Abstimmung

Das sind die neun zentralen Fragen zur Zürcher Stadion-Abstimmung

Das Stimmvolk hat dem Hardturmprojekt 2018 schon einmal zugestimmt.

Das Stimmvolk hat dem Hardturmprojekt 2018 schon einmal zugestimmt.

Am 27. September entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über den Hardturm-Neubau. Es ist bereits die vierte Abstimmung innert 17 Jahren dazu. Was sind diesmal die Streitpunkte?

Der Ball ist rund – und Fussball ein Spiel voller Überraschungen. Immer neue Spielzüge sind auch beim Kampf um den Bau eines Fussballstadions auf dem Hardturmareal in Zürich zu beobachten. Am 27. September kommt es bereits zur vierten Abstimmung innert 17 Jahren darüber. Am Dienstag lancierten die Stadionbefürworter den Abstimmungskampf. Die Gegner des Projekts konterten per Medienmitteilung. Elf Fragen stehen im Zentrum:

Worum geht es?

Das Projekt ist das gleiche, dem das Stadtzürcher Stimmvolk schon im November 2018 mit 54 Prozent Ja-Anteil zustimmte. Es sieht den Bau eines Fussballstadions mit 18000 Zuschauerplätzen vor, zudem eine Genossenschaftssiedlung mit 174 Wohnungen und zwei kommerziell zu vermietende Hochhäuser mit 570 Wohnungen. Die Hochhäuser wären mit 137 Metern die höchsten der Stadt. Mit den Mieten aus den Hochhäusern wollen die Investoren der Credit Suisse-Anlagefonds das Stadion querfinanzieren.

Warum schon wieder eine Abstimmung?

2018 ging es um den Baurechtsvertrag. Damit verzichtet die Stadt Zürich als Grundeigentümerin jährlich auf 1,7 Millionen Franken Baurechtszins, gleichsam als Steilpass für das ansonsten privat finanzierte Projekt. Am 27. September geht es nun um den Gestaltungsplan. Dieser ist nötig, weil die Hochhäuser deutlich höher sind, als es die Stadt Zürich ansonsten zulässt, nämlich 137 statt maximal 80 Meter. Der Gestaltungsplan schafft die rechtliche Grundlage dafür. Das Stadtparlament stimmte ihm zu. Die IG Freiräume Zürich-West ergriff mit 5000 Unterschriften das Referendum dagegen.

Wer sind die Stadiongegner?

Die IG Freiräume Zürich-West umfasst Anwohner und andere Kritiker des Projekts wie Gemeinderat Markus Knauss (Grüne) und Vertreter der Klimastreik-Bewegung. Sprecherin der IG Freiräume Zürich-West ist die Grüne Lisa Kromer, die Vorstandsmitglied des Vereins Stadionbrache ist.

Was läuft jetzt auf dem Hardturm-Areal?

Auf der Stadionbrache ist in den letzten Jahren ein vielfältiges Biotop aus Gemeinschaftsgärten, einem kleinen Skaterpark und einem Fussballplatz entstanden. Zudem finden auf den Resten des 2008 abgerissenen Hardturmstadions Veranstaltungen wie das Street-Food-Festival statt.

Wofür sind die Stadiongegner?

Für die IG Freiräume Zürich-West stehen ökologische Argumente im Vordergrund. Mit dem Stadion und den dazugehörigen Bauten würden wertvolle Grünflächen versiegelt. Schon heute komme es im dicht bebauten Zürich-West zu Hitzestaus. Es brauche ein ökologisches Umdenken in der Stadtentwicklung.

Was sagen die Parteien?

Grüne, AL und SP haben die Nein-Parole beschlossen. SP und AL halten sich jedoch im Abstimmungskampf zurück: Die SP, weil sie nach der Abstimmung 2018 versprochen hatte, sie wolle dem vom Stimmvolk gutgeheissenen Projekt keine Steine in den Weg mehr legen. Die AL, weil ihre Fraktionschefs im Stadt- und Kantonsparlament für das Stadion sind. SVP, FDP, CVP, EVP und GLP stehen für die Ja-Parole ein.

Was sind die Argumente der Stadionbefürworter?

Das Komitee «Ja zum Stadion» findet, das Projekt passe für den Sport, fürs Quartier und für Zürich. Für die Fussballklubs GC und FCZ, die zusammen mit Vertretern der Credit Suisse, der Allgemeinden Baugenossenschaft Zürich und Politikern wie Esther Guyer (Grüne) und Andri Silberschmidt (FDP) im Komitee  vertreten sind, sei der Stadionbau überlebenswichtig. Zudem entstehe Wohnraum für 1500 Menschen.

Was passiert bei einem Nein?

Als die Stadt Zürich der Credit Suisse 2010 das Hardturm-Areal abkaufte, wurde vereinbart, dass die Grossbank ein Rückkaufsrecht hat, wenn dort bis 2035 kein Stadion entsteht, wie der Stadtrat in der Abstimmungszeitung schreibt. Die IG Freiräume verlangte von der Stadt die Offenlegung dieses Vertrags – vergebens, wie die Stadiongegner am Dienstag mitteilten.

Warum genügt der Letzigrund nicht?

«Der Letzigrund ist ein Leichtathletik-Stadion» , sagt FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Ein reines Fussballstadion bringe mehr Zuschauer, mehr Stimmung und mehr Einnahmen für die Clubs. Zumal diese dann nicht mehr wie im Letzigrund Mieter bei der Stadt wären, sondern eigenständig Einnahmen auch aus dem Catering generieren könnten. Vorgesehen ist, dass der FCZ und die Grasshoppers sich das neue Hardturm-Stadion teilen würden.

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