Zürich Albisrieden

Das Vorzeigeprojekt mit über 800 Wohnungen hat ein Anschlussproblem

Das Freilager-Areal mit seinen über 800 Wohnungen gilt als ökologisch vorbildlich. Einen kleinen Schönheitsfehler hat es jedoch: Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist noch nicht optimal.

Die Überbauung auf dem ehemaligen Zollfreilager-Areal in Zürich Albisrieden ist so gut wie fertiggestellt. Im Dezember werden die letzten Arbeiten früher als ursprünglich geplant abgeschlossen. Heute fand die Einweihungsfeier statt.

Rund 80 Prozent der 800 Wohnungen sind bereits vermietet, die 200 Zimmer für Studierende sind alle belegt. Auf dem Areal ist in den letzten drei Jahren ein neues Quartier mit imposanten Dimensionen entstanden. Auf dem rund 10 Fussballfelder grossen Gebiet gibt es nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeflächen, einen Supermarkt, ein Restaurant und eine Kinderkrippe. Am auffälligsten sind die drei 12, beziehungsweise 13 Geschosse hohen Hochhäuser an der Rautistrasse. Nicht weniger als «ein neuer Kern von Albisrieden» sei hier entstanden, sagte Ernst Schaufelberger, Verwaltungsratspräsident der Zürcher Freilager AG und Leiter Immobilien bei der Mehrheitsaktionärin Axa Winterthur. Stadtrat André Odermatt (SP) lobte das Freilager als Vorzeigeprojekt. Nicht nur, was die Nachhaltigkeit betrifft, sondern auch mit Blick auf die Durchmischung. Gebaut wurden sowohl grössere Wohnungen für Familien, als auch kleinere für Paare und Singles. Ein Teil der Wohnungen wird vergünstigt an Personen mit geringem Einkommen vermietet. Subventionen von der Stadt gibt es dafür keine.

Wärme stammt tief aus dem Boden

Die Bauherrschaft konnte gestern das 2000-Watt-Zertifikat für das Areal in Empfang nehmen. In den Bereichen Umweltverträglichkeit und Energieverbrauch wurde vieles vorbildlich gelöst. So hat man beispielsweise über 200 Erdsonden 200 Meter tief im Boden versenkt. Im Winter wird mit der so bezogenen Energie geheizt und Warmwasser aufbereitet. Im Sommer werden die Sonden genutzt, um die Abwärme eines nahegelegenen Rechenzentrums abzuführen.
In einem Punkt jedoch bestehen noch Verbesserungsmöglichkeiten: Die über 2000 Bewohnerinnen und Bewohner des Areals haben weder Bus noch Tram direkt vor der Haustür.

Von der nächstgelegenen Haltestelle aus fährt unter anderem ein Bus in Richtung Bahnhof Altstetten. «Die Erschliessung durch die VBZ ist zwar bereits etwas verbessert worden, aber es besteht noch mehr Potenzial», räumte Schaufelberger ein. «Immerhin sind die Schienen zum Bahnhof Altstetten noch da, vielleicht werde ich ja nach meiner Pensionierung Schienenbus-Chauffeur.» Der Vorschlag, diese Gleise zu nutzen, wurde tatsächlich bereits geprüft, aus verschiedenen Gründen aber wieder verworfen. In Stein gemeisselt ist die öV-Situation natürlich nicht. In der Umgebung des Freilagers sind weitere grosse Bauprojekte in Planung, unter anderem ein neues Schulhaus.

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