Obwohl die Verfahrensart noch nicht bestimmt ist, hat das Konkursamt Zürich-Oerlikon einen Notverkauf eingeleitet. Damit kann das Konkursamt noch vor Bestimmung der Verfahrensart und vor Ablauf einer allfälligen Eingabefrist Konkursaktiven "nach unserem freien Ermessen gesamthaft oder einzeln freihändig verkaufen", wie es in der Ausschreibung im Handelsamtsblatt heisst.

Wie vom Gesetz vorgeschrieben wurde das bisher höchste Angebot publiziert. In seinem "verbindlichen Kaufangebot" bietet Roger Schawinski insgesamt 784'534 Franken für die Übernahme der Infrastruktur und der Konzession von Radio 105.

240'000 Franken will er für die UKW-Konzession, 10'000 Franken für die Sendeanlagen und 534'534 Franken für die ausstehende Miete bis zum Ende der Vertragszeit per 30. September 2016 zahlen.

Zudem ist der Radio-1-Besitzer bereit, mindestens 8 Mitarbeiter des bisherigen Teams von Radio 105 zu übernehmen - und zwar zu Bedingungen, die mindestens 80 Prozent der bisherigen Konditionen entsprechen. Laut der Ausschreibung im Handelsamtsblatt beträgt der Bruttojahreslohn 48'400 Franken.

Katze im Sack kaufen

Mit Risiken behaftet ist der Kauf der bis 2019 befristeten UKW-Konzession. Sollte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Konzessionsübertragung an einen neuen Besitzer verweigern, verfällt die Zahlung von 240'000 Franken dennoch zugunsten der Konkursmasse, wie es in der Ausschreibung im Handelsamtsblatt heisst. Die Konkurrenten kaufen quasi die Katze im Sack.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat allerdings bereits signalisiert, dass es eine "nachhaltige Lösung im Rahmen einer Konzessionsübertragung an einen leistungsfähigen Bewerber" unterstütze.

Andere können mitbieten

Ob Schawinski den Zuschlag definitiv erhält, ist noch offen. Für den Kauf der Konzession und die Anlagen von Radio 105 gibt es weitere fünf Mitbewerber, darunter der TV-Sender Joiz und Radio Energy des Ringier Verlages. Diese haben nun bis Samstag Zeit, beim Konkursamt Zürich-Oerlikon höhere Angebote einzureichen.

Damit ein anderer Interessent berücksichtigt wird, muss das Angebot mindestens 15'000 Franken höher sein. Sollte einer der Interessenten tatsächlich mehr bieten, hat Schawinski die Möglichkeit, ohne Kenntnis der Höhe des höheren Angebotes, ein weiteres einmaliges Angebot abzugeben.

"Demjenigen, der nach Ablauf der Publikationsfrist das höchste Angebot gemacht hat, werden die Konkursaktiven veräussert", schreibt das Konkursamt.

Die bisherige Radio-105-Betreiberin Music First Nework AG hatte am 14. Januar den Konkurs angemeldet. Roger Schawinski war danach der erste, der mit einem konkreten Rettungskonzept für den Jugendsender an die Öffentlichkeit gelangte. Das Programm von Radio 105 soll in Zukunft im Studio von Radio 1 produziert werden.