Zürich
Das Volk stimmt über ein Alkohol-Werbeverbot bei Sportveranstaltungen ab

Abstimmung Das Blaue Kreuz will Alkoholwerbung an Sportveranstaltungen im Kanton Zürich verbieten. Am 18. Mai entscheiden die Stimmberechtigten darüber.

Matthias Scharrer
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Das Blaue Kreuz will Alkoholwerbung an Sportveranstaltungen im Kanton Zürich verbieten. Am 18. Mai entscheiden die Stimmberechtigten darüber.

Das Blaue Kreuz will Alkoholwerbung an Sportveranstaltungen im Kanton Zürich verbieten. Am 18. Mai entscheiden die Stimmberechtigten darüber.

Keystone

Für die einen gehört ein Bier bei Sportveranstaltungen einfach dazu. Für die anderen sind Sport und Alkohol schlicht nicht vereinbar – und gerade die durch Werbung suggerierte Zusammengehörigkeit sei ein Hohn für alle Präventionsbemühungen. Die anderen, das sind im aktuellen Fall das Blaue Kreuz Zürich und alle, die seine Volksinitiative unterschrieben haben. Sie fordert, dass Werbung für alkoholische Getränke auf Sportplätzen sowie an Sportveranstaltungen im Kanton Zürich verboten wird.

Falls die Kantonalzürcher Stimmberechtigten dem am 18. Mai zustimmen, hofft das Blaue Kreuz auf Nachahmer: «Bei einem Erfolg hätte die Initiative sicher Ausstrahlung auf andere Kantone», sagt Henrik Viertel vom Blauen Kreuz Zürich. Geplant sei zwar noch nichts. Aber: «Es ist durchaus denkbar, dass Suchtverbände in anderen Kantonen folgen.» Bislang sei lediglich im Kanton Bern mit einer Petition ein Alkohol-Werbeverbot angeregt worden.

Gesetzeslücke schliessen

Aus Sicht des Blauen Kreuzes ist der schädliche Einfluss von Alkoholwerbung insbesondere auf Kinder erwiesen. Zudem komme es infolge von Alkoholkonsum an Sportveranstaltungen immer wieder zu Ausschreitungen. Mit der Initiative will der christliche Verein, der sich dem Kampf gegen Alkoholprobleme widmet, eine Gesetzeslücke schliessen. Werbung für Spirituosen ist im Sport in der Schweiz verboten. Für andere alkoholische Getränke ist sie teilweise erlaubt.

Gemäss Zürcher Gesundheitsgesetz ist Plakatwerbung und andere «weiträumig wahrnehmbare Werbung» für Alkoholika auf öffentlichem Grund und in öffentlichen Gebäuden verboten. Zudem ist jede Form von Alkoholwerbung an Veranstaltungen, die hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen besucht werden, unzulässig.

Den Befürwortern der Initiative gehen diese seit 2007 geltenden Vorschriften nicht weit genug. Auch werde ihre Umsetzung zu nachlässig gehandhabt. Ein Dorn im Auge ist ihnen vor allem die Trikotwerbung für Bier, wie sie im Eishockey verbreitet und durch Fernsehübertragungen auch weiträumig wahrnehmbar ist.

In der Zürcher Politlandschaft steht das Blaue Kreuz mit seiner Verbotsforderung fast allein da. Von den Parteien vertritt nur die EDU die Ja-Parole. Im Kantonsrat scheiterte das Alkohol-Werbeverbot mit 146 zu 14 Stimmen. Auch der Zürcher Regierungsrat lehnt es ab, ebenso der Zürcher Kantonalverband für Sport.

In der Kantonsrats-Debatte versprach Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) bis Mitte 2014 einen «klaren Effort im Vollzug» der geltenden gesetzlichen Einschränkungen von Alkoholwerbung – zunächst mit Briefen an Gemeinden und Sportveranstalter, dann mit vermehrten Kontrollen und Sanktionen. So liessen sich die Anliegen der Initianten auch mit dem schon heute geltenden Gesetz erfüllen.

Ein völliges Alkohol-Werbeverbot bei Sportveranstaltungen hätte hingegen das Aus für zahlreiche Breitensport-Anlässe zur Folge, argumentieren die Gegner der Initiative. Dabei würden gerade Sportvereine bei Jugendlichen einen wichtigen Beitrag zur Suchtprävention leisten.