Zürich

Das Theater für behinderte Menschen hat eine Lösung gefunden: Verein übernimmt Hora-Ausbildung

Das Hora-Ensemble bei den Proben m Januar mit dem damaligen Theaterleiter Michael Elber.

Das Hora-Ensemble bei den Proben m Januar mit dem damaligen Theaterleiter Michael Elber.

Weil das Hora-Ensemble voll besetzt ist, schafft nun eine Elterngruppe Arbeitsplätze für Behinderte.

Das Theater Hora sorgt für Schlagzeilen. Jüngst ausnahmsweise für Negative: Die europaweit einzigartige Schauspielausbildung, die das Theater für behinderte Menschen anbietet, wird bis ins Jahr 2020 gestoppt. Wäre es nicht Hora, wäre die Geschichte hier möglicherweise zu Ende. Wohl aber wegen dieser für Hora bezeichnenden «Lust am Scheitern», wie es der ehemalige Hora-Leiter Michael Elber zu sagen pflegte, gibt es für die sieben Menschen, deren Ausbildungsplatz gestrichen wurde, nun eine Anschlusslösung. Möglich macht dies eine private Elterngruppe rund um den Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach, deren Kinder vom Ausbildungsstopp zum «Praktiker oder Praktikerin (PrA) Schauspielerei» direkt betroffen sind.

Aktiv wurden die Gruppe, als beim Züriwerk der Paukenschlag erfolgte. Ende April gab die Stiftung die Sistierung der einzigartigen Ausbildung für Menschen mit Behinderung bekannt. Als Grund nannten die Verantwortlichen die Überbesetzung des Zürcher Ensembles und den begrenzten Platz der Ausbildungsstätte in den Räumen der Roten Fabrik am Zürichsee. In der Folge wurden sieben Ausbildungsplätze gestrichen, der Ausbildungsleiter Urs Beeler entlassen.

Gesellschaft in der Pflicht

Laut Reto Fausch, Direktor der Stiftung Züriwerk, gibt es für das Theater Hora derzeit noch keine andere Lösung: «Der Ausbildungslehrgang musste abgesagt werden, weil es eine direkte strukturelle Abhängigkeit zwischen freien Lehrlingsplätzen und der Ensemblegrösse gibt.» Zwar sei das Modell innovativ, aber das Angebot und die Nachfrage seien nicht mehr im Gleichgewicht. «Es gibt nach wie vor keine konkreten Anstellungsangebote für beeinträchtige Schauspielende in regulären Theaterbetrieben. An dieser Situation hat sich auch nach zwei Monaten nichts verändert», sagt Fausch weiter.

Ab kommendem Herbst wolle man die Organisationsentwicklung überprüfen. Die Gründung eines weiteren Hora-Ensembles aber schliesst Fausch aus. «Die daraus resultierende Aufblähung des Betriebs wäre keine Lösung für eine Fragestellung, die letztlich auch eine gesamtgesellschaftliche ist», sagt der Züriwerk-Direktor weiter. Wie Menschen mit Beeinträchtigung vermehrt in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden können, läge nicht alleine in der Verantwortung des Theater Hora. «In der Pflicht wären auch andere Kultur- oder Ausbildungsbetriebe, private Initianten oder die Politik», so Fausch. Es müsste ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden, potenzielle Arbeitgeber oder Ausbildungsstätten müssten intensiver unterstützt werden, wenn sie sich für Menschen mit Beeinträchtigung öffnen.

Die vom Ausbilungsstopp betroffenen Familien sehen ihre gesellschaftliche Pflicht offenbar. Derzeit erarbeite man laut Angélique Flach die Statuten. «Zwischen sechs und acht Jugendliche finden ab dem 20. August in unserem Verein einen Arbeitsplatz», sagt sie. Ihr Sohn Vincent, der im Herbst seine Ausbildung am Theater Hora in Angriff genommen hätte, sorgte diese Woche mit seiner Unterschriftensammlung für die Initiative «Mach Theater» medial für Aufmerksamkeit. Und der Kämpfergeist der Familie Flach trägt nun erste Früchte.

Die Vereinsleitung ist noch in der Aufbauphase. Die Ausbildungsleitung übernimmt dann auch niemand geringerer als das ehemalige Ausbildungsteam des Theater Hora, Urs Beeler, Tonia Bollmann und Britta Halperin. Die Raumsuche ist laut Flach im Gange. Die Vereinsstätte solle wenn möglich im Raum Zürich bleiben. «Unser Verein bietet keine praktische Ausbildung an, wir versuchen aber für Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz zu schaffen», so Flach. Als Verein konstituiere man sich, damit man neben der privaten Finanzierung auch Spendengelder annehmen könne. Deshalb ruft die Gruppe aktiv zur Unterstützung auf.

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