Zürich
Das Tram über die Hardbrücke ist aufgegleist

Die Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (KEVU) des Zürcher Kantonsrats spricht sich mehrheitlich für den Kantonsbeitrag an das "Tram Zürich West" aus.

Oliver Graf
Merken
Drucken
Teilen
Bald soll eine Tramlinie als Verlängerung der Linie 8 vom Hardplatz bis zum Escher-Wyss-Platz führen (Archivbild).

Bald soll eine Tramlinie als Verlängerung der Linie 8 vom Hardplatz bis zum Escher-Wyss-Platz führen (Archivbild).

Keystone

Ab Dezember 2017 soll die Tramlinie 8 nicht mehr am Hardplatz enden. Das Tram soll vielmehr auf die viel befahrene Hardbrücke fahren und diese - nach einem Halt beim S-Bahnhof Hardbrücke - wieder verlassen und zum Escher-Wyss-Platz verkehren. Damit werde eine «wichtige neue innerstädtische Verbindung geschaffen», sagt Ruedi Lais, SP-Kantonsrat und Präsident der Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu).

Die Kevu hat sich für das 130-Millionen-Projekt ausgesprochen. Einzig die SVP-Vertreter haben sich in der Fachkommission gegen die Vorlage ausgesprochen. Wie bereits im Zürcher Gemeinderat, der sich bereits im März 2013 mit der neuen Zürcher Tangentialverbindung befasst hatte, kritisiert die SVP neben den Kosten insbesondere die «Behinderung des Autoverkehrs».

Zweimal über die Strasse

Denn das Tram soll zwar auf der Hardbrücke in den vom Individualverkehr abgetrennten Fahrspuren der Trolleybusse geführt werden - doch werden die oft im Siebeneinhalb-Minuten-Takt verkehrenden Trams in jeder Richtung einmal die gesamte Strasse queren müssen. Einmal auf Höhe Hardplatz, einmal in der Mitte der Hardbrücke.

Der Autoverkehr werde so immer wieder unterbrochen und blockiert, die Kapazität werde massiv reduziert, glaubt die SVP. In der Debatte im Zürcher Gemeinderat hatte Roland Scheck (SVP) erklärt, dass «der rot-grüne Stadtrat die wichtige Achse Hardbrücke mithilfe des Trams absichtlich lahmlegen» wolle.

Die Leistungsfähigkeit des motorisierten Individualverkehrs könne «mit der Anordnung von Lichtsignalanlagen und den Gleisquerungen wie heute beibehalten werden», sagte indes der Zürcher Stadtrat. Und auch der Regierungsrat spricht nun in seinem Antrag davon, dass der Verkehrsfluss gewährleistet bleibe.

Die Gesamtkosten für das Projekt sind hoch: Es wird mit Ausgaben von insgesamt 129,6 Millionen Franken gerechnet. Davon entfallen auf die eigentliche Tramverbindung (inklusive aller weiteren Anpassungen auf und neben der Hardbrücke) 101,2 Millionen. Die weiteren 28,4 Millionen Franken sind für verschiedene Anpassungen am Bahnhof Hardbrücke eingestellt.

Ausbau des Bahnhofs

An diesem S-Bahnhof steigen heute an Werktagen rund 45 000 Personen ein und aus. Angesichts der Gebietsentwicklung im Raum Zürich-West ist davon auszugehen, dass dieser Knoten weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die bestehenden Zugangstreppen, die von den Haltestellen der Trolleybuslinien 33 und 72 zu den Perrons hinunterführen, sind bereits stark ausgelastet. Hält ab Dezember 2017 auch noch das Achter-Tram auf der Brücke, sind die Abgänge zu klein bemessen. Deshalb ist unter anderem vorgesehen, zusätzliche Treppen zum Mittelperron zu erstellen, um die Personenflüsse zu verbessern.

Von Verkehrsplanern wird die geplante neue Tramverbindung als wichtige Tangentialverbindung bezeichnet. Die Linie 8 über die Hardbrücke, die bis ins Werdhölzli verlängert wird, führt nicht mitten durchs Zentrum. Sie kann somit den Raum Hauptbahnhof entlasten. Zudem bietet sie schnellere Verbindungen ab dem Raum Stauffacher/Paradeplatz an.

Im Kantonsrat dürfte die Kreditvorlage angesichts des klaren Vorentscheids der zuständigen Fachkommission durchkommen (im Stadtzürcher Parlament wurde das Projekt bei ähnlicher Ausgangslage mit 95 zu 22 Stimmen gutgeheissen). Es ist davon auszugehen, dass sich der Bund zu 35 Prozent an den Kosten beteiligen wird (45,4 Millionen Franken). Die Stadt soll 7,8 Millionen beisteuern, der Kanton 76,4 Millionen.