Steuern
Das Steueramt ist die bessere Bank

Auf das, was dem Steueramt vor Ende September überwiesen wird, gibt es 1,5 Prozent Zins – mehr als auf jedem Bankkonto. Entsprechend beliebt ist Steuernzahlen momentan.

Thomas Marth
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Alle Jahre wieder: Steuererklärung ausfüllen und Steuern zahlen.

Alle Jahre wieder: Steuererklärung ausfüllen und Steuern zahlen.

Keystone

Bis Ende September müssen die Steuern für das laufende Jahr bezahlt sein. Die Gemeindesteuerämter sind dabei, die Rechnungen zu verschicken – die einen früher, die anderen später. Von Gesetzes wegen muss die Rechnung bis Ende Mai beim Steuerpflichtigen angekommen sein.

In Erlenbach zum Beispiel gehen die Couverts bereits Ende Februar auf die Post, eklärt Rolf Walther. Er ist Steuersekretär in der Zürichsee-Gemeinde und Präsident des Verbandes der Gemeindesteuerämter des Kantons Zürich. Die Tendenz sei unverkennbar, dass die Steuern schneller einbezahlt würden als früher, hält er fest.

Kein Wunder, mit 1,5 Prozent Zins ist Steuernzahlen im Kanton Zürich eine gute Anlage; auf Sparkonten bei der Bank liegt die Vergütung derzeit nahe Null. Der Steuerzins wird auf die Zeitspanne bis Ende September berechnet, wenn die Steuer für das laufende Jahr einbezahlt sein muss.

Noch grosszügiger als Zürich sind Zug, Glarus und Obwalden. Sie zahlen zwei Prozent. Wie in Zürich 1,5 Prozent gibt es in Neuenburg und Nidwalden. Das Gros der Kantone zahlt 0,5 Prozent und weniger. So hat es die Online-Zeitschrift «Cash» im Januar zusammengetragen. Allerdings ist die Vergleichbarkeit nur beschränkt gegeben, da sich die kantonalen Steuersysteme im Detail stark unterscheiden.

Zuungunsten des Staates

Die Zürcher Steuerämter versenden mehrere Einzahlungsscheine: die vorgedruckten, basierend auf den Zahlen des Vorjahres, für wahlweise drei Ratenzahlungen oder eine einmalige Zahlung – plus einen leeren Schein. Dieser ist für Steuerzahler mit absehbarer Veränderung ihres Budgets im laufenden Jahr gedacht.

Hier lässt sich im Prinzip ein beliebig hoher Betrag einsetzen, um vom guten Zins zu profitieren. Da habe man ein Auge darauf, sagt Steuersekretär Walther. Bislang habe es jedoch noch keinen Fall gegeben, der eine Intervention nötig machte.

Umgekehrt werden Zinsen für den Steuerpflichtigen fällig, wenn er zu spät zahlt. Auch hier sind die Konditionen günstig mit 1,5 Prozent bis zur definitiven Rechnung und danach 4,5 Prozent ab Verzug. Und auch das wird zuweilen ausgenützt.

Erlenbach hat im letzten Jahr punkto Zinsen rund 300 000 Franken mehr ausbezahlt als eingenommen, sagt Walther. Zuvor war diese Rechnung stets mehr oder weniger ausgeglichen. Der Gesamtetat der Gemeinde beträgt rund 50 Millionen Franken.

Das Ende ist absehbar

Früh einzahlen kann freilich nur, wer es sich leisten kann. Im wohlhabenden Erlebenbach sind das mehr Leute als in Zürich. Dort halten sich Aktiv- und Passivzinsen in der Bilanz des städtischen Steueramtes mit je rund 20 Millionen Franken nach wie vor die Waage (bei Gesamtsteuereinnahmen von rund 2,5 Milliarden).

Aber auch hier macht sich die Tendenz zum frühen Einzahlen bemerkbar. Und zuweilen werden Steuerpflichtige auch um eine Erklärung für ein auffällig hohes Guthaben beim Steueramt gebeten, sagt Bruno Fässler, Direktor des städtischen Steueramtes.

Er erinnert sich an einen Fall, als jemand gleich sein ganzes Vermögen einbezahlt hat, um vom guten Zins zu profitieren. Es wurde ihm umgehend zurücküberwiesen.

Fässler sieht den Fall indes mehr als Anekdote denn als Skandal. «Bei 240 000 Steuerpflichtigen gibt es nichts, was es nicht gibt.» Fässler verweist darauf, dass bei den natürlichen Personen Einkommen und Vermögen in der Regel nicht zu grosse Schwankungen aufweisen – anders als bei den juristischen Personen, den Unternehmen.

Ihre Guthaben beim Steueramt unterliegen daher seit sieben Jahren einem systematischen Monitoring. Je nach dem wird auch nachgefragt. Hier kann es um Summen gehen, bei denen sich die 1,5 Prozent auf Millionenbeträge summieren.

Ab 2016 dürfte es indes vorbei sein mit dem Zürcher Zinswunder bei den Steuern. Angesichts der Lage auf dem Finanzmarkt sei eine Anpassung in Vorbereitung, sagt Walter Urwyler vom kantonalen Steueramt.

Um wie viel der Zins sinkt, wird der Regierungsrat entscheiden. Für 2014 beziffert Urwyler den Saldo aus dem Ausgleichszins auf 1, 2 Millionen Franken zulasten des Kantonshaushalts.

Der Antrag auf eine Anpassung kommt jedoch von den Gemeinden. Sie schulden diesen Zins auch auf Depotleistungen im Zusammenhang mit der Grundstückgewinnsteuer. Sie ist eine reine Gemeindesteuer.