Abstimmung

Das Zürcher Volk schiesst die Jagdinitiative ab

Vertrauen in die Milizjagd: Das Volk im Kanton Zürich will nichts wissen von professionellen Wildhütern wie im Kanton Genf. (Symbolbild)

Vertrauen in die Milizjagd: Das Volk im Kanton Zürich will nichts wissen von professionellen Wildhütern wie im Kanton Genf. (Symbolbild)

 Das Volk will die Jäger im Kanton Zürich nicht durch Profi-Wildhüter ersetzen. Die Jagdinitiative fiel wie erwartet in Stadt und Land durch – das Resultat war dennoch deutlicher als erwartet.

Da im Vorfeld keine einzige Partei für die Jagdinitiative «Wildhüter statt Jäger» eingestanden war, kommt das Nein an der Urne nicht überraschend. Trotzdem hat niemand ein so deutliches Resultat erwartet: 83,86 Prozent der Stimmenden lehnten sie ab. Das entspricht 294 595 Nein. Ja sagten 56 709 Personen.

Keine einzige Gemeinde im Kanton stimmte Ja. In den grossen Städten, wo am ehesten Zustimmung zu erwarten gewesen wäre, kam die Initiante ebenfalls nicht gut an. In sämtlichen Wahlkreisen der Grossstädte Zürich und Winterthur fiel sie durch. In Zürich gab es immerhin 20,27 Prozent Ja, wobei der Kreis 12 (Schwamendingen) mit 23,18 Prozent am höchsten kam. In Winterthur beträgt der Ja-Anteil 18,53 Prozent. Unter den Bezirken weist Andelfingen mit 11,64 Prozent den geringsten Ja-Anteil auf. In der Gemeinde Aesch (bei Birmensdorf) erreichte die Initiative 8,39 Prozent Ja.

Initiative sei nicht tierschutzgerecht

Baudirektor Markus Kägi (SVP), selber Jäger, erklärt sich das Resultat so: Die Bevölkerung habe durchschaut, dass die Initiative nicht tierschutzgerecht sei. Würde man den Wildbestand mehr oder weniger sich selber überlassen, wie es die Initianten wollten, würden Bauern und Förster Felder und Wälder einzäunen, sodass sich die Wildtiere in der Natur noch weniger frei bewegen könnten.

Die Jagd sei im Kanton Zürich bestens organisiert und kostengünstig. Die Jäger zeigten ein grosses Engagement, indem sie zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrückten, um die durch den Verkehr verletzten Tiere zu bergen.

Ausserdem wartete der Baudirektor mit einer Neuigkeit zur geplanten Jagdschiessanlage in Bülach auf: Das Bundesgericht habe am letzten Freitag eine Beschwerde gegen den Gestaltungsplan abgewiesen, so dass es dort vorwärts gehen könne. Allerdings sind auch Einsprachen gegen den nächsten Schritt, die Baubewilligung, möglich.

Die Jagdschiessanlage in Bülach kostet rund 20 Millionen. Sie soll die Anlage in Embrach ersetzen, die umwelttechnisch schon lange in der Kritik steht — zu Recht, wie der Baudirektor und die Jäger sagen. Deren Sanierung kostet ebenfalls mehrere Millionen Franken.

Jäger gingen in die Offensive

Erleichtert und zugleich überrascht über das klar Ergebnis zugunsten der Jäger zeigte sich Christian Jaques, Präsident des Vereins Jagd Zürich. Zum Glück hätten die Jäger die Initiative von Anfang an sehr ernst genommen und seien in die Offensive gegangen. Dabei sei es gelungen, die Arbeit der Jäger zu erklären. Jaques bestätigte ein, dass die Jäger gegen die Initianten ein relativ leichtes Spiel hatten. So habe man befürchtet, dass die Jagdgegner mit unsachlichen, emotionalen Bildern Stimmung machen würden. Dies habe sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Initianten geben nicht auf

Mitinitiantin Marianne Trüb, ehemalige SP-Kantonsrätin, bedauert die Niederlage. Es sei nicht gelungen, die Argumente der Jagdgegner an die Frau und den Mann zu bringen. Man sei in Zeitnot geraten, weil der Kanton die Initiative früher als erwartet zur Abstimmung gebracht habe. Auf die Frage, weshalb die Jagdgegner nicht versuchten, die Naturschützer ins Boot zu holen, sagte Trüb: «In diesen Vereinen sitzen oft auch Jäger.» Es sei schwierig, hier etwas auszurichten.

Ans Aufgeben denkt Trüb aber nicht: Die Jagdschiessanlage Bülach sei keine gute Lösung, weshalb man sie bekämpfe. Und gegen das neue Jagdgesetz, das derzeit in einer Kantonsratskommission beraten wird, werde man bei Bedarf das Referendum ergreifen.

Um die Initiative umzusetzen, hätte der Kanton laut Regierung 80 bis 90 staatliche Wildhüter anstellen müssen – mit Kostenfolgen von 20 bis 30 Millionen Franken jährlich.

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