Kommentar
«Das Volk» kann nicht alles

Der Kantonsrat empfiehlt die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» zur Ablehnung.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Streitpunkt Schule: Soll das Volk bei Lehrplanänderungen das letzte Wort haben, wie dies die SVP fordert. Die Mehrheit der Parteien findet: Nein. (Symbolbild)

Streitpunkt Schule: Soll das Volk bei Lehrplanänderungen das letzte Wort haben, wie dies die SVP fordert. Die Mehrheit der Parteien findet: Nein. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone

Das Volk solle über den neuen Lehrplan entscheiden. Schliesslich heisse es ja auch «Volksschule», argumentierte gestern ein Lehrer aus den Reihen der Schweizerischen Volkspartei (SVP) für deren Volksinitiative «Lehrplan vors Volk». Etwas viel Volk auf einmal. Nur, wer oder was ist «das Volk»? Und: Kann «das Volk» alles, etwa auch Lehrpläne für die öffentliche Schule festlegen? Zur ersten Frage: Das Volk sind in diesem Fall die Stimmberechtigten des Kantons Zürich. Man beachte den Wechsel vom Singular in den Plural. Das Volk sind also viele. Verschiedene. Menschen.

Und der Lehrplan? Konkret: Der Lehrplan 21, den die SVP mit ihrer Initiative bekämpfen will? Auch er besteht aus einer Vielzahl von Inhalten. Manche davon, etwa Sexualkunde, kompetenzorientiertes Lernen, Gleichstellungs- und Nachhaltigkeitsziele, sind umstritten. Andere sind so selbstverständlich, dass niemand darüber redet. Fest steht: Seine Einführung ab nächstem Jahr bringt Neues. Neues verunsichert. Aber es wäre falsch, deswegen das Neue zu blockieren.

Die Gefahr einer Blockade entstände, wenn das Volk über den Lehrplan zu entscheiden hätte. Zu befürchten wäre ein endloses Hin und Her zwischen Bildungsrat, Regierungsrat, Kantonsrat und Volk, während dessen die Schule sich nur ungenügend an den rasanten gesellschaftlichen Wandel anpassen könnte, den wir erleben. Es ist daher besser, wenn die von den Volksvertretern im Kantonsrat gewählten Bildungsräte jeweils den Lehrplan überarbeiten. Damit die Schule nicht stagniert.