Abstimmung

Das Zürcher Stimmvolk will keine Sonderbehandlung für Filmer und Gamer

Mit einem «Film- und Medienförderungsgesetz» wollten sich Filmschaffende und die Swiss Game Developers Association einen jährlichen, staatlich finanzierten Beitrag sichern. Im Bild zwei Gamer an der Zürich Game Show.

Mit einem «Film- und Medienförderungsgesetz» wollten sich Filmschaffende und die Swiss Game Developers Association einen jährlichen, staatlich finanzierten Beitrag sichern. Im Bild zwei Gamer an der Zürich Game Show.

Die Film- als auch die Gamebranche sollten in Zukunft auch einen jährlichen, staatlich finanzierten Beitrag erhalten. Dies wurde abgelehnt und die Gameentwickler gehen weiterhin leer aus.

Es ist ein klares Resultat. 81 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten sagten gestern Nein zur Volksinitiative für ein «Film- und Medienförderungsgesetz». In allen Gemeinden wurde die Vorlage verworfen – am deutlichsten in Buch am Irchel im Bezirk Andelfingen mit einem Nein-Anteil von 94,5 Prozent.

Am ehesten vermochte die Initiative noch in der Filmhauptstadt Zürich zu überzeugen. Am Standort der Zürcher Hochschule der Künste im Kreis 5 warfen immerhin 46,5 Prozent ein Ja in die Urne. Die Stimmbeteiligung lag bei 39 Prozent.

Im Vorfeld hatten sich Kantons- und Regierungsrat gegen die Initiative ausgesprochen. Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) zeigte sich gestern erfreut, aber nicht euphorisch: «Es ist ein klares Bekenntnis zu unserer bisherigen Kulturpolitik, welche die Vielfalt fördert und nicht eine einzelne Sparte privilegiert.»

Fehr sagte, es wäre nun aber falsch, das Resultat als Kritik am heimischen Filmschaffen zu verstehen. «Filme, die sich mit unserer eigenen Realität auseinandersetzen, leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.»

Die Forderungen der Verlierer

Simon Hesse, Initiant und Co-Präsident des Vereins Zürich für den Film, gab sich trotz deutlicher Niederlage kämpferisch. «Wir fordern nun, dass mit dem kommenden Lotterie- und Sportfondsgesetz die längst fällige Gesetzeslücke geschlossen und für sämtliche Kultursparten die dringend benötigte Planungssicherheit geschaffen wird.» Es liege jetzt am Kantonsrat, die Interessen aller Kultursparten gebührend zu berücksichtigen und insbesondere die Medienkunstformate ausgewogen und angemessen zu fördern.

Hesses Kampfeslust ist nicht unbegründet. Denn schon in wenigen Monaten wird der Zürcher Regierungsrat ein neues Lotteriefondsgesetz vorlegen. Das Parlament muss dann darüber entscheiden, mit welchen Mitteln und in welchem Umfang die Kultur im Kanton Zürich gefördert werden soll.

Laut Jacqueline Fehr steht noch nicht fest, wie der Regierungsrat das neue Gesetz ausgestalten will. Möglich wäre, die Kultur weiterhin mit Geldern aus dem Lotteriefonds zu unterstützen – allenfalls aus einem separaten Kulturfonds, ähnlich dem Sportfonds. Zur Debatte könnte auch wieder eine staatliche Finanzierung oder eine Mischung aus beidem stehen.

Fehr sagte, es sei noch unklar, welche Variante die Regierung bevorzuge. «Fest steht nur, dass wir die Kulturförderung im gleichen finanziellen Umfang weiterführen wollen.»

Seit 2016 erhalten kulturelle Institutionen Geld aus dem Lotteriefonds. Jährlich werden aus diesem Topf 23 Millionen Franken verteilt. Davon fliessen 4,65 Millionen Franken in die Zürcher Filmstiftung – drei Millionen mehr als vor einem Jahr. Mit den Fördermitteln konnten unter anderem «Flitzer», «Ausfahrt Oerlikon», «More than Honey» oder auch kleinere einheimische Produktionen realisiert werden.

Andere Sparten erhalten weniger Geld. In die Literatur gehen 2,4 Prozent der 23 Millionen, in die Kulturprogramme der Gemeinden 5,2 Prozent, in die Musik 13,1 Prozent.

Gamer bekommen gar nichts

Mit einem «Film- und Medienförderungsgesetz» wollten sich Filmschaffende und die Swiss Game Developers Association einen jährlichen, staatlich finanzierten Beitrag sichern. Geld aus dem Kantonsbudget bekommen heute nur das Opernhaus Zürich, das Theater Kanton Zürich und die Fachstelle Kultur.

Der Filmbranche ist die Unterstützung mit Mitteln aus dem Lotteriefonds zu unsicher. Gameentwickler erhalten heute gar nichts.

Politiker von Links bis Rechts sind sich einig, dass Zürich ein bedeutender Standort für Spieleentwicklung und audiovisuelle Produktionen ist und dieser Industriezweig ebenfalls gefördert werden muss, um gegen die Konkurrenz aus dem Ausland zu bestehen.

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