Die zunehmende Reglementierung des Sexgewerbes durch die Stadt Zürich hat Folgen. Von Januar bis August 2013 haben sich doppelt so viele Rumäninnen und Bulgarinnen in Zürich als Prostituierte in Bordellen angemeldet wie im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. Dies berichtete die «NZZ am Sonntag» in ihrer jüngsten Ausgabe.

Die Zahl der Bordell-Prostituierten aus den EU-2-Staaten Bulgarien und Rumänien stieg demnach gemäss Angaben des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit von 986 auf 2028. Gleichzeitig habe die Zahl der auf dem Strassenstrich gemeldeten Frauen, die vor allem aus Ungarn stammen, stagniert.

Die Hintergründe dieses Wandels sind noch unklar. Fest steht: Anfang dieses Jahres führte der Zürcher Stadtrat eine neue Prostitutionsgewerbeverordnung ein. Gleichzeitig verschärfte er die Kontrollen bei Strassenprostituierten ausserhalb des Strichplans, namentlich im Langstrassenquartier. Freier und Prostituierte, die sich nicht an den Strichplan hielten, mussten Bussen in Höhe von mehreren hundert Franken bezahlen. Im Wiederholungsfall steigt die Summe weiter an.

Gleichzeitig hatte der Stadtrat angekündigt, dem Wildwuchs auf dem Strassenstrich ein Ende zu setzen. Aus der Ankündigung wurde am 26. August mit der Eröffnung des Strichplatzes in Zürich Altstetten Realität. Den Strassenstrich auf dem Sihlquai, der über Jahre für Negativschlagzeilen gesorgt hatte, lösten die Stadtbehörden damals auf. Der von der Stadt kontrollierte Strichplatz sollte ihn ersetzen und den Prostituierten mehr Sicherheit und würdigere Arbeitsbedingungen bringen.

Seither herrschte seitens der Stadt Funkstille zum Thema Strassenprostitution. Für eine erste Bilanz seit Eröffnung des Strichplatzes wollte der Stadtrat eine Frist von drei Monaten abwarten.

Strichplatz-Bilanz wird vorgezogen

Nachdem sich Medienberichte häuften, wonach der Strichplatz bei Prostituierten und Freiern nicht auf den erhofften Anklang stiess, hat die Stadt diese Frist nun verkürzt. Bereits morgen Dienstag will der scheidende SP-Stadtrat und Sozialvorsteher Martin Waser zusammen mit Strichplatz-Chef Michael Herzig und Stadtpolizei-Hauptmann Jörg Balzer eine erste vorläufige Bilanz zur Neuregelung der Strassenprostitution präsentieren.