Die Idee schien verlockend: Am Wochenende im Restaurant «Clouds» gediegen zu Abend essen – ganz oben im höchsten Haus der Schweiz, dem Prime Tower beim Bahnhof Zürich-Hardbrücke. Also flugs eine Reservationsanfrage gemailt. Doch die Antwort war ernüchternd: Am gewünschten Datum gebe es «keine Verfügbarkeiten mehr», hiess es per E-Mail aus dem Wolkenkratzer, und: «Sollten Sie Alternativdaten ab Mitte Mai unter der Woche oder ab Juli für Freitag und Samstag haben, werden wir dies gerne für Sie prüfen. Oder würde allenfalls ein Mittagessen infrage kommen? Dafür haben wir ab April wieder Verfügbarkeiten.»

Altersgrenze je nach Auftritt

Der Fall zeigt: Das erst im vergangenen Dezember eröffnete «Clouds» ist auf Monate hinaus ausgebucht. Sprecherin Anna Portmann bestätigt, abends sei das Restaurant am Donnerstag, Freitag und Samstag bis Ende Juni, während der Woche bis Ende April bereits «sehr gut gebucht».

Das hat sich herumgesprochen. Manch einer hat es daher schon aufgegeben, sich um eine Reservation zu bemühen. Dabei hatte das Immobilien-Unternehmen Swiss Prime Site das Restaurant im 126-Meter-Büroturm geplant, um ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Portmann betont denn auch: «Wenn man flexibel ist, kann man zuerst in der Lounge einen Apéro geniessen und anschliessend ab 20.30 Uhr spontan im Restaurant anfragen.»

Reservierbar seien ohnehin nur die 84 Plätze im «Fine Dining»-Bereich. Im Bistro hingegen gebe es ohne Reservation Plätze. Mit kleineren Wartezeiten sei allerdings auch dort am Abend zu rechnen. Doch das lässt sich ja in der Lounge bei einem Drink überbrücken.

Voraussetzung ist jedoch ein nicht zu jugendliches Auftreten: Im Januar führte das «Clouds» für Bistro und Lounge ab 18.30 Uhr eine Alters-Untergrenze von 25 Jahren ein, wie «Blick am Abend» berichtete. Gemäss Portmann handelt es sich dabei jedoch nicht um eine strikte Altersgrenze, sondern primär um eine Kleiderordnung: «Wichtig ist gut 20 Jahre und Casual chic für eine Harmonisierung unserer Gästestruktur.»

115 Angestellte

Hintergrund der Eingangskontrolle: Jedes Wochenende strömt jugendliches Partyvolk zu Tausenden ins Ausgeh-Quartier Zürich-West. Ein Publikum, das nicht unbedingt dem Zielpublikum des «Clouds» entspricht.

Solange die Nachfrage stimmt, kann es sich Zürichs neues In-Restaurant leisten, sein Publikum auszusortieren. Die grosse Nachfrage schafft übrigens auch Arbeitsplätze: Der Personalbestand des «Clouds» wurde laut Portmann bereits von 100 auf 115 Angestellte aufgestockt.

Monatlich eine Million als Ziel

Dabei hatte Swiss Prime Site lange keinen Pächter für das Restaurant ganz oben im Prime Tower gefunden. Branchenkenner erklärten dies mit den hohen Betriebs- und Investitionskosten. Schliesslich entschloss sich Swiss Prime Site, das Restaurant in Eigenregie zu führen.

Daher die Frage an Anna Portmann: Ist das Restaurant auch profitabel? Sie weicht aus: «Vertrauliche Information.» Nur soviel ist zu erfahren: Das Umsatzziel belaufe sich auf eine Million Franken – pro Monat, wohlgemerkt.