz zogen die friedlichen Lebensschützer durch die Strassen Zürichs und sensibilisierten dafür, dass bis zu 90 Prozent der Kinder mit Down Syndrom inzwischen nicht mehr zur Welt kommen dürfen», heisst es in einer Medienmitteilung. Mehrfach sei an das erinnert worden, was in der Präambel der Schweizer Bundesverfassung festgehalten sei: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.» Der zehnte «Marsch fürs Läbe» habe den Schwächsten am Samstag in Zürich eine Stimme verliehen.

Juso kritisieren den Polizeieinsatz

Die Juso halten den «Marsch fürs Läbe» nicht für eine Meinungskundgebung, wie Co-Präsidentin Anna Luna Frauchiger an der bewilligten Gegendemo sagte. «Das ist Sexismus, Homophobie und Queerfeindlichkeit.»

Frauchiger kritisierte zudem, dass die Polizei auf die unbewilligte Demo mit einem «völlig unverhältnismässigen Gewalteinsatz» reagiert habe. Auch wenn die Juso nicht an dieser Protestaktion beteiligt gewesen seien, könne es nicht sein, dass «christliche Fundamentalisten mitten in Zürich ihre Hetze verbreiten können». Deshalb seien beide Formen von Proteste vom Samstag gegen den «Marsch fürs Läbe» legitim und wichtig. (sda/liz)