Das Stadtparlament hat am Mittwoch ein SP-Postulat mit 70 zu 49 Stimmen überwiesen, das eine solche Ehrbezeugung vorschlug.

1701 - 81 Jahre vor der Hinrichtung von Anna Göldi in Glarus - wurden sieben Frauen und ein Mann aus dem zürcherischen Wasterkingen in Zürich getötet, nachdem sie der Hexerei angeklagt worden waren.

Es waren die letzten Hexenprozesse in der Stadt Zürich. Von 1487 bis 1701 waren 79 Todesurteile wegen Hexerei ausgesprochen worden - gegen 4 Männer und 75 Frauen. Die Urteile habe damals die Exekutive des Stadtstaats Zürich gefällt. Dies seien zwar recht wenige, wenn man sie mit den Zahlen in anderen Ländern Europas vergleiche, sagte eine SP-Gemeinderätin.

Sie und eine Fraktionskollegin hatten ein Postulat eingereicht, in dem sie vorschlugen, den Opfern dieser "Justizmorde" ein Mahnmal zu errichten - etwa eine Gedenktafel an der Wasserkirche, auf der die - überlieferten - Namen der Hingerichteten verzeichnet sind. Auch die Sihl würde sich als Standort eignen.

Die Standorte schlagen die Postulantinnen nicht zufällig vor: Bei der Wasserkirche war seinerzeit die Anlegestelle für die Schiffe zum Wellenberg, dem Gefängnisturm im alten Zürich, wo die Angeklagten während des Prozesses untergebracht waren. Und an der Sihl wurden viele der Verurteilten hingerichtet.

2001 - 300 Jahre nach der letzten Zürcher Hinrichtung - hatten Kirche und Politik in Rafz nahe Wasterkingen einen Gedenkanlass für jene Justizmorde organisiert. Und die Leitung der reformierten Kirche im Kanton Zürich anerkannte damals ausdrücklich die historische Schuld, welche die Kirche in der Zeit der Hexenverfolgungen auf sich geladen hatte.

CVP, SVP, FDP: "Zwar gute Idee, aber..."

Die CVP stellte den Ablehnungsantrag. Gewiss seien die Hexenverfolgungen, die Folter und die Urteile aus heutiger Sicht schrecklich. Die dunkle Geschichte solle durchaus thematisiert werden und Eingang in den Geschichtsunterricht finden. Die historische Forschung zum Thema sei zu unterstützen. Es sei aber keine staatliche Aufgabe, ein Denkmal aufzustellen. Das könne auch ein Privater tun.

Ein SVP-Sprecher lobte das Anliegen der Postulantinnen, Opfer von Justizmorden zu rehabilitieren. Er bezweifelte jedoch, dass alle der 79 erwähnten Hingerichteten tatsächlich nichts verbrochen hätten. Dies sei erst einmal zu recherchieren und aufzuarbeiten. Für die wirklichen Justizopfer sei dann ein Mahnmal angebracht.

Der FDP liege es fern, die damaligen Vorgänge zu beschönigen, sagte ein FDP-Vertreter. Auch heute noch würden viele Menschen „mit erhobenem Finger" in Gut und Böse aufgeteilt, in moralisch und unmoralisch. Statt ein Mahnmal aufzustellen, solle man lieber an den eigenen Vorurteilen arbeiten.

Es gebe schon heute diverse Studien zur Hexenverfolgung, sagte eine Vertreterin der Grünen. Nicht zuletzt darauf habe sich die Rehabilitierung von Anna Göldi gestützt. Es seien viele Frauen durchaus auch nach damaligem Rechtsverständnis zu Unrecht verurteilt und hingerichtet worden.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) erklärte sich namens des Stadtrates bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Allerdings sei der Stadtrat nicht die richtige Stelle. Die Rechtsnachfolge des damaligen urteilenden Gremiums sei der Kanton. Mauch versicherte, sie werde beim Kanton in dieser Sache vorstellig werden und ihn bei einem positiven Bescheid „tatkräftig unterstützen". (sda)